«Lemmy, tuesch uufpasse, gäll?!» – Mit diesen Worten entlässt eine Mutter ihren Buben auf die Halfpipe. Es ist Mittwochnachmittag, im Skaterpark auf der Zürcher Allmend tummeln sich Kinder und Jugendliche mit allerlei fahrbarem Untersatz: Rollschuhen, Rollbrettern, Velos. Doch die meisten fahren wie Lemmy mit kleinen Trottinetten über die geschwungenen Betonbahnen. Kunststücke machen die wenigsten, Spass haben alle.

Schon braust ein erwachsener Rollbrettfahrer Lemmy um die Ohren. Die Skater haben keine Freude am Nachwuchs in der Halfpipe. Einer hat seine Meinung über die kleinen Trottinette gar auf den Beton gesprayt: «Scooter sind Sch…» Daneben zeichnete er eine Art Verbotsschild. Dabei sind die beiden Gefährte miteinander verwandt: Die Idee, Rollen an einem Holzbrett zu befestigen, ist uralt. Da das Steuern mit einem Lenker einfacher ist, schraubte man noch Holzkisten mit zwei Griffen über das Vorderrad. Erste US-Patente solcher Scooter stammen aus den 1920er Jahren.

Neuer Boom dank «Stunt-Scootern»

Fast ein Jahrhundert später erleben sie einen neuen Aufschwung. Grund: Seit einiger Zeit benutzen Jugendliche die Tretroller in der Halfpipe, um damit Kunststücke zu vollführen. Dazu verwenden sie extrarobuste Roller: die Stunt-Scooter. Diese sind bei Kindern und Jugendlichen so beliebt, dass die Absatzzahlen mit zweistelligen Prozentwerten zunahmen. Inzwischen gibt es auch Shops, die ausschliesslich Stunt-Scooter verkaufen.

Doch nicht nur die Modelle für die Halfpipe erleben einen Boom. Insgesamt bewegt sich der Scooter-Markt «auf hohem Niveau», wie etwa die Migros auf Anfrage schreibt. Die Roller sehen sich alle ähnlich – und doch ­variieren sie im Fahrgefühl stark. Die neuste Entwicklung sind Tretroller mit integriertem Elektroantrieb. Bekannte Hersteller von Scootern sind Micro, JD Bug, Hudora, Razor, Chilli, Madd.

Auf der folgenden Seite stellen wir die vier häufigsten Arten von Scootern vor.

Tipps für Scootern ohne Sturz und Schmerz

  • Ein Helm ist immer gut. Wer mit dem Stunt-Scooter Kunststücke übt, sollte zudem Ellbogen- und Knieschoner tragen.

  • Achten Sie auf die maximal zugelassene Belastung: Nicht alle Scooter sind bis 100 Kilogramm belastbar.

  • Gesetzlich gelten Scooter als «fahrzeugähnliche Geräte». Scooter-Fahrer sind damit Fussgängern gleichgestellt, auf Hauptstrassen haben sie also nichts verloren. Details dazu gibts auf der Webseite der Beratungsstelle für Unfallverhütung (BfU): www.bfu.ch.

  • Bei Regen sollte man nicht fahren. Blätter, Strassenbelag und Fussgängerstreifen sind glitschig, dazu funktioniert die Bremse weniger gut. Zudem kann das Wasser in die Radlager gelangen.

  • Die Reibung beim «Kicken», das raue Trittbrett und dessen Kanten sind nichts für nackte Füsse. Am besten eignet sich hohes, geschlossenes Schuhwerk.

  • Es gibt zwei Arten, den Scooter zu bremsen. Zum einen: mit dem Fuss auf den Bremsbügel stehen. Wer dabei leicht in die Hocke geht und sein Gewicht nach hinten verlagert, steigert die Bremswirkung des Bügels. Oder man hüpft vom Trottinett ab und rennt bis zum Stillstand neben diesem her.

  • Die meisten Scooter sind faltbar. Die Klappmechanik ist aber eine Knacknuss für jeden Hersteller. Sie sollte stabil beim Fahren, aber zugleich leicht zu falten sein.

  • Oft ist deshalb beim Zusammenklappen einiges an Kraft nötig. Für Kinder kann das ein Problem sein. Üben Sie deshalb mit Ihrem Kind ein, wie es das Trottinett falten kann, ohne dabei seine Finger einzuklemmen.

  • Scooter werden gern und oft gestohlen. Ein Schloss kann man an der Gabel oder bei den Speichen festmachen, dazu muss es aber dünn genug sein.

  • Einige Hersteller empfehlen, den Scooter einmal pro Jahr zu warten. Konkret: die Räder von Dreck befreien und die Schrauben nachziehen – diese können sich durch die ständige Vibration lösen.

