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PCBDas Gift, das man vergessen möchte

PCB verursacht Krebs. Der Stoff ist seit Jahrzehnten verboten. Aber immer noch weit verbreitet. Die Behörden schauen zu.

PCB ist krebserregend und weit verbreitet. Doch die Behörden schauen zu.
von aktualisiert am 28. März 2018
Kuhstall
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Bauer Stefan Müller* sass kurz vor Weihnachten 2013 im Postauto. Die Schlagzeile, die auf dem Monitor vorn im Bus erschien, traf ihn wie ein Blitz: «Dioxin im Rindfleisch»! Das war sein Hof, das waren seine Tiere!

Bereits seit Monaten hing über dem Betrieb des Bündners eine Verkaufssperre. Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) hatte in Kalbfleischproben überraschend dioxinähnliches PCB gefunden. Die Menge überschritt den gesetzlichen Grenzwert teilweise um fast das Fünffache. Auch Milchproben lagen über der erlaubten Höchstkonzentration. Der Befund blieb geheim. 

Die Schlagzeile im Bus stammte von einem Bericht der «Berner Zeitung» über die BAG-Stichprobe: Von 53 untersuchten Mutterkuh-Betrieben waren zwei PCB-belastet. Der zweite Hof befand sich im Kanton Luzern. Weil die Werte dort aber «nur» 25 Prozent über dem Limit lagen, durfte das Fleisch «vorläufig weiter verkauft werden».

Für Behörden unerklärbar

Die Industriechemikalie PCB ist in der Schweiz seit über 30 Jahren verboten. Sie zählt zu den giftigsten Stoffen überhaupt, gilt als krebserregend und beeinträchtigt das Hormonsystem. Besonders tückisch: Wer nicht danach sucht, bemerkt sie nicht.

Warum Rinder und Kälber so stark mit PCB belastet waren, konnten sich die Behörden nicht erklären. Eine Vermutung: Das Gift war in «minimalen Spuren» auf der Weide vorhanden, wo es die grasenden Kühe aufnehmen und mit der Milch an die Kälber weitergeben.

Doch Zweifel blieben: «Schon fast unheimlich ist, dass sich die Experten bei beiden Höfen nicht erklären können, weshalb gerade diese so hohe Werte aufweisen», kommentierte die «Berner Zeitung». Das BAG kündigte weitere Untersuchungen an. Damit verschwand das Problem aus der Öffentlichkeit.

 

«Als ich vor 25 Jahren begann, sagte man mir, das Thema PCB sei erledigt. Noch heute macht es einen Grossteil meiner Arbeit aus.»

Markus Zennegg, Empa-Chemiker

 

Der Bündner Kantonschemiker Matthias Beckmann hat die Untersuchungen auf dem Hof in Graubünden geleitet. Rückblickend sagt er: «Wir wussten nicht, woher das PCB kam.» Zuerst hätten sie nach einer «diffusen Quelle» gesucht. Denn Studien in Deutschland hatten gezeigt, dass 14 Prozent der Fleischproben weidender Tiere den Grenzwert überstiegen, weil sie PCB über den belasteten Boden aufnehmen. «Wir haben den Boden beprobt, wir haben das Heu beprobt, wir haben das Silofutter beprobt.»

Ohne Erfolg. Auch als die Behörden auf sogenannte Punktquellen umschwenkten, also kleine Plastikproben aus Futterkesseln herausschnitten oder das Hydrauliköl des Mistkrans abzapften, wurden sie nicht fündig. Die Ursache blieb verborgen.

Polychlorierte Biphenyle

... sind chlorierte organische Verbindungen, die in der Umwelt kaum abgebaut werden. Es gibt 209 verschiedene Kombinationen, davon 12 hochgiftige dioxinähnliche Verbindungen. Bei der Verbrennung von PCB entstehen Dioxine. PCB kann in der Luft, in Gewässern, im Boden, in Tier und Mensch nachgewiesen werden.

 

Weltweite Eliminierung

2004 trat die Stockholm-Konvention in Kraft. Das ehrgeizige Ziel: Bis 2028 soll PCB weltweit beseitigt sein. Doch rund eine Tonne pro Jahr zu ­eliminieren scheint angesichts des bisherigen Tempos unmöglich.

