Ein Grillstand einer Coop-Filiale im Thurgau, das war der Tatort. Hier traf sich Luigi Bianchi* regelmässig mit seinen Motorradkumpels, um eine Bratwurst zu essen. Um zu ­rauchen und Sprüche zu klopfen. So auch an jenem Samstagvormittag vor ein paar Wochen, als die Sache – harmlos ausgedrückt – aus dem Ruder lief.

Bianchi bestellt einen «Express schwarz» und dreht eine Zigarette. Er trägt ein Jeanshemd mit Harley-Davidson-Schriftzug, darunter eine goldene Halskette. Für Zehntausende Franken habe er Zeit seines Lebens den Most bei Coop Selbstbedienungskasse Wie Coop aus Brot teure Zahnpasta macht gezapft, erzählt der 71-Jährige jetzt. «Ich bin ein guter Kunde, und so möchte ich auch behandelt werden.»

Aus Geplänkel wird Streit

Was ist passiert? Coop will die Vorgänge «aus Gründen des Persönlichkeitsschutzes» nicht kommentieren. Bianchi schildert sie so: «Da stand eine Frau am Grill, die offensichtlich keine Ahnung von der ­Materie hatte.» Eine Seite seiner Bratwurst St. Galler Kalbsbratwurst Die wahre Wurst sei verkohlt gewesen, die andere praktisch roh. Als er der Angestellten das Münz für die Wurst aushändigte, frotzelte er: «Seit wann grillieren hier die Schnupperstifte?»

Die Situation eskalierte rasch. «Sind Sie mit dem falschen Bein aufgestanden?», fragte die Frau mit der Grillzange. Nach einem verbalen Geplänkel meinte die Coop-Mitarbeiterin, sie müsse sich so was nicht bieten lassen Ehrverletzung Wir sehen uns vor Gericht! , und hole nun den Chef. «Tun Sie das!», polterte Bianchi. «Wir beide kennen uns schon lange.»

Der neue Chef

Den jungen Mann, der sich kurz ­darauf vor dem Tisch der Töfffahrer aufbaute, hatte er allerdings noch nie gesehen.

Bianchi: «Wer bist du?»

Der neue Chef: «Ich bin der neue Chef.»

Bianchi: «Das geht mir am Aller­wertesten vorbei.»

Der Filialleiter forderte Bianchi nun auf, den Laden zu verlassen. Sonst erteile er ihm ein Hausverbot Hausverbot Einkaufsrecht auf ewig entzogen . Er trage bestimmt keinen Heiligenschein, sagt Bianchi, doch er krümme keiner Fliege ein Bein. In dieser Situation aber sagte er zum Coop-Mann: «Mach einen Abgang, du Pausenclown. Sonst erteile ich dir eine Ohrfeige.»

Als der Chef keine Anstalten machte, die Szene zu ver­lassen, stichelte Bianchi: «Wo kann man hier zugelaufene Hunde abgeben?» ­Damit hatte er den Bogen überspannt. Der Filialleiter griff zum Telefon und wählte die Nummer der Polizei.

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Hausverbot in sämtlichen Coop-Geschäften

Als die Beamten eintrafen, musste Bianchi seine Taschen leeren. «Die dachten wohl, ich hätte irgendwo noch einen Klumpen versteckt», sagt Bianchi und lacht. Gar nicht witzig fand das Ganze der Filialleiter. Er bestand auf einem Hausverbot, füllte noch an Ort und Stelle das Formular aus.

Ein paar Wochen später bekam Bianchi den Bescheid per Post: landesweites Hausverbot in sämtlichen Coop-Geschäften für zwei Jahre. «Damit kann ich leben», sagt Bianchi, «Bratwürste und Most gibt es auch anderswo.» Dass er aber wegen einer rohen Wurst und einem Chef, den sie – da sei er felsenfest davon überzeugt – damals bei der Polizeischule nicht gewollt hätten, einen derartigen Schuh voll heraus­gezogen habe, das nerve ihn im Nachhinein schon.

Auf Privatgrund

Die Coop-Medien­stelle sagt nichts zum Thema Ladenverbot. Sicherheitsrelevante Aspekte würden nicht kommuniziert. Die Mediensprecherin sagt bloss: «Unsere Mitarbeiter haben sich zu jedem Zeitpunkt korrekt verhalten.» Hausverbote seien bei Coop Coop Pronto «Keine Werbekampagne» für Zigaretten zielt auf Jugendliche sehr selten und würden nur im äussersten Fall erteilt. «Die grosse Mehrheit unserer Kundinnen und Kunden ist freundlich und anständig.»

Rechtlich gesehen hat Luigi Bianchi wenig Möglichkeiten, gegen das Hausverbot vorzugehen. «Niemand hat das Recht, Privatgrund zu betreten», sagt Beobachter-Experte Davor Smokvina. «Schon gar nicht in diesem Fall, wo der Kunde eine klare Drohung ausgesprochen hat.»

Anders sähe es bei öffentlichen Einrichtungen aus. Dort könnte man sich etwa die ­Frage nach der Verhältnismässigkeit stellen. «Ist die Massnahme notwendig? Gibt es eine mildere Variante, zum Beispiel ein Verbot bloss für eine bestimmte Region?»

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Für Luigi Bianchi spielt das alles gar keine Rolle. Nie mehr will er einen Fuss in ein Geschäft des Grossverteilers setzen: «Es gibt eine Million Läden auf dieser Welt – aber nur einen Bianchi.»


* Name geändert

«Woche für Woche direkt in Ihre Mailbox»

Peter Aeschlimann, Redaktor

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