Fast jeder von uns hat ab und zu den «Blues»: Wir sind traurig und haben zu nichts Lust. Meist hat uns eine unerfreuliche Erfahrung niedergeschlagen. Ist das Ereignis verdaut, kommen wir von selbst wieder auf die Beine und setzen unseren Lebensweg fort – manchmal sogar etwas weiser als vorher.

Kritisch wird es jedoch, wenn jemand bestimmte Ereignisse über einen längeren Zeitraum nicht verarbeiten kann. Dann steckt der Betroffene in einer Lebenskrise. Es handelt sich dabei zwar noch nicht um eine seelische Erkrankung. Die Gefahr, dass sich aus der Krise eine Depression entwickelt, ist jedoch gross.

Bis zu 20 Prozent sind betroffen

Die Depression gehört zu den häufigsten psychischen Erkrankungen: Sie tritt mit einer Häufigkeit von 16 bis 20 Prozent auf - Tendenz steigend. Nicht immer sind Geschehnisse oder belastende Lebensumstände als Auslöser erkennbar. Auch schwere Kindheitserlebnisse können später eine Depression verursachen. Zudem spielen Persönlichkeit, Erbfaktoren sowie der Stoffwechsel eine wichtige Rolle.

Vor allem bei älteren Menschen kommen oft verschiedene Umstände zusammen: Zu den altersbedingten Abbauvorgängen kommt eine Lebenssituation, die von Verlusterlebnissen und Einsamkeit geprägt ist. Die Behandlung ist deshalb sehr anspruchsvoll – vorausgesetzt, die Kranken suchen überhaupt Hilfe und die Depression wird als solche erkannt.

Das ist längst nicht immer der Fall. Denn Depression ist ein Tabuthema. In einer Zeit, in der «gut Draufsein» Pflicht ist, geht man nicht zum Arzt wegen Erschöpfung, Angst, Kontaktstörungen oder Einsamkeit. Der durchschnittliche Patient klagt eher über Schlafprobleme, Kopfweh, Herzstechen, Rückenschmerzen, Darmstörungen, Appetitlosigkeit und sexuelle Lustlosigkeit.

Ein depressiver Mensch ist in seiner körperlichen und geistigen Leistungsfähigkeit stark eingeschränkt. Solche handfesten Körpersymptome haben ihre Wurzeln oft in der Lebensgeschichte der Patienten – ohne dass sie etwas davon ahnen.

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Bei naturheilkundlichen Therapien stehen die Chancen gut, dass eine versteckte Depression aufgedeckt wird. Das hat damit zu tun, dass «sanfte» Methoden dem Gespräch viel Raum lassen. Dabei geht es nicht um Psychotherapie, sondern um aktives Zuhören. So kann herausgefunden werden, welche Stärken der Patient hat und wie diese Ressourcen geweckt werden könnten. Da die Kranken am Anfang oft nicht über ihr Leiden sprechen können, erfordert das viel Zeit und Geduld.

Den Weg aus der Depression muss der Kranke letztlich aus eigener Kraft gehen. Kräutermedizin, Akupunktur, Homöopathie und andere «sanfte» Methoden können ihn dabei aber wirkungsvoll unterstützen. In schweren Fällen kann vorübergehende psychotherapeutische oder psychiatrische Hilfe notwendig werden.

Zum Wesen der Depression gehört es auch, dass Patienten sich manchmal nicht helfen lassen wollen. So lange keine Eigen- oder Fremdgefährdung besteht, ist dies zu akzeptieren. Vielleicht brauchen die Betroffenen einfach mehr Zeit. «Helfen» kann in solchen Fällen auch bedeuten, einen Menschen in Ruhe zu lassen, bis er Hilfe annehmen kann.

Was tun bei einer Depression?

  • Die Heilung einer Depression erfordert Zeit und verläuft in mehreren Phasen. Es bringt nichts, sich gegen die Krankheit zu wehren oder den Patienten zu Aktivitäten zu drängen.
  • Bei depressiven Menschen versagt der Wille. Das Nicht-wollen-Können ist für Gesunde schwer zu verstehen, macht aber gerade das Wesen dieser Krankheit aus.
  • Einfältige Ratschläge und Ablenkungsmanöver («Das wird schon wieder», «Denk doch positiv!», «Andere habens viel schwerer als du») können eine verheerende Wirkung haben.
  • Am ehesten helfen Sie, wenn Sie den depressiven Menschen so akzeptieren, wie er ist. Begleiten Sie ihn ruhig und unaufdringlich – und seien Sie einfach da, wenn er Hilfe wünscht.
  • Unter der Krankheit leidet oft auch das Umfeld. Angehörige können sich beraten lassen.
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