Die Rettung kam erst im Februar 2014. Mit Markus Zennegg, Chemiker und Ökotoxikologe der Eidgenössischen Materialprüfungs- und Forschungsanstalt (Empa) mit Spezialgebiet PCB. Ihm genügte ein Blick auf die Stallwand. Dort klebte seit Jahrzehnten eine abwaschbare Farbe, die hohe 16 Prozent PCB enthielt. An manchen Stellen blätterte sie ab. «Ein einziger Farbsplitter kontaminierte eine ganze Kuh», sagt Zennegg. Die Mutterkühe gaben das Industriegift über die Milch an die Kälber weiter. Woher die damals handelsübliche Farbe kam, liess sich nicht mehr eruieren.

Der Betrieb von Stefan Müller überlebte, auch weil er vom Kanton Graubünden unterstützt wurde. Während der aufwendigen Sanierung lebten die besonders belasteten Kälber auf einem kantonseigenen Hof. Als die PCB-Werte nach einem Jahr um mehr als die Hälfte gesunken waren, konnten die meisten Tiere vermarktet werden. Zu den Gesamtkosten will sich niemand äussern, nur: Der Kanton habe sie grösstenteils übernommen, sagt Kantonschemiker Beckmann. Ziel des Pilotprojekts sei gewesen, Erkenntnisse für ähnliche Fälle zu gewinnen.

Know-how lag lange Zeit brach

Erst 2016, zwei Jahre nachdem die kontaminierte Stallwand entdeckt worden war, rief das Bundesamt für Landwirtschaft (BLW) die Arbeitsgruppe «Nationale Strategie zu PCB in tierischen Lebensmitteln von Nutztieren» mit Vertretern von Bund und Kanton ins Leben. Nicht ganz freiwillig: «Die Kantone hatten Druck auf den Bund ausgeübt», bestätigt Kantonschemiker Beckmann. Denn: «Die Vermutung lag nahe, dass es noch weitere Betriebe gibt, von denen wir nichts wissen.» Schweizweit gibt es 36'000 Rinderzüchter.

Wurden weitere Ställe auf solche Wandfarben kontrolliert und wenn nötig saniert? Nein, sagt BLW-Sprecher Jürg Jordi. «Da eine gemeinsame Strategie von Bund und Kantonen noch erarbeitet wird, wurden keine schweizweiten Massnahmen ergriffen, sondern die Ressourcen vorerst für die Erarbeitung der Strategie eingesetzt.» Das gut 30-seitige Strategiepapier soll bis im Sommer fertig sein. Zu den geplanten Massnahmen will sich das BLW bis dahin nicht äussern.

Forscher fordern rasche Klärung

Verärgert über die Untätigkeit der Behörden ist der Bauschadstoff-Experte Urs K. Wagner. Er leitete im Auftrag des Kantons die Stallsanierung im Bündnerland und ist mit seiner Churer Firma ETI Umwelttechnik international im PCB-Management tätig. Bereits 2014 wies Wagner in einem Bericht darauf hin, dass auch andere landwirtschaftliche Betriebe betroffen sein könnten. Es seien «meist unbewusst» PCB-haltige Farben, Fugendichtungsmassen und Vorschaltgeräte verbaut worden. Er arbeitete eine Checkliste aus, doch die verschwand bei den Behörden in einer Schublade. «Leider passierte damals nichts. Respektive es wurde uns beschieden, dass die Kapazitäten fehlen, personell wie finanziell, wenn man weitere Schadstoffe fände.»

Laut Empa-Experte Markus Zennegg könnte man vom Schreibtisch aus abklären, welche Ställe aufgrund des Baujahrs überhaupt gefährdet sein könnten. «Ein Monitoring verdächtiger Ställe trüge zu einer besseren Einschätzung des Problems bei», sagt er.

Vergangenes Jahr forderten auch Forscher von ETH und Empa eine rasche Entfernung von PCB-haltigen Materialien in Tierbetrieben. Sie hatten untersucht, wie PCB von Kälbern und Milchkühen aufgenommen wird. Eine Studie habe vor kurzem gezeigt, dass schweizweit tonnenweise PCB verbaut ist. Ihr Fazit: «Solange Farbanstriche und Fugendichtungen in Ställen vorhanden sind, werden die Tiere und die landwirtschaftlichen Produkte schwerwiegend mit PCB kontaminiert sein.»