  • Rapex, das EU-Warnsystem für Verbraucherschutz, warnte in den letzten zehn Jahren vor rund hundert Scootern. Oft handelte es sich dabei um Billigprodukte aus China. Häufige Gründe für eine Warnung waren scharfe Kanten, ungenügender Antirutschbelag auf dem Trittbrett, fehlender Schutz an den Griffen, eine Lenkstange, die brechen konnte, ein zu kurzer Abstand zwischen Vorderrad und Trittbrett, eine Schweissnaht am Trittbrett, die brechen konnte, ein zu kurzer Lenker, zu kleine Räder, ein zu kleiner Durchmesser der Lenkstange oder komplett fehlende Bremsen.
Anzeige
Quelle: Giorgia Müller

Stunt-Scooter

Die Trend-Trotti für die Halfpipe gibt es in verschiedenen Grössen. Als Faustregel gilt: Der Lenker sollte auf Höhe der Hüften sein. Stunt-Scooter sind robust gebaut, damit sie die Sprünge aushalten. Deshalb sind sie weder falt- noch verstellbar.

Die Bremse ist ein fest mit dem Trittbrett verbundenes Blech, das der Fahrer auf das Hinterrad drückt. Die Räder sind aus weichem Gummi, damit der Roller besser auf dem Asphalt haftet. Sie sind ersetzbar; der weiche Gummi nutzt sich schnell ab. Lenker und Räder haben ein besseres Kugellager als übliche Scooter. So fährt der Roller geschmeidiger; bei den Kunststücken dreht der Lenker gut mit.

Das Trittbrett ist verstärkt, damit es das Schleifen über Handläufe (Grinden) aushält. Ultimatives Accessoire sind die «Pegs», kleine Metall- oder Plastikröhren, die bei den Achsen am Hinter- und am Vorderrad befestigt werden. Auch damit schleifen die Kunstfahrer auf der Unterlage.

Anzeige

Profis stellen sich ihre Stunt-Scooter aus Einzelteilen selbst zusammen. Für diese Modelle ist Beratung wichtig, und es lohnt sich nicht, zu sparen.

  • Preis: ab 150 Franken
Quelle: Giorgia Müller

E-Scooter

Tretroller mit Elektroantrieb gibt es in zwei Varianten: E-Scooter, bei denen man auf das Trittbrett steht und nicht anstösst. Zum Bremsen und Beschleunigen gibt es Griffe am Lenker. Bei der zweiten Variante muss man mit dem Fuss beschleunigen – der Elektromotor schaltet sich dann zu.

Beide Modelle haben Hinterrad­antrieb; die Batterie steckt unter dem Trittbrett. Je nach Hersteller und Batterie dauert das Aufladen eine bis mehrere Stunden, die Höchstgeschwindigkeit kann bis zu 35 Kilometer pro Stunde betragen, die Reichweite bis 20 Kilometer. Diese Scooter sind relativ schwer und nicht für die Strasse zugelassen. Es gibt Modelle mit Luft- und solche mit Hartgummireifen.

Anzeige
  • Preis: ab 200 Franken
Quelle: Giorgia Müller

Kickboards

Kickboards sind Scooter mit drei Rädern: vorne zwei, hinten eins. Es gibt sie in allen Grössen, fast alle lassen sich zusammenklappen, der Lenker ist verstellbar. Sie eignen sich als Einsteigermodelle für Kinder.

Kickboards sind nicht so wendig wie zweirädrige Scooter. Sie bieten ein ganz eigenes Fahrgefühl. Man kann seitlich draufstehen und fährt wie mit einem Rollbrett. Den Lenker gibt es mit Griffen oder einfach als Stange. Zum Steuern muss man sein ­Gewicht verlagern – enge Slalomkurven sind damit aber schwierig zu fahren. Ein ­interessantes Spezialmodell ist das Kickboard mit integriertem Koffer für Viel­flieger.

  • Preis: ab 60 Franken
Quelle: Giorgia Müller
Anzeige

Klassische Scooter

Die Vielfalt bei den klassischen Tretrollern ist gross. Auch diese Scooter kann man zusammenklappen, der Lenker ist verstellbar. Generell gilt: Je grösser die Räder, desto schwerer, aber auch schneller sind sie. Kleinere Räder bedeuten grössere Wendigkeit, aber auch eine höhere Unfallgefahr; ein kleiner Stein kann zur Stolperfalle werden.

Trittbretter aus Holz machen Scooter langsamer. Modelle mit Luftreifen eignen sich für Wald- und Kieswege. Eine längere Fahrt damit bedeutet aber erheblichen Kraftaufwand. Scooter mit breiten Rädern eignen sich für längere Abfahrten, zum ­Slalomfahren und für rauere Pisten. Sie sind aber auch etwas langsamer.

  • Preise: ab 70 Franken