Die Angst vor Einbrechern ist weit verbreitet. Die meisten Hausbesitzer und Wohnungsmieter schrecken aber vor einer Überwachungsanlage zurück – herkömmliche Systeme sind kompliziert und kosten schnell Tausende von Franken. Günstiger wäre eine Webcam. Doch deren Installation schaffen nur Technikfreaks. Und man wird nicht alarmiert, wenn sich zu Hause etwas Verdächtiges tut.

Neuere Spähkameras, die einfach zu bedienen und preiswert sind, könnten deshalb bald Verbreitung finden. Das Prinzip ist bei allen ähnlich:

Die Kamera wird an einem ­fixen Ort aufgestellt, von dem aus möglichst Eingangstür, Fenster und viel Raum überwacht werden können.

Die Kamera verbindet sich je nach Modell per WLAN/Wi-Fi oder Netzwerkkabel mit dem Internetrouter. Ein Computer ist nicht nötig.

Die Kamera erkennt Bewegungen oder Geräusche, speichert einen kurzen Videoclip in der Cloud und setzt einen Alarm an das Smartphone ab.

Die App auf dem Smart­phone alarmiert per Sofort­mitteilung (Push), SMS oder Mail, und man kann das Video abspielen. Alternativ lässt sich auf das Livebild umschalten.

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«Sirenen weniger sinnvoll»

«Diese Heimüberwachungs­kameras bringen durchaus eine Sicherheit, sofern sie richtig platziert sind», so Sicherheitsberater Markus Ammann von der Zürcher Kantonspolizei. Erst recht, wenn sie sich mit ­zusätzlichen Sensoren für Tür und Fenster kombinieren lassen. Bildqualität und Zuverlässigkeit seien zwar bei Profigeräten besser – doch sie kosten auch ein Vielfaches.

Sicherheitsexperte Ammann rät zudem zu stillen Systemen: «Sirenen sind weniger sinnvoll, und auch den Nachbarn sollte man möglichst nicht zur Kontrolle aufbieten.» Vielmehr sei der stille Alarm ratsam, also der direkte Anruf bei der Polizei – weil diese den Einbrecher verhaften möchte.

Der stille Alarm sollte allerdings nur ausgelöst werden, wenn das Video der Über­wachungskamera eindeutig zeigt, dass sich Unbefugte in der Wohnung befinden. Denn falls die Polizei wegen eines Fehlalarms ausrückt, zum Beispiel weil ein Falter über die Kameralinse ­geklettert ist, kostet das im Kanton Zürich pauschal 300 Franken.

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Überwachungskameras: Darauf sollten Sie beim Kauf achten

Installation

Einfach läuft die Installation bei Philips, Izon View und Canary: Man schliesst die Kamera an das Stromnetz an, schaltet sie ein, lädt die App des Herstellers auf das Smartphone und nimmt ­einige Einstellungen direkt in der App vor. Piper spannt etwas umständlich ein eigenes WLAN auf. Dropcam und D-Link müssen bei der Installation mit dem PC oder dem Mac verbunden werden, danach reicht die App zur Steuerung. Damit Kamera und Smartphone ohne komplizierte Sicherheitshürden kommunizieren, muss man dem ­Kamerahersteller vertrauen. Der speichert die Videos auf seinen Servern zwischen. Den Zugriff schützt man mit einem Passwort. Die Bilddaten sind verschlüsselt.

Kamerawinkel

D-Link und Izon View bieten nur ein beschränktes Blickfeld. ­Flexibler beim Aufstellen und umsichtiger sind Kameras mit einem Blickwinkel von mehr als 100 Grad. Vorsicht: Der Persönlichkeitsschutz der Nachbarn ist zu beachten. Es ist nicht zulässig, dass durch das Fenster deren Garten oder Hof ständig mitbeobachtet wird.

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Bildschärfe

Eine HD-Kamera liefert wegen der höheren Auflösung bessere Bilder, überträgt aber auch mehr Daten an das Smart­phone. Abos mit kleinem Datenvolumen sind dann schnell ­aufgebraucht. Die meisten ­HD-Kameras lassen sich aber auf Standardauflösung zurückschalten.

Nachtsicht

Bis auf Piper sind die Kameras mit Infrarot-LEDs aus­gestattet und sehen auch bei Dunkelheit. Bilder gibt es allerdings nur in Schwarzweiss.

