Das arme Violett. Als die «unsachlichste und zweideutigste» Farbe wird sie beschrieben, sie sei die Farbe der Täuschung und der Untreue. Nachzulesen ist die Violett-Schmähung im Buch «Wie Farben wirken» der Psychologin und Soziologin Eva Heller (1948–2008). «Leuchtendes Violett und Magenta sind im Lichtspektrum kaum sichtbar, darum ist die Farbe vielleicht nicht wirklich greifbar», sagt auch Marcella Wenger-Di Gabriele. Sie ist Farbgestalterin und Leiterin des Instituts Haus der Farbe in Zürich. Also Hände weg von Violett, und die Wände im Wohnzimmer lieber weiss belassen?

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Je dunkler, desto ruhiger

Weiss sei nur vermeintlich neutral, sagt Wenger-Di Gabriele. «Weiss ist laut, präsent, nah, hell und deshalb nicht besonders gemütlich.» Das gelte übrigens für fast alle reinen Farben. Mischt man zum Weiss jedoch beispielsweise sandige Töne dazu, dann wird die Farbe leiser. Überhaupt gilt: Je dunkler, desto ruhiger. «Denselben Effekt kennt man aus der Bar: Wird das Licht gedimmt, sprechen die Gäste häufig leiser», sagt Wenger-Di Gabriele. Deshalb kann man mit Farbe einem Wohnraum nicht nur eine andere Optik, sondern auch eine andere Atmosphäre verpassen. Helle Farbtöne vergrössern einen Raum, dunklere verkleinern ihn, können ihm dafür Behaglichkeit und Erdung verleihen. Und je nach Farbgebung wirkt ein Zimmer warm, kühl, intim, anregend oder beruhigend. Doch wie findet man die passende Farbe?