Wasser zu Geld machen: Mit diesem Geschäftsmodell verdiente Nestlé allein seit Anfang Jahr 5,7 Milliarden Franken. Umweltschutzorganisationen werfen dem globalen Multi vor, dafür Quellen zu privatisieren und Menschenrechte zu verletzen.

Nun hat Aussenminister Ignazio Cassis den langjährigen Cheflobbyisten von Nestlé, Christian Frutiger, zum neuen Chef des Bereiches Globale Zusammenarbeit bei der Deza ernannt. Frutiger trägt damit unter anderem die Verantwortung für zahlreiche Wasserprojekte.

Gegen diesen Entscheid gab es bereits im Juni erste leise Empörungen. Ein Aufschrei blieb aber aus. Vor zwei Wochen hat die kanadische Nichtregierungsorganisation Wellington Water Watchers darum eine Online-Unterschriftensammlung lanciert. Die Umweltschützer befürchten, dass Frutiger, der 12 Jahre für Nestlé gearbeitet hat, die Interessen des Konzerns in die Deza-Strategie einfliessen lässt. In der Petitionsschrift fordert sie von Cassis die Absetzung Frutigers: «Stoppen Sie die Ernennung eines Nestlé-Managers für die Leitung von Schweizer Entwicklungshilfeprojekten im Bereich Wasser.» Bislang sind rund 45'000 Unterschriften zusammengekommen.

Für die Deza stellt der langjährige Einsatz Frutigers für Nestlé Erfolgreicher Widerstand gegen Pipeline Nestlé verliert Wasserstreit in Vittel kein Problem dar. Im Gegenteil. «Die Zusammenarbeit mit dem Privatsektor ist ein strategisches Ziel», heisst es bei der Deza auf Anfrage. Sie unterstütze damit aber nicht die unternehmerischen Ziele des privaten Unternehmens, sondern die nachhaltige Entwicklung in ihren Partnerländern. Auch wurden beim Bewerbungsprozess «allfällige Interessenskonflikte» von Frutiger analysiert. Es wurden keine festgestellt.

Bundesrat Cassis scheint auch sonst kein Problem mit der Nähe zu Nestlé zu haben. Sein Aussendepartement, das der Deza vorsteht, hat Anfang Jahr zusammen mit dem Kanton Genf eine diplomatische Stiftung gegründet und unterstützt diese über drei Jahre mit drei Millionen Franken. Aus dem Parlament gab es laute Kritik. Vor allem die Personalien der Stiftungspräsidenten gab Anlass für Diskussionen. Es sind Peter Brabeck und Patrick Aebischer, der ehemalige Verwaltungsratspräsident von Nestlé und ein ehemaliger Verwaltungsrat von Nestlé Health Science.

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Martin Vetterli, stv. Chefredaktor

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