Das geltende Namensrecht ist seit Anfang 2013 in Kraft – und beschäftigt Heiratswillige nach wie vor. Zahlreich sind die Fragen ans Beobachter-Beratungszentrum, gerade zu den Namen der Kinder, wenn sich die Familienverhältnisse geändert haben. Erfahren Sie hier, was gilt.

Doppelname bald wieder möglich?

Ein parlamentarischer Vorstoss soll es Heiratswilligen wieder ermöglichen, einen Doppelnamen zu führen. Auf diese Weise könnte man den Namen des Ehepartners an den eigenen Familiennamen anfügen. So könnte Esther Müller nach der Heirat mit Peter Meier den Doppelnamen Müller Meier führen. Die parlamentarische Initiative wurde von den Rechtskommissionen beider Kammern gutgeheissen und ist nun im Rat hängig.

Grund für die Änderung ist laut dem Vorstoss, dass sich zahlreiche Brautpaare bei den Zivilstandsämtern nach dem Doppelnamen erkundigen würden. Es komme oft vor, dass Eltern enttäuscht seien, weil sie feststellen müssen, dass der Name des künftigen Kindes gar nichts mehr mit dem eigenen Namen zu tun hat. Dies ist vielfach der Fall, wenn die Frau den eigenen Familiennamen behält und das Kind nur den Namen des Vaters übernimmt.

Mit dem heutigen Namensrecht ist es nur erlaubt, den eigenen Namen fortzuführen oder den des Ehepartners anzunehmen (siehe weitere Konstellationen unten erklärt). Eine Lockerung des Namensrechts würde daher bedeuten, dass wieder eine namentliche Verbindung zu gemeinsamen Kindern geschaffen würde.

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Zwei Ledige heiraten

Die Formel des Gesetzes lautet: einmal Name, immer Name. Der Geburtsname bleibt nicht nur den Männern, sondern auch den Frauen bis ans Lebensende unverändert erhalten. Änderungen des Zivilstands führen also nicht zu einem neuen Nachnamen. Auch Frauen behalten bei der Heirat ihren Namen. Nach der Hochzeit heissen also beide Partner gleich wie vor der Eheschliessung.

Von dieser Regel gibt es eine freiwillige Ausnahme: Ein Paar kann einen der beiden Ledignamen zum gemeinsamen Familiennamen bestimmen. Ein Ehepaar kann sich also für den Ledignamen der Frau oder des Mannes als gemeinsamen Namen entscheiden. Es braucht hierzu eine gemeinsame Erklärung bei der Eheschliessung.

Zwei Geschiedene heiraten

Wer schon einmal verheiratet war, heisst auch nach der zweiten Trauung so wie davor. Hat eine Frau also einen Doppelnamen, wie er nach altem Recht möglich war, behält sie ihn nach erneuter Heirat weiterhin. Sie hat allerdings die Möglichkeit, vor der Heirat gegenüber dem Zivilstandsamt zu erklären, dass sie wieder zu ihrem einfachen Ledignamen zurückkehren möchte.

Zwei Homosexuelle heiraten

Für Schwule und Lesben, die jetzt noch eine eingetragene Partnerschaft eingehen beziehungsweise heiraten (voraussichtlich möglich ab 1. Juli 2022), gelten die gleichen Namensregeln wie für heterosexuelle Ehepaare: Jeder behält seinen Namen. Alternativ kann ein Ledigname zum gemeinsamen Namen gekürt werden.

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Zwei Ledige heiraten und bekommen ein Kind

Nur wenn sich die künftigen Eltern (ab 1. Juli 2022 auch homosexuelle Paare) bei der Heirat auf einen gemeinsamen Familiennamen einigen, heisst das Kind gleich wie beide Eltern. Behalten sie jedoch bei der Heirat ihren Ledignamen, verlangt das Gesetz, dass sie schon bei der Heirat festlegen, welchen Nachnamen ihr Kind dereinst tragen wird. Zur Wahl steht der Ledigname eines Ehegatten respektive künftigen Elternteils. Wer mit dieser Wahl später unglücklich ist, kann sich bei der Geburt des ersten Kindes oder spätestens ein Jahr danach doch noch für den Namen des anderen Elternteils entscheiden. Dieser Kindername gilt dann aber definitiv und auch für alle später geborenen gemeinsamen Kinder des Ehepaars.

In begründeten Fällen – zum Beispiel bei älteren Paaren – kann das Zivilstandsamt von der Pflicht befreien, bei der Heirat einen Kindernamen anzugeben.

Zwei Geschiedene heiraten und werden Eltern

Wenn zwei Geschiedene heiraten, behalten auch sie ihren Namen. Das heisst, sie heissen beide weiter wie vor der Heirat. Aber auch sie können gegenüber dem Zivilstandsbeamten erklären, dass einer ihrer Ledignamen der gemeinsame Familienname sein soll, der auch ihre gemeinsamen Kinder tragen werden. Wenn beide Geschiedenen ihren Namen, den sie bei der Heirat tragen, behalten, müssen sie in der Regel bestimmen, welchen ihrer Ledignamen ihre gemeinsamen Kinder tragen sollen.

Die Eltern heiraten nachträglich

Nicht selten fragen geschiedene Mütter, die ihren Ledignamen wieder annehmen, oder die nochmals heiraten und den Namen des neuen Ehemanns als Familiennamen tragen, ob der Name ihres Kindes auch ihrem neuen Nachnamen angeglichen wird. Das Namensrecht sagt hierzu klar: Nein! Eine Angleichung des Kindernamens ist – wenn überhaupt – nur über ein Gesuch zur Namensänderung möglich. Dafür müssen achtenswerte Gründe vorliegen. Hat ein Kind das zwölfte Altersjahr vollendet, kann sein Name sodann nur geändert werden, wenn es zustimmt.

Abschied vom Namen bei der Scheidung

Wer mit dem angeheirateten Namen zufrieden ist, für den ändert sich mit einer Scheidung nichts. Das gilt auch für diejenigen Frauen (und wenige Männer), die einen Doppelnamen tragen, den es heute ja nicht mehr gibt.

Wer aber nach der Scheidung wieder seinen Ledignamen annehmen möchte, kann dies jederzeit gegenüber dem Zivilstandsbeamten oder der Zivilstandsbeamtin gegen eine geringe Gebühr verlangen, ohne ein Namensänderungsverfahren anstrengen zu müssen.

Namen mit Bindestrich

In der Schweiz ist es nach wie vor verbreitet, dem Familiennamen den eigenen Ledignamen oder den Ledignamen der Ehefrau mit Bindestrich anzufügen. Diese «Allianznamen» sind nicht rechtsverbindlich. Auch der amtliche Name von Alt-Bundesrätin Widmer-Schlumpf ist schlicht Widmer. Wegen seiner grossen Verbreitung kann der Allianzname aber im Schweizer Pass und in der Identitätskarte eingetragen werden.

Mehr zum Eherecht bei Guider

Nicht nur der Name kann sich ändern, wenn Paare entscheiden, den Bund der Ehe einzugehen. Guider erläutert Beobachter-Abonnenten, welcher Güterstand sich anbietet, zeigt anhand von konkreten Fallbeispielen, wie das eheliche Vermögen aufgeteilt wird und liefert eine Vorlage für einen Ehevertrag.

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