Die Gletscher der Alpen verlieren jedes Jahr bis zu drei Prozent ihrer Fläche. Bis Ende des Jahrhunderts werden nur vereinzelte Eisreste in grosser Höhe übrig bleiben. In den freigelegten Mulden bilden sich bis zu 600 neue Seen mit einer Gesamtfläche von 60 Quadratkilometern – das entspricht anderthalbmal der Fläche des Bielersees. Im Hochsommer ist es durchaus möglich, in einzelnen der neu ­gebildeten Bergseen zu baden, vorausgesetzt, sie sind gesichert und stabil.

Risiken bestehen für Siedlungsgebiete und Berggänger. Viele Gletscherseen bilden sich am Fuss steiler Bergflanken, wo Felsblöcke abrutschen können. Das kann Sturzfluten auslösen, die sich bis ins Tal erstrecken.

Oberhalb von Grindelwald zum Beispiel kam es vor fünf Jahren zu einem Ausbruch des sich dort ­bildenden Gletschersees. Beim Grossen ­Aletschgletscher werden sich in den kommenden Jahrzehnten mehrere grosse Seen bilden. Kommt es zum Wasserausbruch, ­würde die entstehende Sturzflut die ­Gemeinde Naters im Rhonetal überfluten.

Weil die Eis- und Schneebedeckung geringer ausfallen wird, muss im Winter we­niger Salz gestreut werden. Es gelangt weniger Salz in den Untergrund, so dass die Pflanzen davon profitieren.

Nein. Die Hochwassergefahr verschiebt sich allerdings vom Frühling auf das Herbst- und Winterhalbjahr. Im Winter wird es allgemein mehr Niederschlag geben. Weil die Schneefallgrenze steigt, regnet es auch mehr. Das Risiko starker Niederschläge nimmt ebenfalls zu.

Überlebt die Bachforelle?

Kaltwasserfische wie Bachforelle oder Äsche leiden unter steigenden Temperaturen. Sie sterben bereits bei 25 bis 26 Grad Wassertemperatur. Im Hitzesommer 2003 etwa verendete die Äschenpopulation im Hochrhein. Die Wärme erhöht zudem die An­fälligkeit für Parasiten. Modellrechnungen zufolge ­ist bis 2050 von einem starken Rückgang der Kaltwasserfisch­bestände in den Fliessgewässern des ­Mittellands auszugehen.

Ja, aber das bodennahe Trink­wasser wird sich im Sommer erwärmen. Damit steigt das Risiko der Verunreinigung durch Bak­terien und andere Mikroorganismen. Bei höheren Temperaturen wird je nach Mineraliengehalt ­Eisen ausgefällt, das das Wasser rostrot färbt. Der Aufwand für Überwachung und Kontrolle der Trinkwasseraufbereitung wird steigen.

Die Niederschläge werden bis Ende Jahrhundert um ein Fünftel zurückgehen. Besonders im Norden wird es im Sommer weniger regnen. Trockene, heisse Phasen werden regelmässig vorkommen. Alle zwei Jahre ist mit einer langen Hitze­periode mit Temperaturen gegen 40 Grad zu rechnen. Vor allem der Jura, Teile des Mittellands, das ­Tessin und das Wallis werden von Wasserknappheit ­betroffen sein. Wenn weniger Wasser durch Rhein und Rhone ­abfliesst, könnte das Schwinden dieser Ressource zu Konflikten mit den Nachbarländern führen.

Die Ingenieure rechnen grundsätzlich mit einem höheren Ertrag aus Photovoltaik. Der Grund: Weniger Nebel würde zu mehr Sonneneinstrahlung führen. Weil zwischen unterschiedlich warmen Luftmassen die Luft in Bewegung ­gerät, entsteht Wind. Mehr Sonnenschein bedeutet also mehr Wind, der für die Produk­tion von Energie genutzt werden kann. Ob der Klimawandel in unseren Breiten wirklich zu mehr Wind führen wird, lässt sich jedoch nicht klar voraussagen.

Inwieweit sich die Seen, die infolge der Gletscherschmelze zurückbleiben, für die Strom­produktion eignen, muss im Einzelfall geklärt werden. Im Fall des Walliser Corbassière-Gletschers kommen Experten zum Schluss, dass der sich bildende See mit einer kleinen ­Staumauer zu einem grossen Speicher aufgestaut werden könnte. Bei dem Gefälle liesse sich ein Kraftwerk mit 500 Megawatt Leistung wirtschaftlich betreiben.

