Viele Heimwerker schwören auf Holz. Es lässt sich auch von Laien relativ einfach bearbeiten. Die Heimwerkermärkte halten ein grosses Sortiment bereit – und dank dem Zuschneide-Service spart man sich nicht nur viel Arbeit, sondern auch den Kauf spezieller Maschinen. Die grosse Auswahl an Holzsorten macht es dem Hobbyhandwerker aber nicht leicht – vor allem wenn ihm auch ökologische Aspekte wichtig sind.

Längst nicht jedes im Handel angebotene Holz stammt aus der Schweiz oder dem umliegenden Ausland, auch wenn man von der Art her darauf tippen würde, wissen Experten. Lärchenholz beispielsweise kann aus Graubünden stammen, genauso gut aber Importware aus Finnland oder aus Sibirien sein. Gleiches gilt für Eichenhölzer und weitere Holzarten, die sowohl bei uns als auch in anderen Erdteilen heimisch sind.

Ökologisch fragwürdig

Umweltschützer stufen Holz, das aus weitentfernten Ländern eingeführt wird, aus zwei Gründen als problematisch ein. Zum einen fällt die hohe Menge an sogenannter grauer Energie, die beim Transport anfällt, negativ ins Gewicht (siehe unten: «Holz ist nicht gleich Holz»). Anderseits spielt auch die Form der Waldbewirtschaftung eine Rolle: In weiten Gebieten der Welt wird Wald nicht nachhaltig genutzt, sondern eher missbraucht. Ökologisch fragwürdig sind nicht nur Tropenhölzer, sondern vielfach auch jene, die aus Finnland, Russland und anderen osteuropäischen Staaten importiert werden. Erschwerend kommt hinzu, dass selbst Fachleute vielfach nicht in der Lage sind, genau zu erkennen, woher ein Holz stammt und unter welchen Bedingungen es geschlagen wurde.

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Experten gehen davon aus, dass selbst ein Grossteil der Schweizer Möbelhersteller nicht weiss, woher der eingekaufte Rohstoff stammt. Denn Holz gelangt auf vielen Wegen und Umwegen in die Schweiz. So ist etwa einem in Frankreich gekauften und in die Schweiz importierten Stamm nicht anzusehen, dass er ursprünglich in Russland geschlagen wurde.

Wofür wird das Holz eingesetzt?

Sicherheit bietet das FSC-Label. Es kennzeichnet Hölzer und Holzprodukte, die aus sozial- und naturverträglicher Waldwirtschaft stammen. Meist unbedenklich ist auch der Kauf von Holz in der lokalen Sägerei. Dort wird auf Nachfrage in der Regel deklariert, woher das Holz stammt. Einzelne Sägereien vergeben für Massivholz sogar Zertifikate, die zeigen, wo ein Baum geschlagen wurde.

Ist die «ökologische Frage» erst einmal zufriedenstellend geklärt, kann man sich auf den Verwendungszweck konzentrieren. Vor dem Einkauf klärt man:

  • Wo soll das Holz eingesetzt werden (innen oder aussen, in trockenem oder feuchtem Bereich)?

  • Welche Ansprüche werden an die Optik gestellt (rustikal, edel)?

  • Wie robust muss das Holz sein (Anfälligkeit für Dellen und Kratzer)?

  • Welchen Preis darf das Material haben?


Die Antworten schränken die Wahl des richtigen Materials ein. Bei Unsicherheit zieht man den Verkäufer im Heimwerkermarkt zu Rate.

Im Baubereich verwendet man in der Regel Tannen- oder Fichtenholz. Es eignet sich auch gut für Trennwände, Unterkonstruktionen, Täfer oder einfache Böden. Im Aussenbereich, wo das Holz Feuchtigkeit ausgesetzt ist, verwittert Tannen- und Fichtenholz ohne Schutz hingegen schnell. Für Fassaden oder Terrassenböden setzt man deshalb auf widerstandsfähigere Hölzer wie Lärche, Eiche oder Douglasie.

Müssen Pfosten ins Erdreich geschlagen werden, beispielsweise für einen Gartenzaun, sind Eiche und Akazie bewährte Hölzer. Ebenfalls gut für den Aussenbereich geeignet ist das «wiederentdeckte» Kastanienholz, das bei uns meist aus dem Tessin stammt. Edlere Laubhölzer, vor allem solche von Fruchtbäumen, kommen meist bei der Fertigung hochwertiger Möbel zum Einsatz. Ebenfalls beliebt ist Buchenholz, das relativ robust und günstig ist. Darum verwendet man es auch gern für Parkettböden.

Quelle: Jos, Wikimedia

Vorsicht, Schadstoffe!

