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WandernBergtour ohne Tortur

Unfälle oder Schreckmomente am Berg lassen sich vermeiden, wenn man über Schwierigkeitsgrade und Markierungen der Wanderwege Bescheid weiss. Und sich gut vorbereitet.

Damit man bei Wanderungen – etwa aus Überforderungen – keine bösen Überraschungen erlebt, sollte man die Route vorgängig sorgfältig planen.
Von und aktualisiert am 21. August 2018

Schwierigkeitsgrad T4 war dann wohl doch ein bisschen zu viel des Guten. Das merkten die Frauen spätestens, als die eine weinend und zitternd in der Felswand hing und die andere innerlich schrie, aber äusserlich versuchte, Ruhe auszustrahlen. «Alles in Ordnung, halt dich einfach fest, wir schaffen das», sprach sie der Freundin gut zu. Und betete leise, dass alles gut enden würde.

Es gebe ein paar «leicht ausgesetzte Stellen», hatte es im Wegbeschrieb geheissen. Eine senkrechte Felswand, die 150 Meter in die Tiefe fällt und über die sie hinabsteigen sollten, hatten die nicht unsportlichen, aber auch nicht besonders erfahrenen Berggängerinnen allerdings nicht erwartet.

Schwierigkeitsgrade sind in unterschiedlichen Farben markiert

Die Berg- und Alpinwanderskala des Schweizer Alpen-Clubs (SAC) umfasst die Grade T1 bis T6 (siehe Tabelle unten). T1 sind einfache Wanderwege, die gelb markiert sind und keine besonderen Anforderungen stellen. Bergwanderwege (T2 und T3) sind weiss-rot-weiss gekennzeichnet. Zum Teil führen sie durch unwegsames Gelände und weisen exponierte Stellen auf.

T4 bis T6 sind so­genannte Alpinwanderwege (weiss-blau-weiss). Auf diesen müssen Schneefelder, Gletscher oder Geröllhalden überwunden und oft heikle Stellen in Kletteraktionen gemeistert werden. Die Wegmarkierungen für unterschiedliche Schwierigkeitsgrade sind teilweise identisch. Wer eine Bergwanderung oder eine Alpintour plant, sollte sich deshalb vorher erkundigen, wie der Weg eingestuft ist.

«Alpinwanderwege sind für Ungeübte oft schwierig»

Eine gute körperliche Verfassung sowie absolute Trittsicherheit und Schwindelfreiheit sind auf den Routen mit den drei höchsten Schwierigkeitsgraden Voraussetzung, ebenso Erfahrung im Gebirge. Das hätten die zwei Berggängerinnen, die in der schroffen Felswand Schreckmomente erlebten, wissen müssen.

«Alpinwanderwege sind anspruchsvoll und für Ungeübte oft schwierig», sagt der erfahrene Bergführer Christian Frischknecht. «Eine T4-Wanderung kann bei schlechtem Wetter schnell schweinegefährlich werden.» 2017 verunfallten beim Wandern oder Spazieren laut den Unfallzahlen der Suva 21'500 Personen – ein Plus von 16.5 Prozent gegenüber dem Vorjahr. 73 Unfälle am Berg endeten 2016 tödlich.

«Einfach zurückgehen» war gar nicht so einfach

Die Hüttenwartin, bei der sich die beiden Freundinnen als blutige Anfängerinnen zu erkennen gegeben hatten, warnte sie nicht genügend vor der anspruchsvollen Passage. «Für mich ist es nicht schwierig. Aber wenn ihr merkt, dass es euch nicht wohl ist dabei, kommt ihr einfach wieder auf dem gleichen Weg zurück», sagte sie bloss. Schön und gut, nur das mit dem «Zurück» erschien den beiden Frauen mitten in der Wand alles andere als einfach. Das gemütliche Wochenende im Berner Oberland drohte zum Alptraum zu werden. Mit schlotternden Knien und nervlich ein klein wenig am Ende kamen sie schliesslich doch noch heil herunter.

Aber das Erlebnis führte ihnen deutlich vor Augen: Planen lohnt sich. Wer selten in die Berge geht, sollte sich vielleicht nicht gleich als Erstes auf eine zweitägige Tour durch hoch­alpines Gelände wagen. Selbst wer gut zu Fuss ist und vor allen Dingen schwindelfrei, tut gut daran, nicht gleich mit der dritthöchsten Schwierigkeitsstufe einzusteigen.

Höhenangst wird bei der Skala nicht berücksichtigt

«Die Schwierigkeitsskala T1 bis T6 ist eine rein technische Zusammenstellung», erklärt Bergführer Christian Frischknecht. Sie gebe über das Gelände und die Voraussetzungen zur Bezwingung desselben Auskunft. Psychische Faktoren wie zum Beispiel Höhenangst finden in der SAC-Skala keinen Niederschlag: «Bei jedem Menschen setzt der Schwindel woanders ein, das muss jeder selber beurteilen», sagt Frischknecht. «Wer nicht schwindelfrei ist und vor ausgesetzten Stellen Angst hat, muss sich vorab gut über die Situation auf der Tour informieren.»