Beide Blöcke des Atomkraftwerks Beznau leiten ihr Kühlwasser in die Aare. Aufgrund der steigenden Wassertemperaturen werden in Zukunft die Bestimmungen zur Einleitung von Kühlwasser verschärft. Die Leistung thermischer Kraftwerke muss deshalb bei hohen Temperaturen gedrosselt werden. Zum Schutz der Flussökosysteme könnte das Zurückleiten von Kühlwasser sogar ganz verboten werden. Das AKW Beznau wird aber vermutlich abgewrackt, bevor die neuen Bestimmungen in Kraft treten. Der Bau eines Kühlturms ­erübrigt sich also.

Die höheren Durchschnittstemperaturen reduzieren den Heizbedarf im Winter. Der Verbrauch von Brennstoffen wie Heizöl, Gas und Kohle wird zurückgehen. Der Spar­effekt wird allerdings zunichte­gemacht durch den höheren Kühlbedarf im Sommer. Wohn- und Geschäftshäuser werden vermehrt mit Klimaanlagen aus­gerüstet. Der Stromverbrauch dürfte trotz Spar­anstrengungen längerfristig steigen.

Trocknen die Stauseen aus?

Die Gletscherschmelze und die steigende Schneefallgrenze verändern den Wasserabfluss in den Alpen und damit das Potential der Wasserkraftwerke. Die Schneeschmelze im Sommer wird in den kommenden Jahren noch zunehmen, längerfristig aber ­zurückgehen. Dafür wird es mehr regnen. Insgesamt steht etwas weniger Wasser zur energetischen Nutzung zur Verfügung: Die Betreiber rechnen aufgrund des geringeren Abflusses mit rund sechs Prozent weniger Strom durch Wasserkraft bis 2085.

Quelle: Sabrina Tibourtine

Von einer Erwärmung um anderthalb bis zwei Grad könnten manche Kulturpflanzen profitieren – wenn es genügend Wasser gibt. Da aber bereits ein leichter Tempera­turanstieg mehr Hitzephasen mit sich bringt, gleichen sich Ertragssteigerung und -verlust bei wichtigen Kulturpflanzen (Weizen, Zucker­­rüben) in etwa aus. Steigt die Durchschnittstemperatur wie prognostiziert um mehr als zwei Grad, rechnen Experten wie Jürg Fuhrer von der landwirtschaftlichen Forschungsanstalt Agro­scope mit deutlichen Verlusten durch Hitzestress und Wassermangel.

Brauchen unsere Kühe Klimaanlagen?

Milchkühe fühlen sich bei Temperaturen über 30 Grad Celsius unwohl und geben weniger Milch. Hitzewellen mindern den Ertrag massiv. Schon heute planen deshalb manche Bauern klimatisierte Ställe. Deren Verbreitung wird davon abhängen, ob der Bund solche Investitionen ­subventioniert. Das ist heute noch nicht der Fall.

Wärmeliebende Rebsorten wie Cabernet ­Sauvignon, Barbera oder Merlot gedeihen heute vor allem südlich der Alpen. Schweizer Weinbauern könnten vom Klimawandel profitieren und künftig vermehrt Traubensorten ­anbauen, die in unseren Breitengraden noch kaum vorkommen. Schon heute pflanzen ­innovative Winzer in der Nordschweiz zum Beispiel Merlot an.

Aufgrund der verlängerten Vegetationszeit werden sich Insekten stärker vermehren. Deshalb müssen wir mit einer Zunahme von Schädlingen rechnen. Bei Arten wie dem Maiszünsler, dem Maiswurzelbohrer, der Blattlaus und dem Kartoffelkäfer ist dieser Zusammenhang belegt. Auch Krankheiten können unter wärmeren ­Bedingungen vermehrt auftreten. Beispielsweise die ­Blauzungenkrankheit bei Kühen: Sie wird von einem Virus ­ausgelöst, das Mücken auf Schafe und Rinder übertragen.

Quelle: Sabrina Tibourtine

Die Zahl der schneesicheren Wintersportorte sinkt laut einer Studie bis Ende Jahrhundert von heute 159 auf 78. Destinationen mit gut ausgebauten Skigebieten in grosser Höhe werden davon profitieren. Sie werden mehr Touristen an­ziehen, weil die tiefer gelegenen Orte unter Schneemangel leiden. Gemeinden wie Laax oder Saas Fee dürften zu den Gewinnern zählen. Aber auch das Dorf Andermatt, das auf «nur» 1450 Metern liegt, kann aufgrund seiner besonderen Lage mit ausreichend Schnee rechnen.

