Im Oktober verlängerte das Bundesamt für Landwirtschaft (BLW) die Bewilligung für das Herbizid Njett. Es widersprach damit dem Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV). Dieses Amt hatte empfohlen, Njett für Hobbygärtnerinnen und -gärtner aus dem Verkehr zu ziehen, weil «schädliche Auswirkungen auf die Gesundheit» nicht auszuschliessen seien.

Das BLW hatte sich durchsetzen können, weil es zum damaligen Zeitpunkt für die Zulassung von Pflanzenschutzmitteln zuständig war. Das BLV durfte lediglich das Risiko von solchen Mitteln beurteilen. Das hat sich Anfang dieses Jahres geändert. Nun ist das BLV auch verantwortlich für die Bewilligung von Pestiziden.

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Das Herbizid Njett wird gegen Unkraut auf Rasenflächen eingesetzt. Wie viel davon verkauft wird, ist nicht erfasst. Bekannt ist lediglich die Menge an Mitteln mit dem enthaltenen Wirkstoff 2,4-D: insgesamt acht Tonnen pro Jahr.

Unverständlicher Entscheid

Wer Njett auf seinen Rasen spritzt, muss Schutzkleidung tragen. Und darf die Fläche danach bis zum nächsten Schnitt nur mit langärmligem Pullover, langen Hosen und festen Schuhen betreten. Dass Hobbygärtner sich an diese Vorschriften halten, sei nicht anzunehmen, fand das BLV. Das Landwirtschaftsamt BLW hingegen ging davon aus, dass sie das Mittel korrekt anwenden, wie die entsprechende Verfügung zeigt.

«Viele Hobbygärtner informieren sich nicht richtig und wenden die Mittel völlig falsch an.»

Urs Streuli, Verein Bioterra

Die Umweltorganisation WWF kritisiert den Entscheid. «Wir verstehen nicht, weshalb ein Herbizid mit solchen Risiken für die Gesundheit und die Umwelt weiterhin für die Privatanwendung zugelassen wird», sagt WWF-Landwirtschaftsexpertin Eva Wyss. Der Fall macht auf ein grundsätzliches Problem aufmerksam. Zurzeit sind für nichtprofessionelle Anwender Dutzende risikobehaftete Pflanzenschutzmittel zugelassen, zeigt die entsprechende Datenbank. Private setzen jährlich schätzungsweise 200 Tonnen Pestizide ein, rund ein Zehntel der in der Schweiz verkauften Menge.

Für ihn sei klar, dass die Sicherheitsvorschriften kaum eingehalten würden, sagt Urs Streuli, der für den Verein Bioterra seit 20 Jahren Gartenberatung macht. «Viele Hobbygärtner informieren sich nicht richtig und wenden die Mittel völlig falsch an.» Streuli begrüsst striktere Vorschriften. «Die Schweiz hinkt hinterher. In Österreich, Frankreich oder Baden-Württemberg ist der Pestizideinsatz für Private viel stärker eingeschränkt.» 

Genug Alternativen

Der Bund will nun handeln. Denn auch beim Bundesamt für Umwelt geht man davon aus, dass sich Hobbygärtnerinnen und -gärtner oft nicht an die Anwendungsvorschriften halten, womit sie der Umwelt und sich selbst unnötig schaden. So zeigte eine Studie, dass viele Private Herbizide auf Strassen, Wegen und Plätzen einsetzen, obwohl das seit langem verboten ist.

Künftig will das zuständige Departement Privaten den Einsatz von Herbiziden (Unkrautvertilgungsmitteln) ganz verbieten und andere chemische Pflanzenschutzmittel stark einschränken. Es gebe genug Alternativen, Unkraut könne auch durch Jäten entfernt werden, schreibt das Umweltamt. Noch ist es aber nicht so weit. Die Massnahmen finden sich erst im Entwurf einer Verordnungsrevision. Ob sie so umgesetzt werden, ist nicht sicher.

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