Früher konnte sie gut rechnen, und Behördenanfragen erledigte sie mit links. Doch mit der Zeit schlichen sich immer mehr Fehler ein. «Hilfe von Verwandten konnte ich kaum erwarten, da alle in Österreich leben», sagt die 81-jäh­rige Erna Kreisky*. Ob eine Beistandschaft das Richtige wäre? Doch das schien der rüstigen und fidelen Frau aus Zürich eine zu einschneidende Massnahme – schliesslich kann sie noch vieles selber erledigen. Sie wünschte sich einfach eine fachliche Begleitung als «Auffangnetz», falls ihr der Papierkram zu viel wird.

Soziale Kontakte inklusive

Die Lösung für Erna Kreisky war der Treuhanddienst der Pro Senectute, der für genau solche Konstellationen gedacht ist. Die schweizweit führende Organisation, die sich den Fragen und Anliegen zum Alter widmet, bietet diese Hilfe für administra­tive und finanzielle Angelegenheiten praktisch flächendeckend an. Während an manchen Orten eine Sachbearbeiterin die Senioren begleitet, übernehmen das in grösseren Kantonen auch Freiwillige.

Die freiwilligen Helfer sind pensio­nierte Männer und Frauen ab 60, die im Berufsleben bereits mit Rechnungen und Budgets zu tun hatten. Sie werden von der Pro Senectute gesucht, geschult und ihrerseits fachlich begleitet. Bei einem persön­lichen Gespräch wird ihre Eignung für den Treuhanddienst abgeklärt, werden ihre Rechte und Pflichten erläutert. Kommt es zu einer Einigung, wird die Dienstleistung vertraglich geregelt. Jährlich müssen die Freiwilligen ein Budget und einen Jahresabschluss vorlegen, der durch eine professionelle Treuhandfirma überprüft wird. Kurz: Es wird alles vorgekehrt, damit die Aufgaben in diesem sensiblen Bereich der persönlichen Finanzen professionell ausgeführt werden.

Die regelmässigen Besuche der Freiwilligen bei ihren Klienten sind für diese auch wichtige soziale Kontakte. «Das Schwergewicht unseres Treuhanddienstes liegt aber auf der fachlichen Unterstützung der älteren Menschen», sagt Eva Haupt, Fachverantwortliche für den Treuhanddienst Kanton Zürich. Wichtig dabei: «Es wird ihnen nicht alles aus der Hand genommen. Die Kunden entscheiden selber, bei welchen Tätigkeiten sie Hilfe brauchen.» Oft gehe es bei der Begleitung vor allem darum, den Senioren ein Gefühl der Sicherheit zu geben. Diese Form des Coachings ist nicht zu unterschätzen: Sind die Betroffenen noch urteilsfähig, erübrigen sich so in vielen Fällen vormundschaftliche Massnahmen.

Im vergangenen Jahr wurden beispielsweise im Kanton Zürich 1004 Mandate geführt, wobei die jüngste Kundin 60- und die älteste 104-jährig war. Als Helfer waren 227 Frauen und 314 Männer im Treuhanddienst engagiert, die insgesamt mehr als 80'000 Arbeitsstunden leisteten. Die Freiwilligen besuchen ihre Kunden mindestens einmal im Monat; mehrmalige Besuche sind jedoch durchaus üblich.

«Ich verstand mich auf Anhieb mit ihr»

Im Einzelnen und nach Absprache können die Freiwilligen dabei in folgenden Bereichen helfen:

  • private Administration und Zahlungsverkehr
  • allgemeine Korrespondenz und Behördenbriefe
  • einfache Buchhaltung
  • systematische Dokument- und Beleg­ablage
  • Abklärungen bei Amtsstellen, Versiche­rungen oder Banken
  • Geltendmachung von Ansprüchen bei Krankenkassen, Versicherungen oder Institutionen wie AHV, IV, EL
  • jährliche Steuererklärung


Auf Anfrage kann in einigen Kantonen eine Sachbearbeiterin auch die Renten verwalten. Ebenso ist es möglich, die Administration im Todesfall und die Bestattungsregelung zu vereinbaren. Nicht Aufgabe des Treuhanddienstes ist hingegen die Verwaltung von Vermögen.