Heute gelten Skigebiete oberhalb von 1300 Metern als schneesicher. Steigt die Schneefallgrenze bis 2050 wie prognostiziert um 360 Meter, werden vor allem ­Destinationen im Berner Oberland, in den Freiburger und Waadtländer Alpen sowie in der Zentral- und Ostschweiz betroffen sein. Talabfahrten werden ohne Schnee­kanonen kaum mehr möglich sein. Adelboden bleibt mit 1350 Metern über Meer ­eine Winterdestina­tion, aber der Aufwand zur künstlichen Beschneiung wird zunehmen. Selbst Zermatt, auf 1600 Metern ­gelegen, wird ohne Kunstschnee keine Fahrt ins Dorf garantieren können.

Ja, denn stabiles Hochsommerwetter mit geringem Niederschlag kommt ­häufiger vor. Dieser Wandel erhöht aber auch die Attraktivität von höher gelegenen Ferienorten, die sich als Sommer­destinationen vermarkten. Die von der Hitze in Städten und Agglomerationen geplagten Unterländer werden vermehrt die Sommerfrische in Gebieten wie dem Engadin oder dem Berner Oberland suchen.

Das ist möglich. Weil sich Städte im Vergleich zum Umland stärker erwärmen, sind sie schon heute Lebensraum für exotische Pflanzen wie den Götterbaum. Die ebenfalls aus Asien eingeführte Hanfpalme konnte sich bisher erst im Tessin etablieren. Sie gedeiht gut in mildem Klima und könnte künftig auch die Innenstädte nördlich der Alpen ­begrünen. Unter Schweizer Stadtentwicklern kursiert seit Jahren der ­Begriff «Mediterranisierung». Er bedeutet, dass wir bereits heute die warme ­Jahreszeit im öffentlichen Raum geniessen wie die Menschen am Mittelmeer.

Als es im Sommer 2003 während fast zweier Wochen tagsüber extrem heiss und nachts nie richtig kühl war, ­starben in der Schweiz rund 1000 Menschen an den Folgen der Hitze. Zwei Drittel waren Betagte und Pflegebedürftige über 80 Jahre. Wenn Hitzephasen zur Regel werden, ist damit zu rechnen, dass die Zahl der Hitze­toten zunimmt. Eine gute Betreuung in Spitälern und Alters- oder Pflegeheimen sowie die Kühlung der Häuser wirken aber vorbeugend.

Hohe Temperaturen steigern das Infektionsrisiko durch Wasser und verdorbene Lebensmittel, zum Beispiel Glace. Krankheitserreger wie Salmonellen können sich bei Wärme vor allem in Fleisch- und Milch­produkten gut vermehren. Unsere Standards in Sachen Lebensmittel­sicherheit sind aber schon heute sehr hoch, so dass die Gefahr gering ist.

Kommt die Malaria zurück?

Bis in die 1950er Jahre lebten in Europa Mücken, die Malariaerreger verbreiteten. Malariaverseuchte Sümpfe gab es in Nord­italien und in der Südschweiz, vor den Gewässerkorrekturen im 19. Jahrhundert auch in der Linthebene und im Grossen Moos zwischen den drei Juraseen. Die lebensgefährliche ­Tropenkrankheit müssen wir aber trotz Klimawandel nicht fürchten. Denn der Erreger, der tropische Parasit Plasmodium falciparum, überlebt nur während längerer Phasen von über 24 Grad Wärme. Der europäische Malariaparasit (Plasmodium vivax) ist kälteangepasst und weniger gefährlich. Bei unserem gut ausgebau­ten Gesundheitssystem wäre dieser Parasit laut Fachleuten kaum bedrohlich.

Die Asiatische Tigermücke (Stegomyia albopicta) kann gefährliche Viren auf den Menschen übertragen, die ihrerseits Krankheiten wie das Dengue- oder das Chikungunya-Fieber auslösen können. Vereinzelt wurden Tiger­mücken bereits im Tessin gesichtet; aus der nördlichen Schweiz gibt es nur unbestätigte Berichte. Man muss aber damit rechnen, dass die Tigermücke sich hier niederlässt und neue Viruskrankheiten mit sich bringt.