«Auf vier oder sieben Kilometern Strecke kann auf dem Barfuss- und Panoramaweg am Nollen nicht nur die Aussicht auf den Alpstein oder den Bodensee genossen werden, via Fusssohlen wird man zudem von ganz neuen Sinneseindrücken überrascht», preist der Waldverein Wuppenau seinen Bluttfusswanderweg. Wie wahr! Mehr als einmal traten Spaziergänger auf eine Mine, die sie humpeln lässt, als hätte ein Dorn ihre Fusssohle durchbohrt. Die überraschend neuen Sinneseindrücke rühren von braunen Haufen. Und zwar keine Tretminen von Vierbeinern, sondern eine vom Vorgänger, der seinen Schliessmuskel offenbar keine vier oder sieben Kilometer beherrschen kann.

Verständlicherweise löst das in Wanderern mit nackten Füssen die blanke Wut aus: Quellen die Ausscheidungen des Vorgängers zwischen den Zehen hervor, wird jeder zum ungelenkten Marschflugkörper.

Um zu verhindern, dass friedliche Spaziergänger mit Stöcken aufeinander los­gehen, kam dem Waldverein Wuppenau eine genialische Idee: ein Robidog für menschliche Tretminen.

Das Güllenloch war zu weit weg

Der Verein stellte entlang dem Barfussweg den jährlich 15'000 Spaziergängern sieben «Robi People»-Stationen zur Verfügung. Menschen sollen ihre Notdurft in ein Plastiksäckchen verpacken, dieses luftdicht verschliessen und einwerfen. «‹Robi People› ist eindeutig die beste Lösung: einfach umsetzbar und günstig», sagt Hanspeter Gantenbein, Präsident der Gemeinde Wuppenau und Präsident des Waldvereins in einem. Wochenlang nämlich hatten die Wuppenauer über den adäquaten Umgang mit den unappetitlichen Überbleibseln diskutiert. «Toi Toi»-Toiletten kamen für Gantenbein nicht in Frage – «reiner Luxus». Stille Örtchen bei nahegelegenen Scheunen, von denen aus man Fäkalien ins Güllenloch geleitet hätte, scheiterten an der Umsetzung.

Also kam man auf «Robi People». Den ersten Entwurf für ein Schild, das Barfussgänger mit Bedürfnis zur geordneten Ab­lage anleiten sollte, habe man wegen politischer Unkorrektheit verworfen – er zeigte eine Frau mit Stöckelschuhen, die am Wegesrand in die Hocke geht. Für Gantenbein ein Fauxpas: «Wir Männer legten unser Veto ein – zu sexistisch.» In der Unisex-Version des Schildes tuts nun ein Mann mit langen Haaren.

Die Wuppenauer Lösung für ein globales Problem ist wohl international einzig­artig. Wird «Robi People» also der nächste Schweizer Exportschlager? Warum nicht: Bereits klopfte das österreichische Fern­sehen für einen Beitrag mit dem Titel «Das Sackerl fürs Gackerl» an.

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Mittlerweile spricht einiges für einen Antrag beim Patentamt. Hanspeter Gantenbein winkt ab: «Wir wollen daraus kein Geschäft machen. Uns reicht es, wenn die Leute das ihrige anständig entsorgen.»