Ein Baum ist ein Stück Natur. Nur: Bei Christbäumen ist das anders. Sie sind nicht automatisch bio. Sondern meist konfektionierte Massenware. Eine Million Bäume gelangen bei uns jedes Jahr in den Verkauf. Davon stammen 60 bis 80 Prozent aus dem Import, mehrheitlich aus Plantagen in Dänemark und Deutschland, schätzt der Verband Waldwirtschaft Schweiz. Und auf den Plantagen wird Chemie eingesetzt: «Auf konventionell angebauten Plantagen werden oft synthetische Dünger oder chemische Wachstumsförderer eingesetzt, ebenso Pestizide, Herbizide und Fungizide», sagt Corina Gyssler vom WWF Schweiz. Mit den Pestiziden wollen die Züchter Trieblaus, Rüssel- oder Borkenkäfer loswerden, gegen Gras und Kraut werden Herbizide, gegen Pilze Fungizide eingesetzt, und Farbverstärker sollen das Grün noch ein wenig grüner zu machen.

Schweizer Bäume sind ökologischer

Doch es geht auch anders. «Schweizer Bäume werden ökologisch produziert», erklärt Roland Furrer von Waldwirtschaft Schweiz. Philipp Gut von der IG Suisse Christbaum bekräftigt: «Christbäume sind extensiv im Anbau. Spritzen, Düngen oder der Einsatz von Maschinen ist bei uns zu aufwändig respektive tabu.» Was für die Kulturen auf landwirtschaftlichen Flächen gilt, gilt für die Weihnachtsbaumkulturen, die im Wald wachsen, erst recht: keine umweltgefährdende Stoffe, keine Düngung. Dafür garantiert das Schweizer Waldgesetz. "Besonders nachhaltig arbeiten zertifizierte Forstbetriebe, die das FSC-Label oder das gleichwertige internationale PEFC-Label führen", so Furrer. Auch Waldeigentümer, die das FSC-Label (noch) nicht führen, würden den Wald nach ökologischen Gesichtspunkten bewirtschaften.

Einheimische Christbäume punkten auch in Bezug auf die Ökobilanz, die dank der kurzen Transportwege günstiger ausfällt als bei Import-Bäumen. «Ein Schweizer Baum aus herkömmlicher Produktion schneidet unter Umständen besser ab als ein Öko-Baum aus dem Ausland», sagt Corina Gyssler. Weitere Gründe für einheimisches Holz: «Schweizer Christbäume sind erntefrisch – und die Wertschöpfung bleibt in der Region», sagt Roland Furrer.

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Auch preislich schneiden Schweizer Christbäume gut ab: «Im Direktverkauf, beim Bauern oder Förster, bekommt man ein Rottännchen bereits für 20 Franken», sagt Philipp Gut von der IG Suisse Christbaum. «Darüber hinaus kann man sich sein Bäumchen gleich selbst aussuchen.» Besonders für Familien mit kleinen Kindern kann das Aussuchen des Christbäumchens zu einem Ereignis werden. Viele Gemeinden machen aus dem Christbaumverkauf einen «Event» – und geben sie an die Einwohner oft gratis ab.

Wer seinen Tannenbaum beim Grossverteiler kauft, sollte in erster Linie auf die Herkunft achten. Eine gesetzliche Deklarationspflicht gibt es nicht. Deshalb sollte man «grundsätzlich nachfragen, wo der Baum herkommt», rät Roland Furrer.

Bio-Bäume – ein Beitrag zum Umweltschutz

Auf dem Markt gibt es mittlerweile auch ökologisch produzierte Tannenbäume aus Kulturen oder Wäldern, die ein FSC- oder Bio-Knospe-Label tragen. Bei Coop beträgt der Anteil an Bio-Tannen 8 Prozent, der FSC-Anteil macht 5 Prozent aus, die Tannen des Pro Montagna-Labels weitere 4 Prozent. Die zertifizierten Bäume – Rottannen wie Nordmannstannen – stammen allesamt aus der Schweiz. Damit reagiert das Unternehmen «auf das wachsende Bedürfnis der Konsumenten nach einer nachhaltigen Auswahl auch bei Christbäumen», so Nicolas Schmied von Coop. Die Bio-Tannenbäume sind nach den strengen Richtlinien der Bio Suisse produziert.