Neben massiven Hölzern arbeiten Heimwerker oft auch mit sogenannten Holzwerkstoffen – vor allem Span-, Sperrholz-, Dreischicht- oder Massivholzplatten. Sie sind relativ preiswert, sehr stabil, für grosse Flächen geeignet und einfach in der Handhabung. Ein wichtiger Punkt ist aber zu beachten: Viele Holzwerkstoffe sind mit formaldehydhaltigen Klebstoffen verleimt. Formaldehyd gelangt mit der Zeit in die Raumluft und kann dort zu gesundheitlichen Problemen führen.

«Steht nur ein kleines Möbelstück in einem Raum, ist das in der Regel kein Problem. Werden hingegen grössere Flächen mit formaldehydhaltigen Werkstoffen verkleidet, nimmt das Risiko zu», sagt Reto Coutalides, Inhaber der Firma Bau- und Umweltchemie in Zürich und Spezialist für gesundes Bauen.

Werkstoffe im Schweizer Handel genügen in der Regel bezüglich Formaldehyd mindestens der Norm E1: Der Formaldehydgehalt beträgt maximal 0,1 ppm («parts per million», Teile von einer Million). Verschiedene Anbieter haben aber auch Holzwerkstoffe im Sortiment, die weniger oder gar keinen Formaldehyd enthalten. Eine Liste solcher Produkte hält der Branchenverband Lignum (www.lignum.ch) bereit. «Im Zweifelsfall lohnt es sich aber, beim Lieferanten das Produktblatt zu verlangen, auf dem auch der Formaldehydgehalt deklariert ist», rät der Lignum-Fachberater Hanspeter Fäh.

Ein weiterer problematischer Stoff sind Holzschutzmittel. In den achtziger Jahren machten sie negative Schlagzeilen. Vor allem in Deutschland wurden einige huntert Fälle publik, in denen Menschen durch mit Holzschutzmitteln behandelte Innenräume zum Teil ernsthaft erkrankten. Zahlreiche Holzhäuser mussten abgerissen oder aufwendig saniert werden. Als Verursacher der gesundheitlichen Probleme wurden die Chemikalien PCB und HCH eruiert, die damals in vielen Holzschutzmitteln enthalten waren.

Diese Substanzen sind längst verboten und durch andere ersetzt worden. Trotzdem sollte auch heute noch vorsichtig mit Holzschutzmitteln umgegangen werden: «Vor allem im Innenbereich sollte man völlig auf den Einsatz solcher Mittel verzichten, denn die darin enthaltenen Biozide sind zwar offiziell zugelassen, können aber unter Umständen zu gesundheitlichen Problemen führen», sagt Reto Coutalides von der Firma Bau- und Umweltchemie. Das Unternehmen ist auf Schadstoffe in Innenräumen und auf gesundes Bauen spezialisiert. Coutalides empfiehlt auch für den Aussenbereich einen zurückhaltenden Umgang mit Holzschutzmitteln, denn die Biozide würden mit der Zeit ausgewaschen und gelangten so in den Boden.

Auch der Fachverband Lignum empfiehlt, Holzschutzmittel zurückhaltend einzusetzen. «So wenig wie möglich, so viel wie nötig» lautet die Devise der Holzfachleute. Ein Grundsatz, den man auch als Heimwerker beherzigen sollte. Wie die Profis geht man den Holzschutz deshalb am besten nicht mit der chemischen Keule an:

  • Tragende Holzteile werden konstruktiv geschützt. Dachbalken etwa kann man mit einer Vordachkonstruktion sichern. Bewährt haben sich auch sogenannte Verschleissschichten: Wichtige Holzbauteile werden durch eine zweite Holzschicht geschützt, die mit der Zeit verwittert und wenn nötig ausgetauscht wird.
  • Holz sollte sinnvoll eingesetzt werden. An Orten, wo das Material dauernder Nässe ausgesetzt ist und nicht trocknen kann, ist Holz der falsche Baustoff. An solchen Stellen sind Schäden und Pilzbefall programmiert.
  • Wo immer wieder mit viel Nässe zu rechnen ist, etwa bei einem Terrassenboden, wählt man witterungsresistente Hölzer. Bretter aus Lärchenholz haben sich auf Terrassen sehr bewährt, Pfosten aus Eiche oder Robinie versehen auch in feuchtem Erdreich sehr lange ihren Dienst.
  • Holz verändert sich durch die Witterung. Angegrautes Holz hat dann zwar eine andere Optik, doch es tut noch lange seinen Dienst.


Eine neuere Möglichkeit, die Alterung von hölzernen Bauelementen zu verlangsamen und sie widerstandsfähiger zu machen, ist der Einsatz von sogenanntem Thermoholz. Hölzer werden mit Hitze, aber ohne chemische Zusätze behandelt. Dadurch verändert sich die Zellstruktur des Holzes, und das Baumaterial ist wesentlich widerstandsfähiger gegen Feuchtigkeit.

