Frage von Lea B.: «Ich habe Angst, dass mir oder meiner Familie etwas Schlimmes passieren könnte. Oft liege ich nachts wach und grüble darüber nach, was die Zukunft bringt und ob ich alles richtig gemacht habe. Wie kann ich diese ständigen Befürchtungen loswerden?»

Es gibt Leute, die machen sich wenig Sorgen und marschieren mit dem Gefühl durchs Leben: «Mir wird schon nichts passieren. Was auch kommt, ich werde es managen.» Andere sind ständig besorgt und überlegen sich, was alles passieren könnte. In Gedanken spielen sie alle Eventualitäten durch. Doch das ist ein unmögliches Unterfangen. Das Leben birgt zu viele Varianten.

Und wenn wir nicht mehr aus dem Grübeln herauskommen und plötzlich eine Sorge die andere jagt, wird das Ganze ungesund. Sorgen rauben Kraft und führen zu Ruhelosigkeit, Anspannung, Schlaf- und Konzentrationsstörungen und physischen Problemen wie Kopf- und Magenschmerzen. Falls das übermässige Sichsorgen mehrere Monate anhält, wird von einer generalisierten Angststörung gesprochen. Bei dieser sorgt sich eine Person nicht nur um einige wenige Probleme, die sie mit der Zeit auch lösen kann, sondern um eine Vielzahl, die immer wieder zurückkehren und nicht mehr kontrolliert werden können. Etwa jeder Zwanzigste ist im Verlaufe seines Lebens davon betroffen.

Wir würden die Sorgen gern wegdrücken

Die «Grundängstlichkeit» einer Person ist von verschiedenen Faktoren abhängig. Eventuell haben wir in unserer Lebens­geschichte vorgelebt erhalten, dass man sich ständig Sorgen machen muss. Sei es dadurch, dass uns wenig zugetraut wurde, wir auf alle Eventualitäten vorbereitet wurden und damit seltener die Erfahrung machen konnten, dass wir auch Unvorbereitetes bewältigen können. Es können jedoch auch reale Erfahrungen und stressvolle Zeiten sein, die uns gelehrt haben, dass Sorglosigkeit gefährlich ist. Diese Lebenserfahrungen beeinflussen unsere Einschätzung, wie sich ein Problem entwickeln wird und wie wir damit zurechtkommen.

Die Art, wie wir mit unseren Sorgen umgehen, hat Folgen für deren Ablauf und Dauer. Sobald eine Sorge kommt, versuchen wir oft, sie wegzudrücken, uns abzulenken oder sie zu kontrollieren. Was nicht gelingen will. Sobald wir Anspannung und Angst spüren, springen wir zum nächsten Thema. Die Anspannung nimmt weiter zu, da sich auch die Sorgen mehren.

Mit diesem Verhalten vermeiden wir es jedoch, jede einzelne Sorge richtig wahrzunehmen. Das sollten wir aber: Wenn wir uns um etwas sorgen, setzen wir uns mit zukünftigen Problemen auseinander. Wir bereiten uns vor auf das, vor dem wir uns fürchten.

Dazu gehört, die Sorgen zu Ende zu denken und sich zu hinterfragen: Wovor habe ich so viel Angst? Wie realistisch ist das? Was muss ich tun, damit es nicht eintrifft? Was kann ich tun, wenn es denn so kommt? Worauf habe ich wirklich Einfluss? Das Durchdenken jeder einzelnen Sorge bis zum Schluss hilft, das Sorgen­karussell zu stoppen. Die wichtigste Strategie gegen die Sorge ist paradoxerweise, ihr ins Auge zu schauen und sie auszuhalten.

So blicken Sie der Angst ins Auge

  • Schreiben Sie auf, was genau Sie befürchten. Auch wenn Sie in diesen Momenten eine grosse Anspannung erleben: Weichen Sie nicht aus.
  • Was wäre das Schlimmste? Überprüfen Sie, wie realistisch es ist, dass das Schlimmste und alles zusammen eintrifft, was Sie befürchten. Wie könnten Sie dann reagieren?
  • Manche Befürchtungen sind realistisch. Was brauchen Sie oder können Sie tun, damit das Befürchtete nicht eintrifft? Wenn wir Lösungen finden, nehmen Sorgen ab.
  • Einiges im Leben können wir nicht direkt beeinflussen. Versuchen Sie dann die Haltung einzunehmen: Ich nehme es an, wie es kommt. Ich bin dankbar für das, was ich erleben und erhalten durfte. Was morgen kommt, wird sich zeigen. Dann werde ich damit umgehen.
  • Wenn Verspannungen und Nervosität Auslöser sind: Versuchen Sie, sich bewusst immer wieder zu entspannen.

Buchtipp

Tobias Teismann: «Grübeln. Wie Denkschleifen entstehen und wie man sie löst»; Balance Buch + Medien, 2014, 136 Seiten, CHF 24.90