Mit der Familie in die Herbstferien nach Sizilien? Oder ein Städtetrip nach Lissabon? Da kommt den meisten das Flugzeug in den Sinn. Doch aus ökologischen Gründen wollen längst nicht mehr alle auf diese Weise reisen. Glücklicherweise verfügt Europa über ein zum grössten Teil gut ausgebautes Schienennetz.

Der Kauf eines Zugtickets für eine internationale Reise ist aber nach wie vor eine komplizierte Angelegenheit und oft mit Aufwand verbunden. Der Grund: Es fehlt ein einheitliches Buchungssystem, wie man es aus der Airlinebranche schon lange kennt.

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Immerhin helfen Plattformen wie Simpletrain bei der Planung mit Tipps. Wer will, kann sich auch persönlich beraten lassen. Die Kosten dafür werden bei einer Buchung vom Preis abgezogen. Um sich ein Bild von möglichen Zugverbindungen und Reisezeiten zu machen, liefern Europamitdemzug.ch und Rome2rio.com gute Infos. Auf den Buchungsplattformen Raileurope.com, Trainline.com und Bookasleeper.com kann man Tickets für viele europäische Länder kaufen. Bei Trainline sind 260 Bahn- und Busunternehmen aus 45 Ländern angeschlossen, doch wirklich alle Verbindungen findet man auch hier nicht. Eine weitere und insbesondere sichere Alternative sind spezialisierte Reisebüros wie Railtour/Frantour.

Reisen ohne Eile

Gerade wer auf eigene Faust eine komplizierte Zugreise bucht, sollte an die Platzreservation für Tages- und Nachtzüge denken. Auf gewissen Strecken ist sie nicht nur sinnvoll, sondern Pflicht. Zudem ist es ratsam, sich vor der Reise über allfällige abweichende Abfahrtsorte beim Umsteigen oder den schnellsten Weg zur Fähre zu informieren. Wer zum Beispiel aus der Schweiz via Paris und London nach Dublin reist, muss in der französischen Hauptstadt den Bahnhof wechseln.

Bei der Planung einer längeren Bahnreise innerhalb Europas, zum Beispiel mit dem Nachtzug nach Sizilien, sollte die Dauer nicht unterschätzt werden. Es ergibt oft Sinn, die Fahrt an interessanten Destinationen für einen Zwischenstopp zu unterbrechen (Rom!). So wird man wieder zum echten Reisenden – denn bekanntlich ist auch der Weg ein Ziel.

Hier sind zehn Ziele, die eine Zugreise wert sind:

Illustration Zugreisen in Europa Dublin und London
London und Dublin

Selbst nach Grossbritannien kommt man auf dem Schienenweg. Der Vorteil: Man kann zum Beispiel einen Trip nach Dublin mit einem Aufenthalt in London verbinden. Von Basel erreicht man London via Paris (Bahnhofwechsel) in 6,5 Stunden. Von dort kommt man in gut 4 Stunden nach Holyhead, Wales, wo man auf die Fähre umsteigt. Rund 3 Stunden später ist man in der Hauptstadt Irlands. Eine weitere Möglichkeit ist, in Cherbourg (Normandie) die Nachtfähre zu besteigen. Dann führt die Anreise aber via Strassburg und Paris.

Sylt mit Aufenthalt in Hamburg

Die im Süden teils extremen Temperaturen während der Sommermonate machen die Nord und Ostsee für Badeferien immer interessanter. Etwa die Nordseeinsel Sylt. Hinauf geht es ab Basel mit dem Zug mehrmals täglich via Hamburg. Nebst den knapp 7 Stunden dauernden Tagesverbindungen stehen auch Nachtzüge zur Verfügung (Reisezeit je nach Verbindung zwischen 9,5 und 10,5 Stunden). Auf die friesische Insel sind es dann noch rund 3 Stunden umsteigefreie Fahrzeit mit der Bahn – die man am besten am nächsten oder übernächsten Tag geniesst, wenn man Hafen, Reeperbahn und Elbphilharmonie besucht hat.

Illustration Zugreisen in Europa Sylt und Hamburg
Illustration Zugreisen in Europa Lissabon und Madrid
Lissabon mit Zwischenstopps in Frankreich und Spanien

Lyon, Barcelona, Madrid und Lissabon: Sie sind nicht nur beliebte Ziele für Citytrips, sondern lassen sich auch hervorragend mit dem Zug verbinden. Diese Strecke mit dem Zug zu bewältigen, verdeutlicht eindrücklich, wie umweltfreundlich Städtereisen sein können. Denn für die Fahrt nach Lissabon verursacht man 68 Kilogramm CO2. Wer mit dem Flugzeug unterwegs ist, verursacht hingegen happige 308 Kilo. Stopps in den Städten Lyon, Barcelona oder Madrid einzubauen, ergibt ohnehin Sinn. Denn wer zum Beispiel am Morgen den Zug ab Zürich nimmt, muss nach der Ankunft in Madrid bis zum nächsten Morgen warten, bis es weiter zum Endziel Lissabon geht. Kommt dazu: Die Distanzen zwischen den Städten sind zum Teil gross. Von Zürich nach Lyon sind es 5,5 Stunden, von Lyon nach Barcelona weitere 5, von Barcelona nach Madrid im schnellsten Fall 2,5 Stunden Fahrzeit.

