Die Vorwürfe sind bekannt: Die Generation Z wolle weniger arbeiten, sei schnell überfordert und stelle zu hohe Ansprüche. Solche Aussagen sorgen regelmässig für Diskussionen. Ein Spitexdienst hat für grosse Aufmerksamkeit gesorgt, indem er in einem Stelleninserat Bewerbungen der Generation Z ausdrücklich ausgeschlossen hat. Eine dem «Blick» vorliegende Untersuchung des Schweizerischen Arbeitgeberverbands (SAV) zeichnet nun ein anderes Bild. Demnach sind es nicht die Jüngeren, die am häufigsten freiwillig Teilzeit arbeiten, sondern ältere Arbeitnehmende.

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Besonders ab 50 wird das Pensum deutlich öfter reduziert, oft bewusst zugunsten von mehr Freizeit. «Das grösste ungenutzte Arbeitskräftepotenzial durch Lifestyle-Teilzeit liegt bei den über 50-Jährigen. Sie arbeiten am häufigsten in einem reduzierten Pensum, weil sie keine Lust auf Vollzeit haben», sagt SAV-Chefökonom Patrick Chuard-Keller, 39, im Gespräch mit «Blick».

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Wer kann es sich leisten?

Der Unterschied hat auch mit Geld zu tun: Wer länger im Berufsleben steht, verdient im Schnitt mehr und hat häufig ein höheres finanzielles Polster. Ein reduziertes Pensum ist für die ältere Generation deshalb eher möglich als für jüngere Berufseinsteiger. Diese verdienen weniger, müssen sich erst etablieren und haben entsprechend weniger Spielraum.

Eine Frage der Fairness

Gleichzeitig weist der Arbeitgeberverband auf eine andere Seite hin. Wer sein Pensum freiwillig reduziert, trifft zwar eine persönliche Entscheidung. Ganz privat bleibt sie aber nicht. Weniger Arbeit bedeutet auch weniger Steuern und Sozialabgaben, was wiederum Auswirkungen auf die Allgemeinheit hat. Chuard-Keller hat Folgendes berechnet: Würden alle, die bewusst Teilzeit arbeiten, ihr Pensum erhöhen, entspräche das einem zusätzlichen Lohnvolumen von rund 8 Milliarden Franken pro Jahr. Ein erheblicher Teil davon entfiele auf die Gruppe der über 50-Jährigen. Für Staat und Sozialversicherungen geht es dabei um Milliardenbeträge. Aus Sicht des Ökonomen stellt sich deshalb auch eine Frage der Fairness. 

Wie sehen Sie das?

Wird die Gen Z zu Unrecht kritisiert, oder ist an den Vorwürfen etwas dran? Diskutieren Sie mit in den Kommentaren!