Kraftwerk

Ein Unglück kommt selten allein. An Ostern 2013 ergoss sich eine Schlammlawine aus der Staumauer Punt dal Gall in den Bach Spöl im Schweizerischen Nationalpark. Tausende Fische starben. Als sich die Bestände nach drei Jahren erholt hatten, ereignete sich erst die wirkliche Umweltkatastrophe: Wegen einer Panne bei der Sanierung entwichen 2016 vermutlich mehrere Kilogramm PCB-haltiger Staub. Sie landeten im Spöl. Messungen des Bündner Amts für Natur und Umwelt ergaben, dass der Bach auf einer Länge von fünf Kilometern kontaminiert war und die PCB-Menge in den Fischen den Grenzwert teilweise um das Dreifache überschritt.

Zur fatalen Panne war es in der Nacht auf den 22. September im Grundablass gekommen, einem unterirdischen, teils mit Stahlplatten gepanzerten Kanal, über den der Stausee entleert werden kann. Eine Korrosionsschutzfirma sollte im Auftrag der Engadiner Kraftwerke (EKW) die PCB-haltige Rostschutzfarbe an den Wänden entfernen. Eine heikle Baustelle, die nach gängiger Praxis komplett abgedichtet wird. Doch in der Nacht quollen Staub und Dreck durch die Schleusentür hinein in die Staumauer, in der fatalerweise starker Durchzug herrschte. Staub wirbelte Hunderte von Metern durch die Gänge und verschwand schliesslich in einer Wasserumleitung für den Bach.

5000 Tonnen verarbeitet

Der giftige Stoff wurde tonnenweise in die Schweiz importiert und hier verarbeitet. Trotz Verbot 1972 wurden PCB-haltige Fugendichtungen und Farben bis in die 1980er Jahre verwendet. Wie viel, ist nicht bekannt.

Arbeiter entdeckten das Leck erst am nächsten Morgen, als überall rötlicher Staub herumlag. Bald war klar, dass die Luft übermässig mit PCB belastet sein könnte und die Gesundheit der Arbeiter gefährdet war. Deshalb kontaktierten die EKW den PCB-Spezialisten Urs K. Wagner. Sein Protokoll der Geschehnisse, das er für die Bauherrschaft erstellte, zeichnet das Bild einer chaotischen PCB-Baustelle: Das Alarmgerät, das bei einem Leck warnen sollte, war in dieser Nacht ausgeschaltet. Nach der Panne kam es zu hastigen Putzaktionen, die Arbeiter waren mangelhaft ausgerüstet. Die Baustellen-Einhausung wurde ohne die üblichen Kontrollen rückgebaut.

 

«Eine Chemikalie wird durch die nächste ersetzt, und die Industrie behauptet dann jeweils, sie sei besser.»

Juliane Glüge, ETH-Forscherin

 

Als die Engadiner Kraftwerke zwei Wochen später realisierten, dass PCB im Bach gelandet sein könnte, liessen sie Schlammproben entnehmen und informierten die Behörden. Weitere drei Wochen später überstiegen die Laborresultate alle Vorstellungen. «Ich bin richtig erschrocken, als ich die Ergebnisse sah», sagt EKW-Direktor Michael Roth. In der gleichen Woche – eineinhalb Monate nach dem Vorfall – informierten Kanton und EKW die Öffentlichkeit. Die EKW reichten eine Anzeige ein, aktuell liegt der Fall bei der Staatsanwaltschaft.

Wie konnte eine solche Panne passieren?

Gestützt auf das Öffentlichkeitsgesetz, hatte der Beobachter Einblick in Unterlagen des Kantons. Sie zeigen: Jeder hat sich auf den anderen verlassen. Die kantonalen Behörden in Chur schätzten die Sanierungsarbeiten als unproblematisch ein und verzichteten auf Kontrollen. Und die Engadiner Kraftwerke vertrauten auf die Professionalität der Korrosionsschutzfirma.

«Mit klareren gesetzlichen Vorgaben hätte die Panne möglicherweise vermieden werden können», sagt EKW-Chef Roth heute. «Im Vergleich zu spezialisierten Firmen und Behörden sind wir diejenige Partei, die am wenigsten Ahnung von Arbeiten mit PCB hat.» Der Gesetzgeber lasse den Firmen viele Freiheiten im Umgang mit dem problematischen Baustoff. Deshalb wären «standardisierte, anerkannte und vor allem bekannte Verfahren sehr nützlich».