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Holz ist nicht gleich Holz

Herstellung, Verarbeitung, Transport und Entsorgung eines Materials oder ­Produkts verbrauchen Energie. Die Summe dieses Verbrauchs bezeichnen Fachleute als graue Energie. Sie steckt in jedem Produkt, das wir kaufen. Holz als nachwachsender Rohstoff gilt bezüglich grauer Energie als vorbildliches Material. Es muss nur gefällt, getrocknet, geschnitten und auf der Baustelle verbaut werden. Auch die Entsorgung ist bei unbehandeltem Holz problemlos: Es wird wiederverwertet oder landet als Brennholz in der Kehrichtverbrennung, wo Energie für Fernwärme gewonnen wird.

Wenig graue Energie steckt in Holz aus einheimischen Wäldern. Ein guter Teil unserer Bauhölzer und Holzwerkstoffe hat aber ­einen langen Transportweg hinter sich. Rund ein Viertel des in der Schweiz benötigten Rohholzes wird importiert (Bundesamt für Statistik). Noch höher liegt der Anteil bei den Holzwerkstoffen.

Beim Kauf von Holz sollte man immer sehr genau auf die Herkunft achten. Wird Holz von weit her eingeführt, macht der Trans­port schnell einmal einen Drittel bis die Hälfte des gesamten Gehalts an grauer ­Energie aus, rechnen Umweltexperten vor. Aus ökologischen Gründen lohnt es sich ­also, einheimische Hölzer und Holzprodukte zu bevorzugen.

Alternativen zu echtem Holz

Anstelle von echtem Holz kommen im Bau­bereich und beim Heimwerken oft sogenannte Holzwerkstoffe zum Einsatz. Sie sind billiger und oft einfacher zu bearbeiten als Naturholz. Die wichtigsten Typen:

  • Massivholzplatte: Grossflächige Holzplatte, zusammengeleimt aus massiven Holzstücken. Handelsübliche Massivholzplatten für Heimwerker bestehen in der Regel aus Fichtenholz. Im spezialisierten Handel sind aber auch andere Holzarten erhältlich.

  • Dreischichtplatte: Wie die Massivholzplatte besteht sie aus zusammengeleimten, massi­ven Holzstücken. Jeweils drei dünne Platten werden aufeinandergeleimt, wobei die ­mittlere um 90 Grad gegenüber der Faserrichtung der beiden anderen gedreht ist. Dreischichtplatten sind dadurch form­stabiler als reine Massivholzplatten. Basisholz für den Heimwerkerbereich ist in der Regel Fichtenholz.

  • Sperrholz: Zur Herstellung werden dünne Schichten von Massivholz kreuzweise verklebt. Häufig werden dazu Holzfurniere verwendet, erhältlich sind aber auch Stabsperrholzplatten. Bei diesen bestehen die mittleren Lagen aus Holzstäben. Sperr­holzplatten sind auch bei geringen Dicken sehr stabil. Handelsüblich im Heimwerker­bereich sind Furniersperrholzplatten aus Buche, Birke oder Pappel.

  • Spanplatte: Die Platten bestehen aus kleinen Holzteilchen, die zusammen mit Leim unter Hitzeeinwirkung zusammengepresst werden. Verwendet werden verschiedene Holzarten. Beachten Sie: Spanplatten sind in der Herstellung energieintensiv und können Formaldehyd ausgasen.

  • OSB-Platten (Triply): OSB-Platten werden analog zu Spanplatten hergestellt. Statt kleiner Holzteilchen kommen aber lange, dünne Holzspäne zur Anwendung. Wie bei der Spanplatte ist der Energieverbrauch hoch, ebenso geben sie Formaldehyd ab.

  • Mitteldichte Faserplatten (MDF): Für die Herstellung wird Fichten- und Tannenholz fein zermahlen, gekocht, mit Leim versetzt und unter Hitze gepresst. Die Produktion belastet die Umwelt im Vergleich zu andern Platten am stärksten; MDF-Platten enthalten auch am meisten synthetischen Klebstoff.

  • Keilverzinkte Hölzer: Balken und Bretter grösserer Länge sind auch in der sogenannten keilverzinkten Version erhältlich. Kurze Holzstücke werden an den Enden zacken­förmig eingeschnitten und so miteinander zu langen Hölzern verleimt.

  • Brettschichtholzträger (BSH): Bei grossen Spannweiten und hoher Belastung kommen heute meist Schichtholzträger zum Einsatz. Sie bestehen aus mehreren Holzleisten, die schichtweise aufeinandergeleimt werden. So entstehen sehr tragfähige, stabile Balken.

