Wenn die Sommersonne schonungslos auf Dächer, Fassaden und Fenster brennt, wird das Haus schnell zum Schwitzkasten, und die Bewohner leiden. Denn die Bruthitze belastet den Kreislauf, und Leistungsfähigkeit sowie Konzentration gehen nachweislich zurück.

Als Reaktion darauf steigt an den heis­sesten Tagen des Jahres regelmässig der Absatz von Klimaapparaten sprunghaft an. Diese sind als Kleingeräte im Haushalt allerdings wahre Stromfresser und arbeiten sehr ineffizient. Wer aus diesem Grund auf sie verzichtet, dem bleiben immer noch ­eine Handvoll Sofortmassnahmen, um auf die Schnelle ein einigermassen angenehmes Wohnklima zu erreichen.

Noch wirkungsvoller ist allerdings eine vorausschauende Planung, um ein Haus bereits beim Bau oder im Rahmen von Anpassungsarbeiten auf «cool» zu trimmen:

Fenster und Storen

Der grösste Teil der Wärmeenergie gelangt durch die Fenster ins Haus. Auch wenn grosse Glasfronten gegen Süden, raumhohe Fenster und voll verglaste Fassaden en vogue sind, ist davon abzuraten. Als Faustregel gilt: Die Verglasung sollte einen Anteil von 30 bis 40 Prozent an der Fassade nicht übersteigen.

Dabei kommt es auch auf Neigung und Ausrichtung der Fenster an. Abgeschrägte, nach Süden geneigte Gläser bringen zwar Licht ins Haus, wirken aber an Hitzetagen buchstäblich wie ein Backofen. Ein Architekt, der sein Handwerk versteht, wird auch den Lauf der Sonne und den Einfallswinkel je nach Jahreszeit in die Planung einflies­sen lassen.

Bei der Wahl der Gläser gerät man in einen Zielkonflikt zwischen Wärmeschutz für den Winter und Schutz vor Sonneneinstrahlung im Sommer. Architekten empfehlen dazu eine eingehende Beratung und in jedem Fall eine gute Beschattung der Gläser.

Aussenliegende Storen können den Bedarf nach Kühlung im Idealfall um bis zu 30 Prozent senken. Gut wirken aussen angebrachte Lamellenstoren – sie halten die Lichteinstrahlung weitgehend ab und ermöglichen je nach Sonnenstand eine gute Feinjustierung. Kaum Abhilfe bieten hingegen Aussenrollos aus Stoff, auch innenliegende Storen und Vorhänge sind kaum effizient. Der springende Punkt ist, dass die Gläser von aussen beschattet werden.

Auch an die Steuerung der Storen ist zu denken: Die meisten grösseren Storenfirmen haben entsprechende Angebote, sei es eine automatische Steuerung über Sensoren oder eine über Internet oder Handy.

Bautechnik und Architektur

Gebäude in massiver Bauweise mit dicken Mauern und dicker Dämmschicht sind klar im Vorteil; manche ältere Gebäude schneiden beim sommerlichen Wärmeschutz denn auch gar nicht so schlecht ab. Generell reagieren massive Bauteile träger auf Temperaturschwankungen. Wenn es gelingt, diese Bauteile im Sommer während der Nacht wieder abzukühlen, können sie tagsüber wieder Wärmeenergie aufnehmen und so als Wärmepuffer wirken.

Neuralgische Punkte an vielen Wohnhäusern sind Dachgeschosse, verglaste Loggias oder Anbauten wie zum Beispiel Wintergärten. Sie sind der Einstrahlung der Sonne besonders stark ausgesetzt und heizen sich wie ein Treibhaus auf. Damit die aufgestaute Hitze nicht ins übrige Gebäude eindringt, ist es von Vorteil, wenn die Anbauten und auch die Dachstöcke von allen anderen Gebäudeteilen abgetrennt sind. Loggias sollten aussen ausreichend beschattet sein.

Einen guten Beitrag zum Schutz bieten allgemein hinterlüftete Fassaden und Dächer, weil hinter einer ersten Aussenhaut Luft zirkuliert, wodurch die Wärmeübertragung deutlich vermindert wird.

Haustechnik

Wärmepumpen, die mit Erdwärmesonden gekoppelt sind, sind im Kühlbetrieb effizienter als Luft/Wasser-Wärmepumpen. Das Erdreich ist im Sommer deutlich kühler als die Aussenluft. So sinkt die Temperatur im Haus um rund zwei bis vier Grad. Beim Kauf einer Anlage muss diese Anforderung mit dem Installateur früh­zeitig besprochen werden; auch Nachrüstungen von Wärmepumpenanlagen sind möglich.

Weiter bieten sich kontrollierte Wohnraumlüftungen an, die in vielen Neubauten installiert werden. Mit dieser Technik ist ein Kühleffekt möglich, sofern die Luft ­zuerst durch kühle Röhren im Erdreich strömt. Auch hier sollte man sich vom ­In­stallateur instruieren lassen.

Fassade

Gute Beschattungssysteme sind effizient und sehr wirksam: Planern und Bauherren wird empfohlen mit Vordächern, Pergolas, Storen oder Balkonunterdecken der Sonneneinstrahlung vorzubeugen. Sofern Fassaden, Fenster, Dächer, Balkon, Loggias und Terrassen gut geschützt sind, reduziert das die Wärmeübertragung erheblich.

Hitzestau im Haus: Tipps für den Alltag

  • ­Fenster tagsüber schliessen
    Selbst wenn etwas Durchzug subjektiv erfrischend ­wirken mag, dringt durch das Öffnen der Fenster die Hitze erst recht in die Wohnräume.

  • ­Frischluft nach Mitternacht
    In der Nacht am besten nach 24 Uhr die Fenster öffnen und kühle Luft einströmen lassen. Von ex­tremen Hitzetagen ab­gesehen, sinkt die Temperatur dann ­unter 20 Grad und bringt willkommene Abkühlung.

  • ­Ventilatoren statt Klimageräte
    Wenn schon Kühlung, dann mit Ventilatoren – nicht umsonst sind Deckenventilatoren in südlichen Breitengraden weit verbreitet. Sie verschaffen ein Gefühl der Frische, brauchen aber viel weniger Strom als ­Klimageräte.

  • ­Computer und Geräte ausschalten
    Möglichst wenig elektronische Geräte im Dauer­betrieb halten und den Stand-by-Modus verhindern, da diese Apparate in der ­Summe viel Wärme abgeben.

Buchtipp

Reto Westermann, Üsé Meyer: «Mein Haus energetisch ­sanieren. Komfort verbessern, Kosten senken, Klima schützen», 2010, ­240 Seiten.