Englische Gartenarchitekten vollzogen die radikale Kehrtwende: Statt streng geometrischer Gärten bauten sie Parklandschaften, die der Natur nachempfunden waren. Hügel und verschlungene Wege gehörten ebenso dazu wie künstliche Wasserfälle und romantische Teiche. Die Idee aus dem 18. Jahrhundert, die Natur zu kopieren, fasziniert bis heute. Nicht zuletzt deshalb holen sich Einfamilienhausbesitzer mit einem Gartenteich - gemeinhin Biotop genannt - gern ein Stück nachempfundene Natur in den eigenen Garten. Der Moment ist derzeit günstig: Im Mai kommen die neuen Wasserpflanzen auf den Markt. Das reicht, um bis dahin das eigene Biotop zu bauen.

Der erste Schritt: sich ins Thema einlesen. Im Internet und in der Buchhandlung finden sich Unmengen an Literatur dazu. Erst danach geht es hinaus ins Freie. Platz für ein Biotop findet sich fast in jedem Garten, denn schon auf einem Quadratmeter ebener Fläche lässt sich ein Gewässer gestalten. Wer indes Fische aussetzen will, benötigt einiges mehr an Platz und eine Wassertiefe von mindestens einem Meter. Eine Faustregel: Pro Kilogramm Fisch müssen 1000 Liter Wasser zur Verfügung stehen.

Lärmfaktor Frosch
Wichtig ist auch der Standort des Biotops: Die Wasseroberfläche ist im Idealfall täglich zwischen vier und sechs Stunden besonnt, damit nicht zu viele Algen wachsen. Zudem sollte der Teich nicht unter einem Laubbaum liegen, weil fallende Blätter viel Arbeit verursachen. Auch die Nachbarn dürfen Sie nicht vergessen: Biotope ziehen Frösche und Molche an, deren Lärm schon oft für Streit am Gartenzaun gesorgt hat. Empfehlenswert ist deshalb ein Standort möglichst weit vom Nachbargrundstück entfernt. 

Ist der Ort bestimmt, geht es an die Wahl des Systems. Angeboten werden Teiche mit Kunststofffolien, Fertigschalen und Anlagen mit einer Abdichtung aus Lehm und Ton (siehe unten: «Die Biotop-Systeme»). Letztere eignen sich nicht für den Selbstbau und brauchen viel Platz, da die Ufer nur wenig Gefälle haben dürfen. Am weitesten verbreitet sind Folienteiche: Sie ermöglichen eine freie Formwahl und sind für Laien einfach zu erstellen. Rat bei der Wahl des Systems holen Sie sich am besten im Fachhandel; nehmen Sie ein Foto des Gartens sowie eine Massskizze mit, die Form und Grösse des geplanten Teichs zeigt.

Während die Kosten für die Folie oder die Teichschale gering sind, kann das Zubehör ins Geld gehen. Selbst kleine Teiche sollten mit einem Filtersystem ausgerüstet werden, sonst besteht das Risiko, dass das Biotop aus dem biologischen Gleichgewicht gerät; entsprechende Filter und Pumpen schlagen mit mindestens 500 Franken zu Buche. Ebenfalls zu empfehlen ist ein kleiner Bachlauf oder ein Springbrunnen, um das Wasser mit Sauerstoff anzureichern. Hinzu kommen die Aufwendungen für Sand, Steine und Pflanzen. Beim Grünzeug sollten Sie nicht übertreiben - zwei bis drei Pflanzen pro Quadratmeter genügen.

Der Bau eines kleineren Biotops ist meist einfach: Die Form wird am Boden aufgezeichnet, das Erdreich ausgehoben, die Fertigschale eingepasst oder die Teichfolie verlegt. Schliesslich werden die Zu- und Wegleitungen für das Filtersystem montiert. Folien belegt man mit Steinen und Sand, damit sie an Ort und Stelle bleiben. Im nächsten Schritt werden die Wasserpflanzen in spezielle Körbe gesetzt, und die Umgebung des Biotops wird mit Steinen und weiteren Pflanzen gestaltet. Wichtig: Vergessen Sie nicht, einen Schutzzaun aufzustellen.

Die Arbeit beginnt erst richtig
Ist der Gartenteich einmal erstellt, ist die Arbeit getan - denkt man. Doch das täuscht: Ein Biotop benötigt ausreichend Pflege, sonst funktioniert das Gleichgewicht zwischen Pflanzen, Wasser und Lebewesen nicht. So gilt es etwa Pflanzen zu entfernen, die sich zu stark ausbreiten, oder der Schlamm muss regelmässig vom Grund des Biotops abgesaugt werden, damit nicht zu viele Nährstoffe das Wachstum von Algen fördern.

Die Biotop-Systeme

Folie PVC/PE
Selbstbau ja
Preis Material ab 6 Franken pro Quadratmeter
Vorteile freie Formwahl, preiswert, für alle Grössen geeignet
Nachteile grösseres Risiko für Löcher als bei Kautschuk
   
Folie Kautschuk
Selbstbau             Ja
Preis Material ab 19 Franken pro Quadratmeter
Vorteile freie Formwahl, sehr robust, für alle Grössen geeignet
Nachteile schwieriger zu verlegen
   
Fertigschale
Selbstbau ja
Preis Material ab 200 Franken pro Quadratmeter
Vorteile

wenig Planungsaufwand, einfacher Bau

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Nachteile vorgegebene Form, begrenzte Grösse, bei grossen Modellen aufwändiger Transport     Lehm/Ton Selbstbau nein Preis Material variabel Vorteile freie Formwahl, Naturmaterial, robust und langlebig Nachteile grosser Platzbedarf (nur flache Ufer möglich), relativ teuer (Bau durch Profis)