Kleine Fläche senkt den Preis
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Günstig bauen

Kleine Fläche senkt den Preis

Thinkstock Kollektion

Wo kann man beim Bauen sparen? Eine preiswerte Küche beeinflusst die Kosten kaum, ein Zimmer weniger hingegen massiv.

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Zwischen einer halben und einer ganzen Million Franken kostet der Bau eines Einfamilienhauses – ohne Grundstück. Viele stossen dabei an ihre finanziellen Grenzen, und es verwundert nicht, dass versucht wird, zu sparen, wo es nur geht: etwa bei der Küche oder bei den Bodenbelägen. Das Resultat ist ernüchternd: «Damit betreibt man nur Kosmetik an den Gesamtkosten», sagt Peter Zwick, Bau­ökonom und geschäftsführender Partner bei B+P Baurealisation AG in Zürich. Richtig sparen könne man nur durch die Reduktion der Hausgrösse. Das zeigt auch ein Blick auf das Musterhaus von Beobachter Extra (siehe Infografik: So setzen sich die Baukosten zusammen). Die Küche und die Bodenbeläge etwa machen dort gerade mal je vier Prozent der Bau­kosten aus. Selbst wenn der Aufwand für diese Punkte halbiert wird, sind die Auswirkungen auf das Gesamtergebnis also gering.

Ins Gewicht fallen würde hingegen eine Verkleinerung des Hauses: Rund 4000 Franken kos­tet ein durchschnittliches Einfamilienhaus pro Quadratmeter Wohnfläche. Lässt man beispielsweise ein Zimmer von 20 Quadratmetern weg, sinken die Baukosten um rund 80'000 Franken. «Bei solchen Beträgen spart man nicht nur in der Bauphase, sondern über die ganze Lebensdauer hinweg», sagt Zwick. Die Rechnung ist einfach: Veranschlagt man einen Hypothekarzins von zwei Prozent und ein Prozent für Amorti­sation und Rückstellungen, kosten die 80'000 Franken jährlich 2400 Franken – bei 30 Jahren Nutzungsdauer sind das 72'000 Franken.

In der Planungsphase mit Sparen anfangen

Egal, ob es sich um ein freistehendes Haus, ein Reihenhaus oder eine Eigentumswohnung handelt: Das grösste Sparpotenzial hat man zu Beginn der Planung. Damit die Kosten nicht aus dem Ruder laufen, sollte man sich an die folgenden drei Regeln halten:

  • Richtig dimensionieren: Die Grösse des ­Eigenheims sollte von Beginn an auf das Nö­tige beschränkt werden. Oft planen Familien einen grossen Anteil Wohnfläche ein, der dann nur ­während weniger Jahre gebraucht wird, aber danach noch Jahrzehnte lang kostet.

  • Richtig bestellen: In der Frühphase sollte bereits genau definiert werden, was man will. Es ist wichtig, die Budgetgrenze festzulegen und später nicht davon abzuweichen. «Oft planen Bauherren noch sehr spät um – das verursacht hohe Kosten, die nicht budgetiert sind», sagt Bauökonom Peter Zwick.

  • Richtig planen lassen: Es lohnt sich, mit Profis zu arbeiten: zum Beispiel mit einem Kos­tenplaner, der sein Metier beherrscht. «Je genauer die Kosten vor Baubeginn berechnet werden, desto sicherer kann man sein, dass es später keine unliebsamen Überraschungen gibt», sagt Peter Zwick.

Infografik: So setzen sich die Baukosten zusammen

Quelle: OAK-Katalog Schweizerische Zentralstelle für Baurationalisierung (CRB)
Infografik: Anne Seeger und Andrea Klaiber

Das billige Laminat ist langfristig teurer

Der Blick in die Zukunft ist nicht nur bezüglich der Grösse des Eigenheims wichtig, sondern auch in puncto Materialien. Hier zählen nicht nur die Ausgaben für den Kauf und den Einbau, sondern die Kosten über die ganze Lebensdauer hinweg – Fachleute sprechen von Life Cycle Costing. Um das an einem Beispiel zu illustrieren: Wer einen billigen Laminatboden verlegen lässt, spart zwar bei den Baukosten. Doch unter Umständen muss ein solcher Boden während 30 Jahren dreimal ersetzt werden, weil er beschädigt ist und eine Reparatur nicht in Frage kommt. Ein massiver Parkettboden hingegen würde mindestens 30 Jahre halten, liesse sich reparieren und wäre unter dem Strich günstiger.

Ähnliches gilt bei der Heizanlage: Eine in der Anschaffung günstige Gasheizung kostet über die Lebensdauer hinweg mehr als die beim Kauf teurere Wärmepumpe. Diese macht den höhe­ren Kaufpreis durch mehr Effizienz und weniger Unterhaltskosten wieder wett. Preisvergleiche zu Heizungen findet man im Internet (siehe Links unten), bei den Baumaterialien sind die Informationen für Laien etwas schwieriger zu beschaffen. Man kann sich aber mit folgender Faustregel behelfen: Altbewährte Baustoffe, die sich gut pflegen, reparieren und wiederauf­frischen lassen, schneiden bei den Lebens­zykluskosten meist gut ab. Wer es noch genauer wissen will, muss die Planer seines Hauses danach fragen. Diese können auf ­spe­zielle Berechnungstools zurückgreifen oder Spezialisten mit der Abklärung der Lebens­dauerkosten beauftragen.

Preisvergleich im Internet

www.topten.ch (Haushaltgeräte)
www.wwf.ch/heizen (Heizsysteme)

Veröffentlicht am 26. August 2014