An einem Samstagabend steigt Iluska Grass am Zürcher Manesseplatz aus dem Bus. Sie hört Schreie, rennt los und stellt sich zwischen angetrunkene Rechtsradikale und einen am Boden liegenden orthodoxen Juden. Die Skins hatten den Mann verfolgt, bespuckt und mit Naziparolen verhöhnt. «Ich habe nicht gross überlegt, sondern einfach gehandelt», sagt Iluska Grass. So hat sie Schlimmeres verhindert. Der Haupttäter war ein mehrfach vorbestrafter Neonazi.

Aufgrund von Iluska Grass’ Aussagen wurde er wegen Rassendiskriminierung und Tätlichkeiten zu einer zweijährigen Gefängnisstrafe verurteilt. Er ficht das Urteil jedoch an. Ende Februar 2019, fast vier Jahre nach der Tat, spricht ihn auch das Zürcher Obergericht schuldig. Seine Haftstrafe wird auf zwölf Monate reduziert, er muss dem Opfer 3’000 Franken Genugtuung zahlen. «Ein viel zu mildes Urteil», findet Iluska Grass. «Antisemitismus und Rassismus sind nicht tolerierbar.»

Für Zivilcourage geehrt

Für ihren Mut und ihre Menschlichkeit wurde Iluska Grass am Freitagabend mit dem mit 15'000 Franken dotierten Prix Courage ausgezeichnet. Gekürt von den Leserinnen und Lesern des Beobachters und einer Jury unter der Leitung der ehemaligen Aargauer Regierungsrätin Susanne Hochuli. Beide Voten wurden gleich stark gewichtet.
 

«Ich bin völlig überwältigt, ich habe nicht mit der Auszeichnung gerechnet. Für so eine vergleichsweise kleine Tat – wow. Für mich ist es selbstverständlich, so zu handeln. Ich würde es jederzeit wieder tun.»

Iluska Grass, Gewinnerin Prix Courage 2019


«Iluska Grass steht exemplarisch für gelebte Zivilcourage. Sie hat unmittelbaren Mut gezeigt, also spontan gehandelt. Doch damit nicht genug: Sie hat ihren Mut behalten und reflektiert, sich der Konsequenzen bewusst, in einem Gerichtsverfahren ausgesagt. Als Einzige! Die anderen Beteiligten schwiegen lieber» sagte Susanne Hochuli in ihrer Laudatio. «Eine Welt ohne Grenzen, Menschlichkeit, keine Ausgrenzung, Respekt und Wertschätzung – und vor allem Mut! Dafür steht die Prix-Courage-Preisträgerin 2019.»

Interview mit Iluska Grass, Gewinnerin des «Prix Courage 2019»

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Die Geschichte von Iluska Grass

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«Lifetime Award» für Carla Del Ponte

Der «Prix Courage Lifetime Award» wird in diesem Jahr zum dritten Mal verliehen. Er ist mit 10'000 Franken dotiert und wird von der Redaktion des Beobachters vergeben. In diesem Jahr geht er an Carla Del Ponte. Die Schweizer Strafverfolgerin und Diplomatin hat ihr Leben lang dafür gekämpft, dass Untaten nicht ungesühnt bleiben. 
 

«Ich glaube immer noch an das Gute im Menschen.»

Carla Del Ponte, Gewinnerin Prix Courage «Lifetime Award»


In seiner Laudatio würdigte Beobachter-Chefredaktor Andres Büchi die Lifetime-Award-Gewinnerin: «Sich dieser Aufgabe ganz zu verschreiben, sein ganzes Leben dafür einzusetzen, erfordert eine Bestimmung und eine Opferbereitschaft, die nur ganz wenige Menschen bereit zu geben sind. Carla Del Ponte steht dafür als eine lebende Ikone. Sie verbrachte ihre Zeit in gepanzerten Autos, an Konferenztischen der Uno und in zu oft fruchtlosen Gesprächen mit Diplomaten, die Worten mehr Bedeutung zumessen als Taten. Aber sie liess sich nie unterkriegen. Sie hatte den Mut, ungeschönt die Wahrheit zu sagen, weil sie furchtlos ist gegenüber Mächtigen und deren Einschüchterungsversuchen. Und sie verschloss ihre Augen nicht vor den Gräueln dieser Welt, zu denen Menschen fähig sind. Sie zog daraus vielmehr ihre Motivation, noch energischer für Gerechtigkeit zu kämpfen.»

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Aus gesundheitlichen Gründen konnte Carla Del Ponte nicht persönlich an der Preisübergabe teilnehmen. «Der Beobachter wünscht der Preisträgerin auf diesem Weg herzlichst gute Besserung», so Büchi.
 

Das ist Carla Del Ponte — Gewinnerin des Prix Courage «Lifetime Award» 2019

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Über den «Prix Courage»

«Die Schweiz braucht Leute, die handeln, wo Zuwarten andere gefährdet, die laut werden, wo Schweigen Unrecht verdeckt, die ehrlich sind, wo Lügen leichter fiele», umschreibt Andres Büchi, Chefredaktor des Beobachters, die Idee für den Prix Courage.

Jedes Jahr prüft die Redaktion des Beobachters Vorschläge aus seiner Leserschaft, sichtet unzählige Medienmeldungen über mutige Taten und unerschrockenes Handeln zugunsten höherer Ziele. Dutzende Fälle werden nachrecherchiert, Hintergründe geklärt, unabhängige Zeugen befragt, bis feststeht, welche Personen und Taten besonders uneigennützig und mutig gehandelt haben. Dann stellt der Beobachter die seiner Ansicht nach überzeugendsten Fälle von Zivilcourage in einer Titelgeschichte der Zeitschrift und auf der Beobachter-Website vor.

Die einzelnen Taten zu werten ist weder für Jury noch für die Leserschaft leicht. «Alle Kandidaten, die der Beobachter nominiert hat, haben diesbezüglich Herausragendes geleistet, die Nomination zum Prix Courage ist eine verdiente Auszeichnung dafür.»

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Andres Büchi, Chefredaktor

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