Hersteller von Medizinalprodukten finanzieren im grossen Stil die Aus- und Weiterbildung von Ärzten und anderen Fachpersonen. Erstmals veröffentlichte Daten von 48 Firmen zeigen: 2018 flossen so 76,8 Millionen in die Schulung des medizinischen Personals.

Die Medizinaltechnologie-Branche handelt allerdings alles andere als un­eigennützig. Für sie ist es zentral, dass Ärzte und Spitalpersonal, Fachgesellschaften und Kongressveranstalter ihre Produkte kennen und anwenden: künstliche Gelenke, Implantate, Operationsinstrumente, Apparate oder elektronische Applikationen für Spitäler.

Anders als bei Pharmafirmen Geschenke für Ärzte Die Alibiübung der Pharmaindustrie fliesst das Geld nicht direkt zu den Ärzten, sondern ausschliesslich zu Spitälern, Firmen und anderen Institutionen des Gesundheitswesens – die den Ärzten dann die Weiterbildung finanzieren.

Eine Auswertung von Beobachter und «Blick» zeigt: Der überwiegende Teil des verteilten Geldes stammt von Johnson & Johnson Medical: 68 Mil­lionen Franken. Davon fliessen satte 57,2 Millionen zu einer einzigen Firma: AO Technology AG, quasi eine firmeneigene Ausbildungsinstitution.

Ein riesiges Netz

Bei der in Chur domizilierten AO Technology handelt es sich um den ehemaligen Orthopädiekonzern Synthes des milliardenschweren Medtech-Unternehmers Hansjörg Wyss. Er verkaufte 2011 seine Firmenanteile an Johnson & Johnson. AO Technology schult heute jedes Jahr weltweit Tausende von Ärzten in der Behandlung von Wirbelsäulenkrank­heiten, Knochenbrüchen und Traumafällen.

Das AO-Netzwerk im Gesundheitswesen umfasst eigenen Angaben zufolge weltweit 215'000 Fachkräfte, darunter 20'000 Chirurgen. Ein lukrativer Absatzkanal für Produkte von Johnson & Johnson.

Der Branchenverband Swiss Medtech publiziert diese Zahlungen zum ersten Mal – und rühmt sich dafür. Übersicht sucht man aber vergeblich: Die Firmen haben gleich drei Möglichkeiten, ihre ­Zahlungen ans Gesundheits­wesen ­offenzulegen: auf der eigenen Website, beim Verband Swiss Medtech oder beim europäischen Dachverband.


Mitarbeit: Simon Huwiler («Blick»)

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Otto Hostettler, Redaktor

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