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JagdÜber die Lust, Beute zu machen

Das Motiv der Jäger sei nicht der Dienst an der Natur, sondern die Leidenschaft, sagt Autor Florian Asche. Ein Gespräch über Liebe, Triebe und weshalb sich Jäger verleugnen.

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BeobachterNatur: Florian Asche, in Ihrem Buch «Jagen, Sex & Tiere essen» schreiben Sie, Nichtjäger und Jäger würden sich nicht verstehen. Warum ist das so?
Florian Asche: Weil wir in einer unglaublich zivilisierten Zeit leben, in der die Menschen in erster Linie im Supermarkt jagen und kaum mehr in der Lage sind, ein Tier zu essen, das noch als Tier erkennbar ist. Neulich habe ich einer Dame im Restaurant zu ihrem erstklassigen Ochsenfilet gratuliert: Das sei bestimmt ein unglaublich glücklicher Ochse auf einer saftigen Wiese gewesen. Da wurde sie ganz böse und tobte, ich hätte ihr völlig den Appetit verdorben. Wie soll ich so jemandem klarmachen, warum ich mir in aller Herrgottsfrühe speckige Klamotten anziehe, in den Wald gehe und dort ein Tier töte, um es nach Hause zu schleifen, auszunehmen und zu essen?

BeobachterNatur: Versuchen Sie es.
Asche: Es bereitet mir unendliche Freude, draus­sen zu sein, in die Natur hineinzuhorchen, zu lauern, zu pirschen, anzusitzen und, wenn alles gut läuft, Beute zu machen und daraus mit Freunden ein wunderbares ­Essen zuzubereiten. Das ist für mich eine Form ganzheitlicher Lebensgestaltung.

BeobachterNatur: Was ist mit dem Töten?
Asche: Viele meinen, der tödliche Schuss sei so wahnsinnig interessant. Letztlich ist das Töten aber ein unglaublich kurzer und ­relativ banaler Augenblick. Man muss sich konzentrieren, um sauber schiessen und das Wild zur Strecke bringen zu können, ohne es zu quälen. In diesem Moment fehlt ­einem jedoch das Sensorium, dies ­alles ­bewusst wahrzunehmen. Man nimmt die Situation bloss davor oder danach intensiv wahr. Das ist übrigens bei der Erotik sehr ähnlich. Was meinen Sie, was für ein Sensorium wir haben, wenn wir mit ­jemandem schlafen wollen? Auf was für kleinste Formulierungen wir achten?

BeobachterNatur: Normalerweise klingt es anders, wenn Jäger erklären, warum sie jagen. Sie reden von ökologischen Gründen, davon, Wildschäden und Seuchen zu verhindern oder die Artenvielfalt zu fördern. Von Leidenschaft ist nie die ­Rede. Warum nicht?
Asche: Weil sie Angst haben, von der zivilisationsgeprägten Gesellschaft dafür abgestraft zu werden, dass sie sich etwas von der ­Natur holen wollen, fast wie ein Raubtier. Deshalb greifen sie auf Erklärungskrücken zurück, die vermeintlich besser verstanden werden. Aber davon halte ich nichts.

BeobachterNatur: Weshalb?
Asche: Es passt einfach nicht zu der Art, wie sich Jäger untereinander benehmen. Diese unglaubliche Freude, dieses Weidmannsheil, ­dieses Ins-Horn-Getute, der Stolz über die Trophäe. Wenn sie gleichzeitig das Köpfchen schieflegen und behaupten, sie ­jagten ausschliesslich aus ökologischen Gründen, dann ist das unsinnig. Das durchschaut jeder. Es behauptet schliesslich auch niemand, er habe Sex, um den Fortbestand der Menschheit zu sichern.