 

80 % des PCB in der Schweizer Luft stammen aus dem Ausland. Der Rest wird grösstenteils von inländischen Farben und Fugendichtungen abgegeben. 

Mehr Kontrollen und eine konsequentere Umsetzung der gesetzlichen Regelungen fordert auch Urs K. Wagner. Er sitzt als Experte auch im Vorstand des internationalen PCBs Elimination Network. «Die Bauschadstoff-Problematik wird noch immer unterschätzt», sagt er. Probleme seien der Preisdruck in der Branche, fehlendes Praxiswissen, Interpretationsspielraum, den Richtlinien und Wegleitungen lassen, sowie fehlende Kapazitäten bei den Umwelt- und Arbeitsschutzbehörden für Baustellenkontrollen.

Durch die Untersuchungen nach der Panne kam ans Licht, dass der Spöl bereits vor dem Unfall massiv mit PCB belastet gewesen war. Das Bündner Amt für Natur und Umwelt geht davon aus, dass über 80 Prozent des im Bach gefundenen PCB bereits vorher möglicherweise durch den Betrieb abgerieben wurde. Im Verdacht stehen auch frühere Korrosionsschutzarbeiten. Ob der Bergbach Spöl je wieder sauber wird, ist fraglich. Das Umweltamt schätzt, dass es 14 Millionen Franken kosten würde, den kontaminierten Bach zu sieben. Denn das PCB ist im feinkörnigen Sand versteckt.

Vergangenheit in Pulverform

Der Kanton Graubünden hat aus dem Spöl-Debakel Lehren gezogen. «Es braucht mehr Überwachung», sagt Remo Fehr, Leiter des Amts für Natur und Umwelt, «sonst landet die ganze Vergangenheit in Pulverform in der Umwelt.» Die Kraftwerke Zervreila, die seit Februar ihre 60-jährige Staumauer im Valsertal sanieren, müssen daher laut Baubewilligung eine «unabhängige Fachbegleitung» für die Überwachung der Korrosionsschutzarbeiten engagieren.

Die Bündner wollten auch wissen, ob die Spöl-Panne ein Einzelfall war. Dafür nahmen sie in den letzten Monaten an 27 Punkten auch unterhalb von Kraftwerksanlagen Messungen vor. Das Resultat ist höchst beunruhigend – auch für andere Wasserkraftkantone. Man wollte ausschliessen, «dass es einen ähnlichen Fall gibt», sagt Amtsleiter Fehr. Doch das Amt fand an drei Messpunkten im Wasser erhöhte PCB-Konzentrationen – im Vorderrhein bei Ilanz, in der Plessur bei Litzirüti und im Inn bei Martina.

Die Stadt

Der bisher grösste PCB-Fall ereignete sich im Kanton Freiburg, in der Deponie La Pila, idyllisch gelegen in einem Flussknie der Saane. Dort landeten bis 1973 geschätzte 20 Tonnen reines PCB und verseuchten den Fluss. Die Sanierungskosten wurden 2011 auf 250 Millionen Franken geschätzt.

Noch 2003 war die Schweiz überzeugt, dass sie ihre Hausaufgaben in Sachen PCB gemacht hatte. Der Ständerat ratifizierte die Stockholm-Konvention, die damals 12 Schadstoffe weltweit verbot, darunter PCB. 152 Staaten haben unterzeichnet. Für den damaligen Bündner Ständerat und Kommissionssprecher Christoffel Brändli war die Unterschrift in erster Linie ein «aussenpolitisches Engagement». Die Auswirkungen auf die Schweiz seien, wenn es überhaupt welche gebe, «sehr gering».

In einer aktuellen Studie gehen ETH-Forscher davon aus, dass das Umweltgift ab 1955 in grossem Stil in der Schweiz eingesetzt wurde und heute 217 Tonnen PCB verbaut sind – als Isolieröl in Elektrogeräten, als Schutz für Stahlbrücken, Strommasten, Druckleitungen, Schwimmbäder oder in Fugendichtungen.

Eindrückliches Beispiel dafür ist die Stadt Zürich. In einer bislang kaum beachteten Dissertation wies Pascal Diefenbacher nach, dass in Zürich ein einzelnes Gebäude so viel PCB ausdünsten kann, dass man den Stoff mit entsprechenden Geräten noch in über 100 Meter Entfernung messen kann.