Sensoren

Die Kameras reagieren auf ­Bewegungen und Geräusche. Bei allen kann man über die App die Empfindlichkeit ein­stellen. Bei Philips, ­D-Link und Izon View lassen sich zudem bestimmte Bild­bereiche ausblenden. Das ist sinnvoll, wenn sich in einem überwachten ­Bereich regel­mässig Haustiere aufhalten. Bei Canary unterscheidet die Software zwischen Mensch und Tier. Canary und Piper regis­trieren auch einen ungewöhn­lichen Temperatur­anstieg und alarmieren den Nutzer bei Feuer.

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Lautsprecher

Philips und Piper besitzen einen eingebauten Lautsprecher. ­Darüber lassen sich per Smartphone gesprochene Nachrichten zu Hause abspielen. Die ­Kameras von Canary und Piper verfügen über eine Sirene, die sich über das Smartphone aktivieren lässt, um Einbrecher zu verscheuchen.

Apps

Für fast alle Kameras stellen die Hersteller kostenlose Apps für Android und iPhone/iPad zur Verfügung. Izon View arbeitet nur mit Apple-Geräten.

Kosten

Alle Hersteller speichern die letzten Alarme und Videos ­kostenlos in ihrer Cloud, von wo man sie über die Handy-App abrufen kann. Auch der Zugriff auf das Livebild ist gratis. Wer länger oder mehr speichern will, muss aber zahlen.

Übertragungsrate

Damit auf den Videoclips etwas zu erkennen ist, sollte die ­Übertragungsrate mindestens 0,5 Mbit betragen.

Erweiterungsmöglichkeiten

Bei manchen Kameras lassen sich zusätzlich Sensoren anmelden. Bei Dropcam heissen sie Tabs und werden an Fenster oder Haustür befestigt. Ihr ­Bewegungssensor registriert, wenn Fenster oder Tür geöffnet werden, die Kamera alarmiert dann das Smartphone. Für die Piper-Kamera gibt es Sensoren für Fenster und Tür.

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Haustürkamera

Doorbot und Skybell sind ­wetterfest und werden anstelle der Haustür- oder Wohnungsklingel montiert und über die vorhandene Verkabelung mit Strom versorgt. Die eingebaute Kamera registriert, wenn ­jemand vor der Tür steht, und sendet das Bild auf das Smartphone. Über Mikrofon und Lautsprecher kann im Bedarfsfall kommuniziert werden. Haustürkameras gibts nur in den USA.

Gut improvisiert: Altes Smartphone als Überwachungskamera

Um das Zuhause nur gelegentlich zu überwachen, genügt die Kamera eines alten Smartphones. Man kann dafür eine App wie Presence (für iOS) oder Motion Detector Pro (Android) verwenden. Sie muss auf beide Handys aufgespielt werden. Via App tauschen die Smartphones Alarme, Videos, Livebild aus. Da die ständig aktivierte Kamera den Akku leer saugt, sollte das Handy am Stromnetz hängen.

Wächter, die nie ruhen: Eine Auswahl an Heimüberwachungskameras

Kamera Link Preis Kamerawinkel Besonderheiten
Philips M120E 1 Philips.ch CHF 190.– 102 Grad Reagiert auf Bewegung und Geräusche; Nachtsicht, HD-Kamera, Lautsprecher.
Dropcam Pro 1 Dropcam.com CHF 199.–/
CHF 249.–
107 Grad/
130 Grad
Optional Dropcam-Tabs zur Kontrolle von Türen und Fenstern.
Izon View 1 Steminnovation.com CHF 185.– 60 Grad Reagiert auf Bewegung und Geräusche; Nachtsicht, App nur für iOS.
D-Link
DCS-933L 1
Dlink.ch CHF 95.– 45 Grad Reagiert auf Bewegung und Geräusche; Nachtsicht.
Piper 2 Getpiper.com USD 239.– 180 Grad Reagiert auf Bewegung, Geräusche, Temperatur und Luftfeuchtigkeit; HD-Kamera mit digitalem Zoom, Lautsprecher, keine Nachtsicht, optional Hausautomation Z-Wave.
Canary 2 Canary.is USD 199.– 147 Grad Reagiert auf Bewegung, Geräusche, Temperatur, Luftfeuchtigkeit und Luftqualität; Alarmsirene, Nachtsicht, HD-Kamera.
Doorbot 2 Getdoorbot.com USD 199.– keine Angabe Reagiert auf Bewegung; wetterfest, mit Tür- und Fenstersensoren erweiterbar.
Skybell 2 Skybell.com USD 199.–  60 Grad Reagiert auf Bewegung; wetterfest.

Erhältlich in der Schweiz, Preis in Franken ermittelt auf Toppreise.ch.

Erhältlich nur in den USA, Preis zuzüglich Versandkosten und gegebenenfalls Zoll. Quelle: eigene Recherche

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