BeobachterNatur: Vielleicht verstehen sich Jäger und Nichtjäger auch deshalb nicht, weil die Nichtjäger sich für dumm verkauft fühlen.
Asche: Ja. Die Jäger neigen dazu, sich zu verleugnen. Das sieht man auch an der grossen Fülle an Naturbüchern für Kinder mit ­Geschichten wie «Mein schönstes Wald­erlebnis», in denen es Eichhörnchen zum Ausmalen gibt, in denen der Wald rauscht und voller Geheimnisse ist. Das ist alles rührend, aber das Töten wird nicht thematisiert und schon gar nicht erklärt. Ich halte es für absolut notwendig, dieser Bambisierung entgegenzuwirken und den Kindern und Jugendlichen deutlich zu machen, dass es eine Natur ohne Tod nicht gibt. Es gibt keine Möglichkeit, ein Leben zu führen, ohne auf Kosten anderer zu leben. Selbst wenn man sich nur von Brot ernährt. Das stellte bereits der griechische Philosoph Anaximander 600 vor Christus fest. Auch bei der Getreideernte werden Lebewesen getötet.

BeobachterNatur: Eine Art Bambisierung findet ja auch bei der Sexualität statt. Sex wird mit Blümchen und Bienchen erklärt.
Asche: Das ist sehr ähnlich.

BeobachterNatur: Sie schreiben, dass bei der Pirsch an der Bar und auf dem Hochsitz verblüffend ähnliche Prozesse im Hirn ablaufen und dass Beutemachen wie ein Orgasmus sei. Wie sind Sie darauf gekommen, Sex und Jagd zu vergleichen?
Asche: Ich habe mir überlegt, was die Jäger tatsächlich anzieht. Dabei stellte ich fest, dass ihre ­Leidenschaften sehr stark all dem ­ähneln, was Liebende empfinden. Da ist diese ­Suche nach dem Erfolg, nach einem ­befriedigten Endzustand. Bei der Jagd ist es die Beute, bei der Liebe der Orgasmus. Gleichzeitig ist da die Suche nach unendlich beglückenden Erlebnissen auf dem Weg dorthin. Das Pirschen, Beobachten, Horchen. Das erste Rendez-vous, vor dem man sich vorstellt, wie jemand duftet, lacht, sich anfühlt. Alles sehr bewusst wahrzunehmen, das haben Jäger und ­Liebende gemeinsam. Übrigens ist auch die jagdliche Literatur, Musik und Malerei voll von Leidenschaft.

BeobachterNatur: Damit stützen Sie Ihre Theorie. Mussten Sie eigentlich lange nach ­Beispielen suchen?
Asche: Im Gegenteil. Die laufen einem geradezu über den Weg. Es gibt insbesondere in der Literatur traumhaft schöne Veröffentlichungen: Ernest Hemingways «Die grünen Hügel Afrikas» oder Karen Blixens «Afrika – dunkel lockende Welt». In der griechischen Mythologie sind Liebe ohne ­Koitus und Jagd ohne Beute wiederkehrende ­Bilder. Artemis, die jungfräuliche Göttin der Jagd, die ständig verfolgt wird von Verehrern. In der Jagdkunst ist oft die Verbindung von Jagd, Sex und Tod ein Thema. In Anselm Feuerbachs «Amazonen auf der Wolfsjagd» oder im Bild «Die Jagd des kalydonischen Ebers» von einem RubensSchüler. Dabei könnte man annehmen, die Liebe sei etwas Todesfreies.

BeobachterNatur: Das müssen Sie erklären.
Asche: Die Suche nach der Vollendung, die wir in der Liebe verspüren, beinhaltet genau die gleiche Sehnsucht, die wir am Ende unseres Lebens verspüren. Wir möchten uns am liebsten auflösen und in den perfekten Endzustand geraten, nämlich den, dem wir entstammen: das Nichtleben.

BeobachterNatur: Wie im Französischen, wo der Orgasmus «la petite mort» genannt wird.
Asche: Genau. Der Volksmund in Frankreich drückt ganz gelassen aus, worum es geht. Dass es eigentlich nicht mehr besser werden kann. Sie lehnen sich in Ihrem Laken zurück, streicheln Ihren Liebhaber und denken: «Jetzt ist der perfekte Zustand erreicht.» Der Wunsch, das zu erleben, und die Bereitschaft, dafür viel auf sich zu nehmen, ist eine von vielen Ähnlichkeiten zwischen der Jagd und der Liebe. Beide haben im Übrigen die gleichen Abgründe und seltsamen Entwicklungen. Es gibt für den Weidmann – ähnlich wie in der Sexualität – Formen von Ersatzbefriedigung.

