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Mörser-System «Cobra»3 Jahre verspätet, 10 Mio. Franken Mehrkosten

Es sollte unbedingt ein Mörser aus Schweizer Produktion sein. Jetzt hat man den Schlamassel.

Mängel en gros: das Mörser-System «Cobra» der bundeseigenen Rüstungsschmiede Ruag.
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aktualisiert am 09. Mai 2019

Wunschdenken ist selten ein guter Ratgeber, wenn es um viel Geld geht. Trotzdem liess sich das Bundesamt für Rüstung Armasuisse davon leiten, als es darum ging, welcher Minenwerfer in der Armee zum Einsatz kommen soll. Schon vor zwei Jahren monierte der Beobachter Schweizer Armee Wie die Armee diskret Milliarden verpulvert , bei der Beschaffung des «Mörser 16» genannten Waffensystems sei der Gewinner praktisch von vornherein festgestanden. Jetzt zeigt ein Bericht des «Tages-Anzeigers», dass beim 404-Millionen-Projekt mächtig Sand im Getriebe ist.

Als Armasuisse im Jahr 2014 Offerten für den neuen Mörser einholte, war für die Armeeführung klar: In Frage kam nur eine sogenannte Turm-Lösung, die die Möglichkeit zum Direktschuss bietet. Dafür drängte sich das finnische System «Nemo» auf, das bereits bei einigen Armeen im Einsatz stand.

Prototypen auf gut Glück

Bei Armasuisse jedoch entschied man sich für das System «Cobra» der bundeseigenen Rüstungsschmiede Ruag – ohne Turm und ohne Möglichkeit für Direktschüsse. Bloss: Sowohl der Mörser wie auch das dafür vorgesehene Trägerfahrzeug «Piranha 3+» des Kreuzlinger Herstellers GDESL Mowag existierten zu diesem Zeitpunkt nur als Prototypen.

Schon im Evaluationsbericht, den der Beobachter dank dem Öffentlichkeitsgesetz einsehen konnte, dominierte Wunschdenken über Analyse: «Das System soll nach Aussagen des Herstellers die Schweizer Anforderungen erfüllen», hiess es darin, aber: «Hinsichtlich der geforderten Feuergeschwindigkeit muss der Nachweis noch im scharfen Schuss erbracht werden.» Ob die Bauteile genügend belastbar sind, wusste man nicht. Die Erfahrungen beschränkten sich gemäss Bericht «auf einige Dutzend Schuss».

Das dürfte zu wenig gewesen sein, schreibt der «Tages-Anzeiger» nun. Es gebe «Mängel bei der Lademaschine, der Abzugsvorrichtung und bei Datenschnittstellen». Das Projekt sei fast drei Jahre verspätet, und die Mehrkosten belaufen sich bereits heute auf rund zehn Millionen Franken. Auch zu den «einigen Dutzend Schuss» sind seither nur wenige hinzugekommen. Die Truppenversuche für den Minenwerfer haben bis heute nicht begonnen.

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Thomas Angeli, Redaktor

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