Paris und Bretagne

Tolle Wandermöglichkeiten, lange Strände und eine berühmte Küche: Das alles bieten Bretagne und Umgebung. Dazu kommt mit Nantes ein spannendes Ziel für einen Citytrip. Die Stadt an der Loire ist mit dem TGV ab Basel via Paris in rund 7 Stunden erreichbar, inklusive Bahnhofwechsel und Wartezeit in Paris. Darum lohnt sich ein Zwischenstopp in der Hauptstadt. Dann reist man pro Tag nur 3 Stunden (Basel–Paris), respektive gut 2 Stunden (Paris–Nantes). Von Nantes ist man schnell in Rennes, La Rochelle oder Bordeaux. Auch bis zum Meer ist es nicht weit. Die Küste liegt nur rund 55 Kilometer entfernt.

Illustration Zugreisen in Europa Paris
Illustration Zugreisen in Europa Marseille
Marseille und die Côte d’Azur

Gerade einmal 16 Kilo CO2 verursacht die Anreise mit dem Zug von Genf nach Marseille. Mit dem Flugzeug wären es rund 124 Kilo. Ab Genf gibt es täglich mehrere Verbindungen in die südfranzösische Mittelmeerstadt. Trotz Umsteigen in Lyon ist man mit einer Reisezeit von zum Teil nicht mal 4 Stunden schnell am Ziel. Marseille ist zudem ein guter Ausgangspunkt für weitere Entdeckungsreisen entlang der Côte d’Azur und in die Camargue.

Oslo mit Stopps in Hamburg, Kopenhagen und Göteborg

Den Weg nach Oslo in einem Stück zurückzulegen, ist happig, umso mehr lohnt sich ein Zwischenstopp in Hamburg, bevor man die Fahrt in den hohen Norden weiterführt. Von dort erreicht man in knapp 5 Stunden Kopenhagen (Dänemark), in weiteren 4 Stunden Göteborg (Schweden), und für die letzte Etappe bis Oslo (Norwegen) muss man nur noch mit rund 3,5 Stunden Fahrzeit rechnen. Eine Alternativroute via Stockholm anstelle von Göteborg ist ebenfalls möglich. Auf dem Rückweg kann man von Oslo die Fähre (20 Stunden Fahrzeit) bis nach Kiel nehmen.

Illustration Zugreisen in Europa Oslo, Göteborg, Kopenhagen, Stockholm
Illustration Zugreisen in Europa Wien und Bratislava
Wien mit Bratislava verbinden

Die europäische Musikhauptstadt Wien ist ab Zürich in rund 8 Stunden ohne Umsteigen erreichbar. Im Nachtzug sind es gut 10,5 Stunden. Und wenn man schon so nahe an der slowakischen Grenze ist, lohnt sich ein Abstecher nach Bratislava. Von Wien ist es mit dem Zug nur noch gut eine Stunde bis in die Hauptstadt der Slowakei. Diese bewegt sich touristisch noch immer unter dem Radar. Doch romantisch an der Donau gelegen, hat auch sie viel zu bieten, nicht nur den imposanten UFO-Turm in Form einer fliegenden Untertasse.

Zagreb und die kroatische Küste

Mit dem Zug ab Zürich direkt an die kroatische Küste zu kommen, ist nicht möglich. Aber der Nachtzug bringt einen ab Zürich in rund 15 Stunden umsteigefrei nach Zagreb. Wer lieber am Tag reist, gelangt mit Umsteigen in Graz in die kroatische Hauptstadt. Dort kann man ein Auto mieten und erreicht in rund 2 Stunden das Meer und die Brücke zur Insel Krk. Da die Mietwagenanbieter während Corona ihre Flotten ausgedünnt haben, ist es ratsam, sein Fahrzeug möglichst früh zu buchen. Das erhöht auch die Chancen auf einen besseren Preis.

Illustration Zugreisen in Europa Zagreb und Krk
Illustration Zugreisen in Europa Rom und Catania
Rom und Sizilien

Sizilien ist für Familien ein beliebtes Badeferienziel. Dementsprechend gut ist das Flugangebot. Aber nach Catania kommt man auch mit dem Zug. Dank der Nachtverbindung über Rom erst noch ausgeschlafen und ausgeruht. Aus der Hauptstadt fahren täglich zwei Nachtzüge nach Catania. Die Fahrzeit in die Hafenstadt am Fusse des Ätna beträgt rund 11 Stunden. Nach Rom schafft man es ab Zürich via Mailand in 6,5 Stunden.

Korsika via Genua oder Marseille

Schön wärs, aber nach Korsika fährt kein Zug – es gibt nun mal keine Brücke vom Festland auf die Insel. Trotzdem ist es noch immer umweltfreundlicher, vom Zug aufs Schiff umzusteigen, als zu fliegen. Dank der Fähre sind die Optionen vielfältig. Aus der Schweiz hat man mit Marseille, Genua und Livorno drei Häfen zur Auswahl. Gerade in Marseille und Genua ist der Transfer vom Zug auf die Fähre einfach. Zudem werden mehrere Zielhäfen auf Korsika angesteuert. Für Livorno spricht die kurze Überfahrtsdauer von 4 Stunden. Von denselben Häfen erreicht man übrigens auch Sardinien.

Illustration Zugreisen in Europa Korsika
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