BeobachterNatur: Sie vergleichen in Ihrem Buch Dildos mit Nachtsichtgeräten und Sexfilme mit Jagdpornos. Gibt es die tatsächlich?
Asche: Ja, in grosser Zahl und sehr erfolgreich. Sie haben jedoch die gleiche Schwäche wie die sexuellen Pornos. Sie schildern nicht, was wirklich berührend und begeisternd ist, es wird nicht geflirtet, man erfährt nichts über die Darsteller, sondern es geht nur rein, raus – aus. Bei den jagdlichen Pornos steht ein Jäger im Wald. Dann rennt ein Wildschwein an ihm vorbei, er schiesst, und das Tier fällt tot um. Das wiederholt sich mehrfach. Mit anderen Jägern in anderen Wäldern. Man erfährt bei den Jagdpornos aber rein gar nichts über den Jäger, das Revier, den Wildbestand und all das, was die Jagd ausmacht.→

BeobachterNatur: Diese Filme heissen aber nicht wirklich Jagdpornos, oder?
Asche: Nein, aber sie heissen zum Beispiel «Kapitale Böcke in Südengland». Oder «Sauenfieber». Oder «Big Five in Afrika». Davon gibt es Hunderte und Tausende.

BeobachterNatur: Ich muss mir unbedingt mal so einen anschauen.
Asche: Ja, Sie werden sehr lachen.

BeobachterNatur: Sie schreiben, Sex ohne Orgasmus sei wie eine Jagd ohne Beute. Ist Ihr Buch ein Männerbuch?
Asche: Nein, bloss eines, das aus Sicht eines Mannes geschrieben ist, der ich nun mal bin. Aber erst einmal muss ich das Zitat ein wenig relativieren. Ich muss nicht unbedingt immer Beute von der Jagd nach Hause bringen. So wie ich beim Sex auch nicht immer einen Orgasmus haben muss. Aber es muss zumindest die Möglichkeit dazu bestehen. Ohne die Möglichkeit zur Beute, also wenn man beispielsweise nur einen Fotoapparat dabeihat statt ein ­Gewehr, wird die Jagd quasi zu ­einem impotenten Spiel kastriert. Genauso ist das letztlich bei der Erotik. Wir wollen ­wenigstens die Möglichkeit des Orgasmus haben. ­Leider habe ich im Buch schlichtweg vergessen, die Triebähnlichkeit von Jagd und Sexua­lität im Geschlechtervergleich zu über­prüfen. Das ist deshalb so schade, weil die Theorie auch bei Frauen eins zu eins aufgeht.

BeobachterNatur: Sie wollen damit sagen, dass Frauen ­anders jagen als Männer?
Asche: Ja. Sie jagen ganzheitlicher, genauso wie sie ganzheitlicheren Sex haben. Wenn eine Frau von der Jagd erzählt, kann sie stundenlang davon reden, was sie getragen hat, was für ein Vögelchen sie auf dem Hochsitz gesehen hat, worüber sie mit ihrer Freundin gesprochen hat. Es gibt eine unglaubliche Spannbreite an verschiedenen Reizen, die sie aufnehmen und verarbeiten kann. Männer erzählen so etwas wie: «Und dann ist der Hirsch gekommen, und dann habe ich geschossen.» Im Geiste klopfen sie sich dabei auf die Schulter. Männer sind auf der Jagd sehr stark auf die Beute fixiert und beim Sex sehr stark auf den Orgasmus. Frauen wollen auch Beute machen auf der Jagd, genauso wie sie natürlich auch einen Orgasmus haben möchten. Aber für sie ist Erotik ein Empfinden, das weit über den Genitalbereich hinausgeht. Sex kann auch ohne Orgasmus eine befriedigende, erfüllende erotische Erfahrung sein. Das ändert aber nichts daran, dass die Möglichkeit zum Orgasmus ge­geben sein muss, auch bei der Frau.

BeobachterNatur: Sind Jäger die leidenschaftlicheren Liebhaber oder ist die Jagd eine Ersatzhandlung für Sex?
Asche: Jäger sind mit Sicherheit nicht per se die leidenschaftlicheren Menschen. Jemand, der sich dreimal im Jahr auf denselben Hochsitz setzt und stur wartet, bis etwas passiert, der ist als Person wohl nicht so wahnsinnig aufregend. Wer hingegen mit Leidenschaft sein Revier gestaltet und sich für unterschiedliche jagdliche Situationen begeistern kann, der ist genauso offen wie jemand, der Freude an vielfältigen Facetten von Liebe und Leidenschaft hat.

