Paprika und Petersilie, Sellerie, Safran und Senf, Nüsslisalat, Rüben und Knoblauch: Die meisten Liebesstimulanzien sind in jedem Lebensmittelladen erhältlich. Auch mit dem, was in einem durchschnittlichen Gewürzregal steht, kann man mehr Potenzcocktails herstellen, als die Hausfrau und ihr Gatte ahnen. Gewürzen wie Ingwer, Basilikum, Chili und Muskatnuss wird eine lustfördernde Wirkung zugeschrieben. Wer beim Zubereiten entsprechender Speisen Hilfe braucht, kann ein Kochbuch mit verführerischen Rezepten zu Rate ziehen.

Die Wirkung der Potenzmittel aus dem Kräuter- oder Gemüsegarten ist zwar schwach, aber tatsächlich nachweisbar: Grössere Mengen Safran können enthemmend wirken. Pfeffer, Ingwer und Paprika steigern die Durchblutung im Bauchraum; das kommt nicht nur der Verdauung zugute. Petersilie und Sellerie reizen Blase und Sexualorgane. In der Petersilie fanden Wissenschaftler ausserdem den Wirkstoff Apiol, der anregend auf die Geschlechtsorgane wirkt.

Darüber hinaus enthalten die Gemüse der Liebe auch reichlich Vitamine, Eiweiss und Ballaststoffe. Damit tragen sie zu einer gesunden Ernährung bei. Und eine gute körperliche Verfassung beflügelt die Liebe ganz generell.

Ebenfalls pflanzlich – aber rezeptpflichtig – ist Yohimbin, ein sexuell stimulierender und durchblutungsfördernder Wirkstoff aus der Rinde des westafrikanischen Yohimbebaums. Hierzulande gibt es Yohimbin auch als Spray.

Eines der berühmtesten «Liebesmittel», die Spanische Fliege, gehört ebenfalls zum reichhaltigen Angebot von Mutter Natur. Dabei handelt es sich bei dem Insekt gar nicht um eine Fliege, sondern um einen Käfer. Zu Pulver zermahlen, lässt sich dieser etwa zu Bonbons verarbeiten. Aber aufgepasst bei der Dosierung: Die Spanische Fliege enthält das hochgiftige Cantharidin; einige Milligramm zu viel – und der Lustbringer wird zur tödlichen Gefahr.

400 Austern zur Hochzeit

Sexuell stimulierende Speisen sind seit Jahrhunderten verbreitet. Der französische Sonnenkönig Ludwig der XIV. verzehrte nach seiner Trauung mit der spanischen Königstochter Maria Theresia angeblich 400 Austern – als Vorbereitung auf die Hochzeitsnacht. Auch Frauen beschäftigten sich immer wieder mit lustfördernden Speisen: Die französischen Hexen etwa empfahlen jungen Frauen, ihren Liebsten Muskatnuss in den Tee zu tun. Die kräuterkundige Nonne Hildegard von Bingen kannte sich in Sachen Aphrodisiaka ebenfalls aus. In ihren im 11. Jahrhundert erschienenen Kochbüchern riet sie von Nahrungsmitteln ab, die «gelüstig und ausgelassen machen». Zum Beispiel Liebstöckl: Von diesem Kraut bemerkte schon Neros Leibarzt Dioscorides, dass es Männer und Frauen zu «unkeuschen Gelüsten» treibt.

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Auch mit Hilfe der Nase kann man sich und das andere Geschlecht in Fahrt bringen. Von Moschus bis zu Chanel No. 5 – Duftstoffe gehören zu den ganz alten Tricks des Verführens. Mit dem «Ungarischen Wasser» kam 1370 das erste aphrodisaische Parfum auf den Markt. Es sollte der 75-jährigen Königin Elisabeth von Ungarn zu mehr Erfolg in der Liebe verhelfen.

Glaube und Entspannung zählen

Die List mit dem Duft ist dem Tierreich abgeschaut. Pheromone, sexuelle Lockstoffe, sind das Parfum der Tiere. Sie werben damit um einen Partner. Diese Methode funktioniert auch beim Menschen. Moschus, aus dem Geschlechtsdrüsensekret des männlichen Moschushirschen, ist nicht zufällig Bestandteil vieler Duftwässerchen. Menschliche Pheromone sind inzwischen auch als Essenzen erhältlich, unter anderem mit den bezeichnenden Namen Contact und Desire.

Ein spezieller Lustförderer ist Viagra. Streng genommen handelt es sich hierbei weniger um ein Aphrodisiakum als um ein Heilmittel, das die Durchblutung des Penis verbessert. Gemeinsamkeiten mit dem Effekt von Aphrodisiaka sind jedoch vorhanden: Die Wirkung beginnt immer im Kopf, nicht im Unterleib. Ohne den Glauben an das Mittel und ohne die richtige Stimmung und Entspannung wird aus jedem Lustmittel letztlich nur ein Frustmittel.