Dominique Leroux, der Chef von Philip Morris Schweiz, hatte im Juni einen prominenten Auftritt in der Sonntagspresse. Doppelseitig warb er für die Zigaretten-Alternative Iqos. Geschätzte Kosten der Werbe­aktion: mindestens 150'000 Franken. In den Inseraten gibt Leroux den Wohl­täter. Die Zigaretten-Alternative produziere 95 Prozent weniger schädliche chemische Substanzen und helfe, von den echten Zigaretten wegzukommen Rauchen Jetzt ist Schluss . «Philip Morris bietet deshalb allen  erwachsenen Raucherinnen und Rauchern ein Starter-Set gratis an.»

Investitionen in Millionenhöhe

Philip Morris sieht in sogenannten Heated ­Tobacco Products wie Iqos (erhitzte Tabakprodukte, HTP) die Zukunft. In Neuenburg hat der Konzern 30 Millionen Franken in den Bau von neuen Produktionsanlagen gesteckt. Noch ist der Marktanteil mit 2,5 Prozent tief. Doch bei steigendem Absatz winken fette Profite. Der Steuersatz für HTP liegt bei 12 Prozent, derjenige für echte Zigaretten bei rund 53 Prozent.

Lanciert hat Philip Morris Iqos im Jahr 2014 in Japan und Italien. Dort untersucht der Epidemiologe Silvano Gallus die Auswirkungen auf die Be­völkerung. Der brisante Befund des Forschers: «Unsere zwar noch kleine Datenbasis zeigt, dass Zigaretten-Alternativen Rauchen Neue Tricks – alte Lügen 13 Prozent der Befragten halfen, mit dem Rauchen aufzuhören. Allerdings fingen 22 Prozent damit neu oder wieder mit dem Rauchen an. Die Nettobilanz ist also negativ.»

«Genauso giftig» 

Ob HTP schädlicher oder weniger schädlich sind als normale Zigaretten, könne die Wissenschaft heute noch nicht sagen. Forscher Gallus: «Versuche an Zellkulturen haben ergeben, dass HTP genauso giftig sind wie Zigaretten.» In die gleiche Richtung geht eine aktuelle Studie aus Australien. «Ebenso wie Zigarettenrauch können HTP den oxidativen Stress der Zellen erhöhen sowie Entzündungsprozesse und Zellveränderungen fördern.»

Die aktuelle Aktion von Philip Morris stösst bei Schweizer Präventionsfachleuten auf einhellige Ablehnung. «Wir fordern ein Verbot von Gratisabgaben», sagt Andrea Adam von der Lungenliga Schweiz. Auch Monique Portner-Helfer von Sucht Schweiz erklärt: «Jedes ­zusätzliche abhängigkeitserzeugende Produkt in einem äusserst liberalen Markt wie der Schweiz ist keine gute Nachricht.»

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Martin Vetterli, stv. Chefredaktor

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