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KonkursPiatti ist zahlungsunfähig – was nun?

Betroffen sind 150 bis 180 Mitarbeiter: Küchenbauer Bruno Piatti ist pleite. Bild: Steffen Schmidt/Keystone

Der bekannte Küchenbauer Bruno Piatti AG hat Konkurs angemeldet. Kunden, die auf eine Lieferung warten, sollten sich beim zuständigen Konkursamt melden.

von Reto Stauffacheraktualisiert am 2017 M09 20

Wer in den letzten Monaten bei der Bruno Piatti AG eine Piatti- oder Alno-Küche bestellt hat, muss sich nach einem anderen Angebot umsehen. Denn über die Firma mit rund 180 Angestellten wurde vom Bezirksgericht Bülach am 14. September 2017 der Konkurs eröffnet. Das Unternehmen hatte sich bereits seit Ende Juli in der Nachlassstundung befunden, die Sachwerte werden nun veräussert. Gläubiger sollten sich so schnell wie möglich an das Konkursamt Wallisellen wenden.

Piatti befand sich seit Jahren in einer schwierigen Lage. In letzter Zeit stellte die Firma keine eigenen Küchen mehr her, sondern war für Vertrieb und Lieferung von Alno-Küchen verantwortlich. Die Alno-Gruppe hatte Piatti im Jahr 2014 von AFG Arbonia-Forster gekauft. Doch Alno selbst befindet sich seit diesem Sommer selbst im Insolvenzverfahren. Ein Verwalter entscheidet derzeit, wie es mit Alno weitergehen soll: offenbar seien sowohl eine Restrukturierung wie auch die Versteigerung oder die Auflösung der Gesellschaft möglich.

Fünf Fragen an Konkurs-Experte Michael Krampf vom Beobachter​​​​​​:

Frage 1: Wie müssen Kunden vorgehen, wenn sie bei Piatti eine Küche bestellt haben?

Wer die Küche bei Piatti bestellt, aber noch nicht bezahlt hat, sollte sich beim Konkursamt Wallisellen erkundigen, ob die Lieferung noch durchgeführt werden kann. Falls das Konkursamt verneint, kann man von der Bestellung zurücktreten und sich eine Küche bei einem anderen Anbieter kaufen.

 

Frage 2: Und was gilt für Kunden, die bei Piatti eine Küche bestellt und bereits im Voraus bezahlt haben?

Wer die Küche bei Piatti bestellt und schon bezahlt hat, der muss beim Konkursamt Wallisellen seine Kaufpreisforderung schriftlich anmelden. Die Anmeldung ist kostenlos. Das Konkursamt wird später prüfen, ob die Forderung aus der Konkursmasse bezahlt werden kann. Die Erfahrung zeigt aber, dass dies höchstwahrscheinlich nicht mehr möglich ist.

 

Frage 3: Wieso ist das Geld so gut wie sicher verloren?

Im Konkursverfahren wird das Vermögen des Schuldners vollständig liquidiert und gleichmässig unter die Gläubiger verteilt. Reicht das übriggebliebene Vermögen nicht für alle Forderungen – was so gut wie immer der Fall ist – werden gewisse Gläubiger privilegiert. Kunden wie auch Lieferanten oder Handwerker gehören in die dritte und letzte Klasse der Gläubiger. Sie kommt erst zum Zuge, wenn alle Forderungen der vorangehenden ersten und zweiten Klasse voll gedeckt wurden. Diese privilegierten Forderungen sind sehr zahlreich – zum Beispiel Lohnforderungen und Beitragsforderungen der AHV. Daher sind die Chancen auf eine sogenannte Konkursdividende in der dritten Klasse praktisch gleich Null.

 

Frage 4: Wie lange dauert es, bis man eine allfällige Konkursdividende erhält?

Das Konkursverfahren ist kompliziert und kann Jahre dauern.

 

Frage 5: Was gilt für Leute, die bei einem anderen Küchenanbieter eine Küche von Piatti bestellt haben, die der Anbieter nun aber nicht liefern kann?

Diese Leute sind vom Konkurs nur indirekt betroffen. Kann der Anbieter die Piatti-Küche nicht mehr liefern, kann der Besteller vom Vertrag zurücktreten und sein Geld zurückverlangen, falls er schon im Voraus bezahlt hatte.

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