Erna Kreisky hat dieses Angebot überzeugt. Vor anderthalb Jahren schloss sie mit Pro Senectute nach einem ausführlichen Beratungsgespräch einen Vertrag ab und erteilte die Vollmacht für den Fall, dass in ihrem Namen Abklärungen getroffen werden müssen. Und sie stellte eine Bankvollmacht aus, damit der Vertrag nicht endet, wenn sie nicht mehr (unter-)schreiben kann. Den Entschluss, Hilfe beim Treuhanddienst zu suchen, hat sie noch nie ­bereut. «Zahlen, Rechnungen und lästige Briefe sind jetzt keine Belastung mehr.»

Hinzu kommt die menschliche Seite. «Ich verstand mich auf Anhieb mit Doris und freue mich immer auf ihre Besuche und auf den Plausch, den wir miteinander haben», sagt Erna Kreisky. Doris – das ist die ehemalige kaufmännische Angestellte Doris Becker, die als freiwillige Begleiterin fürs Administrative im Einsatz ist. Für die 66-Jährige war nach der Pensionierung klar, dass sie sich sinnvoll engagieren will. Die Solidarität mit älteren Menschen war denn auch die Motivation, inzwischen vier Mandate für den Treuhanddienst der Pro Senectute zu führen. «Diese Tätigkeit gestaltet mein Leben farbig, und ich werde durch den Kontakt, das Vertrauen und die Zuneigung meiner ‹Damen› reich belohnt», sagt Doris Becker.

*Name geändert

Checkliste: Habe ich Unterstützung nötig?

Wie merkt man, ob man Hilfe braucht, um im Alltag die administrativen und finanziellen Angelegenheiten zu regeln? Die folgende Checkliste kann Hinweise geben:

  • Ich vergesse immer öfter, Rechnungen zu bezahlen. Jetzt häufen sich die Mahnungen.

  • Es passiert mir immer häufiger, dass ich Rechnungen doppelt bezahle.

  • Ich werde aufgeregter, wenn es um finanzielle Dinge geht. Ich vergewissere mich mehrfach, ob ich alles richtig gemacht habe.

  • Ich habe die Übersicht über die Ein- und Ausgänge verloren.

  • Die Berge von Rechnungen und Behördenbriefen belasten mich.

  • Mein Geld reicht mir nicht mehr, und ich weiss nicht, wie und wo ich Zusatzleistungen beantragen kann.

  • Meine Augen werden schlechter, Klein­gedrucktes kann ich kaum noch entziffern.

  • Ich habe immer mehr Schwierigkeiten, Behördenformulare richtig auszufüllen.

  • Im Umgang mit Zahlen tue ich mich zunehmend schwer.

  • Ich wünsche mir immer häufiger, dass mir bei administrativen Dingen jemand zur Hand geht – das würde mir Sicherheit geben.

  • Je mehr Punkte zutreffen, desto eher könnte sich eine Begleitung durch den Treuhanddienst der Pro Senectute anbieten.

Treuhanddienst der Pro Senectute: Was kostet das?

Je nach Kanton und Höhe des persön­lichen Vermögens werden für den Pro-Senectute-Treuhanddienst zwischen 1000 und 3000 Franken pro Jahr verlangt – zuzüglich einer monatlichen pauschalen Spesenvergütung von 50 bis 75 Franken. Für Personen, die Zusatzleistungen beanspruchen, werden bei Bedarf Leistungsverträge mit Gemeinden geschlossen, respektive die Gemeinden erteilen Kostengut­sprachen. Verzögern sich die Verhandlungen mit einer Gemeinde, kann kurzfristig ein Fonds der Pro Senectute einspringen.

Für die administrative Begleitung durch eine Sachbearbeiterin, die in kleineren Kantonen angeboten wird, gilt der Aufwand nach Stunden: Bis zu einem Vermögen von 100'000 Franken gilt ein Stundenansatz von 25 Franken, darüber kostet es 40 Franken.

Entschädigungen für Fahrspesen und weitere Unkosten werden zusätzlich verrechnet.

Infos zu den Treuhanddiensten der Pro Senectute

Infos im Internet für Leute, die Unterstützung brauchen: www.pro-senectute.ch

Infos für Freiwillige mit guten Kenntnissen im kaufmän­nisch-administrativen Bereich: www.pro-senectute.ch

Telefonische Anfragen: 044 283 89 89 (Geschäfts- und Fachstelle Pro Senectute Schweiz)

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Quelle: Beobachter Edition