BeobachterNatur: Wie haben die Jäger auf Ihr Buch ­reagiert?
Asche: Es gab solche, die erschüttert waren. ­Insbesondere sehr viele ältere Jäger wollten mir weismachen, dass sie ausschliesslich aus altruistischen Gründen jagen. Der ­absolut überwiegende Teil der Leserschaft hat sich jedoch an diesem Buch ­erfreut. Es drückt viel von dem aus, was ­Jäger ­eigentlich gerne zugeben würden. ­Jäger, die über Jahre hinweg unzufrieden waren mit den ganzen Erklärungskrücken, die uns unsere Verbände und Jagdorganisationen anbieten.

BeobachterNatur: Und die Nichtjäger?
Asche: Bisher konnten alle Nichtjäger, denen ich auf diese Art die Jagd erklärte, nachvollziehen, warum ich jage. Natürlich ist dieses Buch auch ein Steilpass für die Tierschutzszene. Deren Vertreter können jetzt sagen, dass endlich jemand zugegeben hätte, dass Jäger Lustmörder seien. Mir kann es jedoch nicht darauf ankommen, was derartige Organisationen vom Buch halten, sondern was die normalen Leser denken.

BeobachterNatur: Trotzdem ist es Ihnen wichtig zu betonen, dass es ethisch vertretbarer sei, zu jagen, als im Supermarkt ein Poulet oder ein Schweinsschnitzel zu kaufen.
Asche: Ja, aus zwei Aspekten: Ein Tier plant sein Leben nicht, es hat keine Vorstellung von dessen Länge und dessen Ende. In diesem Sinne nehme ich ihm nichts weg. Bis es ­geschossen wird, lebt es mehr oder weniger so, wie die Natur sich das gedacht hat. Ich kann mir aber nicht vorstellen, dass ein Huhn auf der Fläche einer DIN-A4-Seite stressfrei leben kann. Das heisst, die Jagd ist tierschutzgerecht aus Sicht des Tiers. Anderseits schützt sie uns selber vor ­einem unreflektierten Konsumverhalten. Ein Wildtier zu töten und zu verarbeiten braucht viel Handwerk und Zeit. Es sind also automatisch weniger Tiere, die man tötet, während man in einem Supermarkt völlig wahllos Teile von Tieren aus der ­Fleischabteilung nehmen kann.

BeobachterNatur: Die Wildtiere realisieren in der ­Jagdsaison vermutlich schon, dass auf sie geschossen wird.
Asche: Mit Sicherheit realisieren die Tiere den Jagddruck. Es hängt jedoch stark davon ab, wie man jagt. Ich habe einen sehr guten Freund, der sein Revier nur einmal im Jahr bejagt, gemeinsam mit vielen Freunden. Auf dieser Jagd bleiben über 100 Tiere auf der Strecke. Dort reagiert das Wild überhaupt nicht auf Jagddruck.

BeobachterNatur: Wie steht es um Ihren Fleischkonsum?
Asche: Ich bin dazu übergegangen, entweder nur Wild zu essen oder ökologisch erzeugtes Fleisch. Ich schätze aber auch vegetarische Kost.

BeobachterNatur: Jagen Schweizer Jäger eigentlich anders als deutsche?
Asche: Bei den Schweizern kenne ich mich leider zu wenig aus. Aber es gibt sicher kulturelle Unterschiede. Der Jäger in Deutschland und Österreich ist sehr romantisch-folkloristisch orientiert. Das zeigen auch die vielen Bräuche und die uralten Jagdsprachen. In den USA wird die Jagd als Bürgerrecht angesehen. In Grossbritannien ist sie ­klassischer Sport. Die Jagd soll entweder schiesstechnisch eine Herausforderung sein oder körperlich. Der Jäger robbt über den Waldboden, er schwitzt, er liegt im Wasser, er geht bei Regen und Gewitter raus. Die Trophäe interessiert ihn überhaupt nicht. Französische Jäger sind genussorientiert. Jagd ist dort ein Gemeinschaftserlebnis mit einem üppigen Jagd­essen und wunderbaren Weinen hinterher.

