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Käufer mit falscher IdentitätDas Versteckspiel mit Fake-Namen auf Ricardo

Auf Ricardo.ch können sich Käufer leicht mit falschem Namen registrieren. Das bringt Risiken für die Verkäufer.

von aktualisiert am 03. Januar 2019

Der Anhänger blockierte die Zufahrt zum Nachbarhaus – schon mehr als eine halbe Stunde. Bruno L.* wurde es langsam peinlich. Er hatte eben für 750 Franken seinen alten Ford Escort einem Ricardo-Käufer übergeben. Zum ersten Termin war der nicht mal aufgetaucht, jetzt hievte er den Wagen ziemlich unprofessionell auf den Anhänger.

Ein unsympathischer Typ, «ein Choleriker», erinnert sich Bruno L. Als der Ford endlich oben war, wurde der Käufer laut und hässig. «Er drohte, das Auto wieder auf den Platz zu kippen, falls er nicht gratis eine Alufelge dazuerhalte», sagt Bruno L. Er lasse sich zwar ungern erpressen, aber die Situation sei derart angespannt gewesen, dass er dem Käufer entgegenkam. «Sonst hätte ich die Polizei rufen müssen.»

Auch das noch

Zum Dank erhielt Bruno L. auf Ricardo.ch eine vernichtende Bewertung Bewertungen im Internet Was ist erlaubt? . «Falsche Angaben. Nicht zu empfehlen für weiter Auktion.» Das wollte er nicht auf sich sitzen lassen. Als er die Angaben des Käufers genauer überprüfte, realisierte er, dass sich dieser mit falschen Daten auf Ricardo.ch registriert hatte. «‹Affoltern am Albus› könnte noch als Tippfehler durchgehen. Eine Zürichbergstrasse gibt es dort aber definitiv nicht.» Bruno L. ärgerte sich, da man auf der Plattform offenbar auch mit falscher Identität kaufen kann. «Das ist für Verkäufer total unsicher und möglicherweise sogar eine Bedrohung für Leib und Leben.»

Ricardo.ch überprüft die Angaben von neu auftretenden Schweizer Käufern tatsächlich nicht sofort. Anders als Verkäufer müssen sie sich erst nach drei Käufen eindeutig identifizieren – über einen per Post zugestellten Code. «Wir möchten Neukunden den Einstieg zum Marktplatz einfach machen», heisst es bei Ricardo. Darum würden für die ersten Käufe lediglich die Mailadresse und die Vollständigkeit der Angaben überprüft. Nur wer etwas verkaufen wolle sowie alle Neukunden aus dem Ausland würden von Beginn an verifiziert. Falls sich aber herausstelle, dass sich jemand mit falschen Angaben registriert habe, werde der Kunde umgehend gelöscht. Das Vorgehen habe sich bewährt und sei ähnlich wie bei anderen Onlineshops.

Für Bruno L. unbefriedigend: «Gelöschte Käufer können sich einfach mit einer neuen erfundenen Identität wieder anmelden.» Wer nicht auf Barzahlung beharrt, riskiert zudem, seine Rechnung an eine nicht existente Person zu verschicken. Ein erster «Käufer» des Fords von Bruno L. war übrigens ein «Herr Vanessa Niedermayer». Er ist zur Übergabe nie aufgetaucht. 

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Peter Johannes Meier, Ressortleiter

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