Wo das Gift heute steckt

In der Schweiz sind etwa 522 Tonnen PCB verbaut oder gelagert.

Die Quelle des PCB war in diesem Fall die Wohnsiedlung Salzweg im Besitz der Stadt Zürich mit 130 Wohnungen, gebaut zwischen 1967 und 1969. Wie unzählige andere Häuser in dieser Zeit. Die Fugendichtungen an der Aussenfassade enthielten hohe Konzentrationen des giftigen Baustoffs. Für die Innenräume habe man Entwarnung geben können, sagt Michael Pöll, Bauökologe beim städtischen Amt für Hochbauten. Bei einer Messung habe sich gezeigt, dass wegen der kleinen Mengen in den Wohnungen keine weiteren Massnahmen notwendig waren.

Die bei der Siedlung im Freien gemessenen Werte lagen tausendfach unter dem Richtwert. Doch auch Kleinvieh macht Mist. Für die Stadt Zürich haben ETH-Wissenschaftler hochgerechnet, dass Quellen wie Fugendichtungen jährlich grob geschätzt 65 Kilogramm PCB freisetzen. Über Zürich lasse sich deshalb eine PCB-Glocke nachweisen – mit deutlich höheren Luftkonzentrationen als in ländlichen Gebieten.

Es geht nicht nur um PCB

28 Chemikalien sind heute mit der Stockholm-Konvention weltweit verboten und sollen eliminiert werden. Etwa das Flammschutzmittel HBCD, bei Dämmstoffen für Häuser eingesetzt und seit 2013 verboten. In Schweizer Häusern waren 2015 laut einer Studie knapp 4000 Tonnen dieses giftigen Stoffs verbaut. Oder kurzkettige Chlorparaffine (SCCP), ein Ersatzstoff für PCB mit ähnlichen toxischen Eigenschaften, der seit 2017 auf der Stockholmer Eliminationsliste steht.

Hinzu kommen Zehntausende Chemikalien, über die man wenig weiss, sagt ETH-Forscherin Juliane Glüge, die für die Schweiz modellhaft die PCB-Mengen berechnet hat und zurzeit zu mittelkettigen Chlorparaffinen forscht, die teilweise SCCP ersetzt haben. «Eine Chemikalie wird durch die nächste ersetzt, und die Industrie behauptet dann jeweils, sie sei besser.»

Zurück bleiben manchmal Altlasten, die – wie beim PCB – trotz Verbot Jahrzehnte in Gebrauch bleiben, bis die Abrissbirne kommt. Empa-Mitarbeiter Markus Zennegg: «Als ich vor 25 Jahren begann, sagte man mir, das Thema PCB sei erledigt. Heute macht es immer noch einen Grossteil meiner Arbeit aus.»

 

*Name geändert

«PCB ist toxisch – räumen wir auf»

Forscherin Nancy Hopf fordert, die PCB-Belastung der Bevölkerung zu untersuchen – um künftige Schäden zu verhindern.

zum Artikel

PCB

Bildquellen

Kuhstall: Getty Images
Kraftwerk: Foto Taisch
Stadt: Hanna Jaray

 

Infografik 

Andrea Klaiber und Anne Seeger
Quellen: Bundesamt für Gesundheit, UNEP Chemicals and Waste Branch, ETH/Juliane Glüge u.a., Umweltbundesamt Deutschland, WHO

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Jasmine Helbling, Online-Redaktorin

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1 Kommentar

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ibh
Vergessen ist PCB noch lange nicht. PCB ist fester Bestandteil jeder Gebäudeschadstoffermittlung, sowohl bei mir, wie auch bei allen Mitbewerbern. Leider werden Gebäude, bei denen keine grösseren Bauarbeiten anstehen selten auf Schadstoffe überprüft, weder auf PCB, noch auf Asbest, PAK, Holzschutzmittel und Schwermetalle. In der Bauarbeitenverordnung ist bei der Ermittlungspflicht vor Aufnahme von Bauarbeiten PCB explizit erwähnt und auch die VVEA (Abfallverordnung) beinhaltet bezüglich PCB eine Ermittlungspflicht und Entsorgungsvorschriften.