Wanderskala des Schweizer Alpen-Clubs (SAC)

 

   
Grad T1 Wandern   
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Weg/Gelände Weg gut gebahnt. Falls nach Normen der SAW (Schweizer Wander­wege, vormals Schweizer Arbeitsgemeinschaft für Wanderwege) markiert: gelb. Gelände flach oder leicht geneigt, keine Absturzgefahr.
Anforderungen  Keine, auch mit Turnschuhen begehbar. Orientierung problemlos, in der Regel auch ohne Karte möglich.
Beispieltouren Männlichen – Kleine Scheidegg, Hüttenweg Jurahaus, Cabane Mont Raimeux, Strada Alta Leventina, Vermigelhütte
   
Grad T2 Bergwandern   
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Weg/Gelände Weg mit durchgehendem Trassee. Falls SAW-konform markiert:
weiss-rot-weiss. Gelände teilweise steil, Absturzgefahr nicht aus­geschlossen.
Anforderungen Etwas Trittsicherheit. Trekkingschuhe sind empfehlenswert.
Elementares Orientierungs­vermögen ist vonnöten.
Beispieltouren Wildhornhütte, Bergseehütte, Täschhütte ab Täschalp, Passo Campolungo, Capanna Cristallina von Ossasco
   
Grad T3 anspruchsvolles Bergwandern   
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Weg/Gelände Weg am Boden nicht unbedingt durchgehend sichtbar. Ausgesetzte Stellen können mit Seilen oder Ketten gesichert sein. Eventuell braucht man die Hände fürs Gleichgewicht. Falls markiert: weiss-rot-weiss. Zum Teil expo­nierte Stellen mit Absturzgefahr, Geröllflächen, weglose Schrofen.
Anforderungen Gute Trittsicherheit. Gute Trekkingschuhe. Durchschnittliches Orientierungsvermögen. Elementare alpine Erfahrung.
Beispieltouren Hohtürli, Sefinenfurgge, Fründenhütte, Grosser Mythen, Pizzo Centrale vom Gotthardpass
   
Grad T4 Alpinwandern   
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Weg/Gelände Wegspur nicht zwingend vorhanden. An gewissen Stellen braucht es die Hände zum Vorwärts­kommen. Falls markiert: weiss-blau-weiss. Gelände bereits recht exponiert, heikle Grashalden,
Schrofen, einfache Firnfelder und apere Gletscherpassagen.
Anforderungen Vertrautheit mit exponiertem Gelände. Stabile Trekkingschuhe. Gewisse Geländebeurteilung und gutes Orientierungsvermögen. Alpine Erfahrung. Bei Wettersturz kann ein Rückzug schwierig werden.
Beispieltouren Fornohütte, Schreckhornhütte, Dossenhütte, Mischabelhütte, Übergang Voralphütte – Bergseehütte, Vorder Glärnisch, Steghorn (Leiterli), Piz Terri, Pass Casnile Sud
   
Grad T5 anspruchsvolles Alpinwandern   
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Weg/Gelände Oft weglos. Einzelne einfache Kletterstellen. Falls Route markiert: weiss-blau-weiss. Exponiert, anspruchsvolles Gelände, steile Schrofen. Gletscher und Firnfelder mit Ausrutschgefahr.
Anforderungen Bergschuhe. Sichere Geländebeurteilung und sehr gutes Orientierungsvermögen. Gute Erfahrung im alpinen und hochalpinen Gelände. Elementare Kenntnisse im Umgang mit Pickel und Seil.
Beispieltouren Cabane Dent Blanche, Büttlasse, Salbitbiwak, Sustenjoch Nordflanke, Bristen, Pass Cacciabella
   
Grad T6 schwieriges Alpinwandern   
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Weg/Gelände Meist weglos. Kletterstellen bis Schwierigkeitsgrad II der Klettersteigskala. Meist nicht markiert. Häufig sehr exponiert. Heikles Schrofengelände. Gletscher mit erhöhter Ausrutschgefahr.
Anforderungen Ausgezeichnetes Orientierungsvermögen. Ausgereifte Alpinerfahrung und Vertrautheit im Umgang mit alpintechischen Hilfsmitteln.
Beispieltouren Niesengrat (Fromberghorn Nord), Glärnisch Guppengrat, Via alta
della Verzasca
   

Wandern: So sind Sie gerüstet

Nehmen Sie auf Wanderungen nur mit, was Sie wirklich brauchen:

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Checkliste für Wanderungen

Die wichtigsten Punkte, die man bei der Planung einer Wanderung beachten sollte und was alles in den Wanderrucksack gehört, finden Sie auch in unserer Wander-Checkliste:

Checkliste_Wandern.pdf

 

«Wissen, was dem Körper gut tut.»

Chantal Hebeisen, Redaktorin

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