Bis am 22. Februar haben die Frauen dieses Jahr gratis gearbeitet, vermeldete die Schweizerische Nachrichtenagentur SDA am Freitag. Die Agentur hatte ungeprüft die Medienmitteilung des Verbandes Business & Professional Women (BPW) zum so genannten Equal Pay Day übernommen. Der Aktionstag soll jenes Datum bezeichnen, bis zu dem Frauen angeblich im Vergleich zu ihren männlichen Kollegen wegen Lohndiskriminierung kostenlos arbeiten müssen, ohne dafür bezahlt zu werden. 14,6% betrage der aktuelle Lohnunterschied . Das sei illegal, heisst es auf der Webseite von BPW.

Doch die Information der Business Frauen ist falsch. Basierend auf der Lohnstrukturerhebung aus dem Jahr 2016 weist das Eidgenössische Büro für die Gleichstellung von Mann und Frau (EBG) eine unerklärte Lohndifferenz von 7,7% aus. Unerklärt heisst, dass der Unterschied mit den bei der Analyse berücksichtigten Faktoren nicht begründet werden kann. Trotzdem darf dieser Unterschied nicht als diskriminierend interpretiert werden. Dies hält ein von der Uni St. Gallen im Auftrag des EBG verfasster Bericht ausdrücklich fest. Der Unterschied könne auch daher rühren, dass bei der Analyse zu wenig Faktoren berücksichtigt worden seien.

Wie gross ist die Lohndifferenz wirklich?

BPW hat bis zum aktuellen Zeitpunkt nicht auf die Bitte um Stellungnahme reagiert.

Private Beratungsunternehmen kommen bei ihren Analysen auf viel geringere Unterschiede. Eine Untersuchung der auf Lohnvergleiche spezialisierten Firma Landolt & Mächler kam auf eine geschlechterspezifische Lohndifferenz von unter zwei Prozent. Experten kritisieren seit Jahren die vom EBG verwendete Messmethode. Sie messe keine objektive Wirklichkeit, sondern bloss das, was der Anwender wissen und demonstrieren wolle, urteilt etwa der Personalexperte Matthias Mölleney von der Hochschule für Wirtschaft Zürich.

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Andres Büchi, Chefredaktor

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