Schweizer und Schweizerinnen sind Weltmeister im Blumenschenken. In keinem anderen Land wird mehr Geld für Blumen ausgegeben: Pro Kopf und Jahr sind es 140 Franken. Am Valentinstag werden wieder Rekordmengen verschenkt, vor allem rote Rosen. Doch woher kommen die Farbtupfer eigentlich, mitten im Winter? Bevor sie in unserer Vase landen, haben Blumen oft mehr von der Welt gesehen als wir: Sie kommen aus Kenia, Tansania, Äthiopien, Ecuador, Kolumbien oder Indien, aus Ländern also, wo die Sonne das ganze Jahr im Überfluss scheint.

Doch Blumen sind ein Frischprodukt mit sehr beschränkter Haltbarkeit. Sobald sich die Blüten öffnen, müssen die Blumen geerntet und rasch nach Europa geliefert werden – per Flugzeug. Dabei werden die hohen Frachtpreise in Kauf genommen, denn die Löhne in den Produktionsländern sind tief, und die Gewächshäuser müssen nicht beheizt werden. Der Lufttransport ist selbst bei Fairtrade-Produkten erlaubt, weil die Ware schnell verderblich sei, sagt Regula Weber von Max Havelaar.

Blumen aus Billiglohnländern, die um die halbe Welt geflogen werden: Soll man diese überhaupt schenken? Anstelle der Exoten könnte man einheimische Blumen kaufen, überlegt sich der kritische Kunde. «Alle in der Schweiz produzierten Schnittblumen sind ‹fairtrade›», sagt Beat Thomann von der Zürcher Blumenbörse. «Schweizer Gärtner zahlen faire Löhne, und lange Transportwege per Flugzeug und Lastwagen aus Holland fallen weg.» Das Problem für die Kundin: 70 Prozent aller Blumen auf dem Schweizer Markt gelangen über das holländische Aalsmeer, dem weltweit grössten Blumenumschlagplatz, zu uns – oft bleibt unklar, ob der Strauss vom Wochenmarkt nicht doch aus Holland eingeflogen wurde.

Stammen die Blumen gar aus einem holländischen Gewächshaus, haben sie eine besonders schlechte Klimabilanz: Gemäss der Umweltschutzstiftung Myclimate belasten sie das Klima zwanzigmal so stark wie Blumen aus der Freilandproduktion und viermal so stark wie Blumen aus Ecuador. «Ein Kilogramm Blumen aus Holland verursacht 40 Kilogramm CO2 – so viel wie ein Mittelklassewagen auf 1500 Kilometern Fahrt», sagt Kathrin Dellantonio von Myclimate.

Arbeiterinnen profitieren

Also doch Fairtrade-Blumen aus dem Süden? Dafür spricht, dass «in Afrika vom Blumenanbau viermal so viele Leute leben können wie vom Gemüseanbau», sagt Regula Weber von Max Havelaar. Der höhere Preis (Fairtrade-Blumen kosten 10 bis 20 Prozent mehr) wird direkt an die Arbeiterinnen weitergegeben und für Projekte wie etwa bessere Schulen eingesetzt. «Zudem tragen die Arbeiterinnen auf Fairtrade-Farmen Schutzkleider», sagt Weber, «im Gegensatz zu den konventionellen Betrieben, wo viele bei der Arbeit krank werden.» Grund dafür sind giftige Schädlingsbekämpfungsmittel.

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Auch Fairtrade-Blumen werden gespritzt, allerdings schliesst eine Liste von verbotenen Substanzen die giftigsten aus. Auf biologische Schädlingsbekämpfung dagegen setzt man nur zögerlich. «Da liegt noch viel mehr drin», sagt Bernhard Bürgisser von der Rümlanger Importfirma Agrotropic AG, die Blumen mit dem Max-Havelaar-Siegel an den Grosshandel liefert und in Sri Lanka und Kenia eigene Farmen betreibt. «In Kenia bekämpfen wir die rote Spinne erfolgreich mit biologischen Mitteln.» Die Aussichten, dass Produzenten ganz auf Bio-Anbau umstellen, sind jedoch schlecht. Der Grund: Bio-Blumen sind teuer. Kommt hinzu, «dass der biologische Anbau für Zuchtrosen fast nicht machbar ist», sagt Bürgisser. «Bei Schnittrosen gibt es noch nicht genügend resistente Sorten.»

Schenken und Gutes tun

Auch die Kunden spielen nicht mit. «Sie wollen ein einwandfreies Produkt, Mängel wie beim Bio-Apfel werden nicht akzeptiert», sagt Bürgisser. «Blumen müssen in erster Linie schön und haltbar sein», bestätigt Oliver Morf von Blume 3000. Doch stellt der Geschäftsführer, der auf Fairtrade-Rosen umgestellt hat, fest: «Immer mehr Leute legen Wert darauf, dass die Blumen, mit denen sie anderen eine Freude machen, fair und umweltbewusst produziert werden.» Nach dem Motto: Rosen schenken und damit Gutes tun.

Fairtrade feiert rosige Zeiten

Das Max-Havelaar-Siegel kennzeichnet fair produzierte und gehandelte Blumen. 2001 setzte der faire Handel rund 21 Millionen Blumen ab, 2007 waren es bereits 88 Millionen. Auch die Herkunft lässt sich eruieren, indem man die sogenannte FLO-ID auf dem Siegel online nachschlägt. Mit dem «Produzenten-Finder» auf www.maxhavelaar.ch findet man etwa heraus, dass die Rose «FLO-ID 4410» von der Plantage «Hoja Verde» in Ecuador stammt, die 203 Angestellte beschäftigt.

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