BeobachterNatur: Und wo liegen die Unterschiede in der Liebe?
Asche: Das müsste man in Buch Nummer zwei herausfinden. Das wäre eine grosse Herausforderung.

BeobachterNatur: Was für ein Trieb ist denn der Jagdtrieb überhaupt?
Asche: Eine spezielle Ausprägung des Nahrungstriebs, die sich verselbständigt hat. Sie ist nicht mehr situationsgebunden nach dem Motto: «Ich habe Hunger, ich gehe jagen.» Sie hat über Hunderte von Jahren zu einer vielfältigen Jagdkultur, Kunstkultur, Lite­raturkultur und Konsumkultur geführt. ­Allerdings immer in Bezug auf ein ganzheitliches Leben mit der Natur. Die heutige Jagd muss im Übrigen aufpassen, dass sie sich die Natur nicht verfügbar macht. Der Gebrauch der vielen technischen Geräte, mit denen sich die Jäger ausstatten, rächt sich irgendwann. Diese grauenhaften ­Superzielfernrohre, Laserentfernungsmesser oder Wilduhren sind der sicherste Weg, sich der Natur gegenüber zu entfremden. Mit der Sexualität ist es ähnlich.

BeobachterNatur: Sie raten von Sexspielzeug ab?
Asche: Ja. Machen wir uns mal nichts vor. Es gibt heute eher weniger reale Erotik als mehr, und die Leute haben weniger Sex.

BeobachterNatur: Ist das schlecht?
Asche: Ich finde es bedauerlich. Da geht uns doch eine Menge von dem verloren, was unsere Zivilisation unendlich bereichert hat. Stellen Sie sich doch mal die Literatur oder Malerei ohne Erotik vor. Das wäre doch jämmerlich. Das gesamte Literaturschaffen handelt ja ausschliesslich von Sexualität, Erotik, Leidenschaft, Trieb, Leben und Sterben. Im Moment, in dem wir das glattschleifen und zivilisatorisch verträglich ­gestalten, berauben wir uns selbst.

BeobachterNatur: Aber dieser Quantitätsdruck macht ja auch etwas zunichte. Beim 325. Hirsch ist es wohl auch nicht mehr so spannend wie beim ersten.
Asche: Aber beim Jagen kommt es ja wie gesagt gar nicht unbedingt darauf an, Beute zu machen. Jeden Tag zu jagen bedeutet nicht, jeden Tag Beute zu machen. Jeden Tag zu flirten und sich für Erotik zu begeistern ­bedeutet nicht, dass man mit jedem, mit dem man darüber spricht, auch in der Kiste landet. Diesbezüglich flirten wir ja auch gerade, aber trotzdem werden Sie heute Abend mit grosser Wahrscheinlichkeit in die Schweiz heimkehren. Wenn wir diese Spannungen abbauen, dann wird unser Leben stinklangweilig.

BeobachterNatur: Ist die Jagd vielleicht auch deshalb so interessant, weil ihr Ziel, das Töten, als Tabu gilt?
Asche: Absolut. Das hat die Leute teilweise herrlich aufgeschreckt: das Töten mit der überall gestreichelten Sexualität in einen Topf zu werfen. Sex ist ja Thema Nummer eins. Alle wollen darüber reden. Aber über die Jagd? Das Töten? Igitt!

Florian Asche

Florian Asche ist ­Anwalt für Jagdrecht, Stiftungsrecht und Vermögensnachfolge in Hamburg. Sein ­Hobby, die Jagd, ­betreibt er mit Leidenschaft. Der 45-Jährige pirscht so oft wie möglich in seinem Jagdrevier und hat zahlreiche Jagdreisen unternommen. Asches 15-jährige Tochter macht gerade den Jagdschein. Auch Asches Frau und sein Sohn sind jagdinteressiert. Das Buch «Jagen, Sex und Tiere essen» habe er auf seinem ­Arbeitsweg in der U-Bahn geschrieben, sagt Florian Asche.

Florian Asche: «Jagen, Sex und Tiere essen»
Neumann-Neudamm-Verlag, 2012,
192 Seiten, CHF 24.20

Veröffentlicht am 07. Oktober 2013