Entsorgung: Wohin mit Bauabfall?

Zwölf Millionen Tonnen Bauabfall fallen in der Schweiz jährlich an – und wird oft unseriös entsorgt. Holz wird im Cheminée verbrannt, wertvolle Stoffe enden im Müll statt in der Wiederverwertung.

Wo Heimwerker tätig sind, fällt Abfall an. Ein Grossteil sind Holzwerkstoffe. Und nur zu oft landen diese Materialien im heimischen Ofen oder im Cheminée. «Verboten» und damit strafbar, besagt die Luftreinhalteverordnung. Denn die Verbrennung von verarbeiteten Hölzern und Reststücken aus dem Baubereich setzt giftige Stoffe frei und belastet die Umwelt und die Innenraumluft. In Cheminées und Öfen darf darum ausschliesslich unbehandeltes Holz verbrannt werden.

Ob ein Holzstück behandelt wurde oder nicht, ist für Laien schwer herauszufinden. Oft sind die Spuren von Lacken, Ölen oder Leimen nicht auf den ersten Blick zu sehen. Holzabfälle aus dem Baubereich sollte man deshalb grundsätzlich nicht im eigenen Ofen verbrennen; sie gehören in die Kehrichtverbrennungsanlage. Dort werden die giftigen Stoffe herausgefiltert.

Auch andere Bauabfälle – in der Schweiz jährlich rund zwölf Millionen Tonnen – müssen nach klaren Regeln entsorgt werden:

Baumaterialien wie Zement, Schutt, Ziegel und Betonstücke gehören in spezielle Deponien.

  • Alle brennbaren Bauabfälle wie Holz, Holzwerkstoffe, Kunststoffe oder Teppiche müssen in der Kehrichtverbrennungsanlage entsorgt werden.

  • Reste von Farben, Lacken und Leimen sind Sondermüll. Sie können im Fachhandel oder an speziellen Sammelstellen abgegeben werden.

  • Metallische Bauabfälle gehören ins Altmetall. Kleinere Mengen können bei den jeweiligen Sammelstellen deponiert werden; bei grösseren Mengen lohnt es sich, diese vom Altmetallhändler abholen zu lassen.

  • Kupferkabel können in kleinen Mengen im Elektroschrott entsorgt werden. Fallen grössere Mengen an, lohnt sich der Gang zum Altmetallhändler, denn Kupfer bringt meist noch einen akzeptablen Ankaufpreis.


Die Details der Entsorgung werden von den Gemeinden geregelt. Meist veröffentlichen sie ihre Reglemente auch im Internet. Allgemeine Informationen bietet zudem www.abfall.ch.

Wo grössere Abfallmengen anfallen, lohnt es sich in der Regel, Profis mit der Entsorgung zu beauftragen. Der Muldenservice erspart einem die mühsamen Transporte zur Deponie oder zur Kehrichtverbrennung. Sinnvollerweise bestellt man separate Mulden für Deponiematerial und für brennbares Material. Das kommt meist günstiger als eine gemischte Mulde, die durch die Entsorgungsfirma sortiert werden muss.

Vor allem bei Abbrucharbeiten fallen auch gefährliche Baumaterialien an. So finden sich etwa in älteren Häusern immer noch asbesthaltige Materialien: in Kunststoffbodenbelägen, bei Abdeckungen hinter Heizungen, in Elektrokästen oder bei Türen von Heizungsräumen. Werden diese unsachgemäss ausgebaut, besteht das Risiko, dass man krebserregende Asbestfasern einatmet. Im Zweifelsfall sollte man deshalb eine auf Asbest spezialisierte Entsorgungsfirma beiziehen. Diese kümmert sich darum, dass das Material fachgerecht deponiert wird – denn in der normalen Bauabfalldeponie hat asbestverseuchte Ware nichts zu suchen.

Im Bauabfall befinden sich immer auch Materialien, die eigentlich noch gar nicht auf den Abfall gehören. Wer sich die Mulden vor Sanierungsobjekten ansieht, findet darin oft Bauteile, die noch gut in Schuss sind. Viele nicht mehr gebrauchte Materialien lassen sich durchaus wiederverwerten.

In der Schweiz gibt es 15 Bauteilbörsen, die Gebrauchtes wiederaufbereiten und weiterverkaufen. Die Börsen sind ein Fundus für Heimwerker: Waschbecken, Türen oder ganze Küchen sind dort für einen Bruchteil des Neupreises erhältlich, oft in bestem Zustand. So schont man als Heimwerker die Umwelt und kommt trotzdem zu einem Bad oder zu einer Küche mit neuer Optik.