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Beim Grossverteiler Migros ist das Angebot an zertifizierten Bäumen vergleichsweise bescheiden: 5 Prozent der Christbäume tragen das FSC-Label. Ein Teil der von der Migros angebotenen Bäume – 60'000 Stück – stammen von zwei Lieferanten in Dänemark, die herkömmlichen Anbau betreiben. Migros-Sprecherin Monika Weibel betont, dass beim Plantagenanbau «bei gezieltem Einsatz bereits geringe Mengen Pflanzenschutzmittel reichen» und dass «sich mehr und mehr auch alternative Methoden durchsetzen.»

Wer auf Nummer sicher gehen will, holt sich einen zertifizierten Baum in die Stube oder – besonders klimafreundlich – sucht sich das Bäumchen beim Förster oder Bauern in der Region gleich selber aus.

Alternativen – aus dem Topf oder aus Plastik?

Christbäume werden auch im Topf angeboten. Eine Alternative zum alle Jahre geschlagenen Bäumchen, das nach wenigen Tagen sowieso entsorgt wird? «Jein», so die Antwort Roland Furrers von Waldwirtschaft Schweiz. «10 Tage in der überheizten Stube bedeutet für den Baum Stress pur.» Wenn das Bäumchen die «Wärmebehandlung» überstehe und später in den Garten gesetzt werde, sei dagegen nichts einzuwenden.

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Wer auf symmetrische Bäume steht, wie sie in der Natur selten vorkommen, kauft sich möglicherweise einen Plastikbaum. Das hat Vorteile: Der künstliche Weihnachtsbaum ist feuerfest und hält länger.

Aus ökologischer Sicht ist die Plastiktanne jedoch wenig sinnvoll: Bei ihrer Herstellung wird Energie und Plastik verbraucht und CO2 freigesetzt, ebenso bei der Entsorgung respektive Verbrennung. Echte Bäume hingegen binden zu Lebzeiten Kohlendioxid. Mindestens 17 Jahre muss man einen Plastikbaum «besingen», bis er eine günstigere Klimabilanz aufweist als ein echter Baum, wie australische Forscher kürzlich berechnet haben.

Christbaum entsorgen – gewusst wie

Auch echte Christbäume müssen fachgerecht entsorgt werden: Am besten gibt man ihn der Grünabfuhr mit oder häckselt und kompostiert ihn im Garten. Im Cheminée oder unter freiem Himmel verbrennen widerspricht der Luftreinhalteverordnung, weil dabei unerwünschte Partikel freigesetzt werden: «Der Baum müsste ein Jahr trocknen, bevor man ihn verbrennen kann», sagt Corina Gyssler vom WWF. Auch das von einigen Gemeinden als «Happening» organisierte gemeinsame Verbrennen der Weihnachtsbäume belastet die Luft – und ist bewilligungspflichtig. Eine Voraussetzung fürs Kompostieren wie Verbrennen ist: Der Baum sollte frei von Schmuck, Silberspray, Lametta und Engelshaar sein. Ansonsten besteht die Gefahr, dass Schadstoffe wie Schwermetalle freigesetzt werden.

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Das Klima schonen lässt sich nicht nur bei der Wahl des richtigen Christbaums. Während der Weihnachtsfeiertage verbrauchen wir gemäss Berechnungen der Münchner Firma ClimatePartner im Durchschnitt 90 kg CO2-Äquivalente pro Kopf, rund 30 kg je Feiertag. Die Emissionen entstehen unter anderem durch den erhöhten Heizbedarf, den stundenlang im Ofen schmorenden Festtagsbraten oder durch die üppige Beleuchtung. Auch hier gibt es ökologischere Alternativen: beispielsweise ein fleischloses Weihnachtsmenü oder der Verzicht darauf, gleich das ganze Haus zu illuminieren. Auch «grüne» Weihnachtskarten lassen sich unterdessen verschicken – FSC-zertifiziert und klimaneutral.