Ganz konzentriert steht der dreijährige Max vor der Steckdose und versucht, seine Gabel hineinzubekommen. Derweil klammert sich seine jüngere Schwester Sara ans Tischtuch, das ihr den nötigen Halt beim Aufstehen geben soll. Und im selben Moment kommt Tim, der Älteste, mit der ­Schere in der Hand in blossen Socken um die Ecke geschossen.

Ganz normale Szenen im Alltag einer Fa­milie mit kleinen Kindern – die manch­mal nicht ohne Folgen bleiben. In der Schweiz verunfallen laut Statistik der Beratungs­stelle für Unfallverhütung (BfU) etwa 215'000 Kinder im Alter bis 16 Jah­re in «Haus und Freizeit». Rund 25 sterben an den Folgen dieser Unfälle. Besonders gefährdet sind Kinder unter sechs Jahren. Zur kindlichen Entwicklung gehört Bewegungsdrang ebenso wie eine ungebändigte Neugier an der Umgebung. Der Haushalt ist voll von interessanten Dingen, die man erforschen kann. Das Kajütenbett wird zum Berg, den es zu bezwingen gilt, das Putzmittel schmeckt vielleicht ebenso gut, wie es aussieht, und das Treppengeländer eignet sich perfekt als Rutschbahn. 

Aufgabe der Eltern ist es, ihr Kind vor den vielfältigen Gefahren zu schützen, denen es mit zunehmender Selbständigkeit und der Erweiterung seines Lebensraums ausgesetzt ist. Viele Unfälle können durch die richtigen Mass­nahmen und vorausschauendes Denken der Eltern verhindert werden und natürlich indem man dem Kind erklärt, wo Gefahren lauern, ­sobald es dies verstehen kann.

Ganz wichtig für das Kind ist das Sammeln eigener Erfahrungen. Das erfolgt idealerweise zuerst unter Anleitung und Über­wachung von Erwachsenen. Das Hantieren mit der Schere kann eben­so gefahrlos eingeübt werden wie der Umgang mit dem Feuer. Das gute Beispiel der ­Eltern, aber auch ihre Voraussicht sowie Lob und Ermutigung des Kindes können helfen, Unfälle zu verhüten.

Erstickungsgefahr bei kleinen Teilchen

Doch bei aller Vorsicht: Eltern sollten aus lauter Angst um ihr Kind die Wohnung nicht in einen Hochsicherheitstrakt ver­wan­deln. Zur normalen Entwicklung gehört es, dass Kinder ihre Umwelt selber entdecken dürfen – und es halt auch einmal zu blauen Flec­ken kommt. Diese Erfahrungen aber helfen den Kindern, ihre eigenen Grenzen zu erkennen. Sie lernen, Risiken besser ein­zu­schätzen oder – je nach Charakter – gar ganz zu vermeiden.

Vorsicht, kleine Teilchen: Bei Kindern un­ter einem Jahr ist Ersticken der häufigste Unfalltod: Ursache dafür können erbrochene Speiseresten sein, aber auch verschluckte kleine Teilchen wie etwa Barbie-Schühchen, Knöpfe oder Murmeln. Auch können die ganz Kleinen ersticken, wenn Decken, Kissen oder Tücher auf ihr Gesicht zu liegen kommen.

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  • Lassen Sie Ihr Baby nach dem Trinken aufstossen.

  • Achten Sie darauf, dass kleine Spielzeug­teile nicht in Reichweite von Babys und Kleinkindern gelangen.

  • Geben Sie Ihrem Kind kein Spielzeug mit abreissbaren Teilen (Augen beim Teddy und so weiter) und hängen Sie keine Spielzeugschnüre oder -ketten ans Bettchen oder an den Kinderwagen. Befestigen Sie den Nuggi nicht an einem Bändel.

  • Babys brauchen keine Kopfkissen, auch Windeln und Tücher gehören nicht ins Bett. Die Bettdecke sollte am unteren Teil des Bettgestells festgebunden werden, damit sie nicht nach oben rutschen kann.

Verbrennungs- und Verbrühungsgefahren

Achtung, heiss: Nicht nur in der Küche besteht das Risiko, dass sich Kinder verbrennen oder verbrühen. Auch der Heiss­wasserhahn im Badezimmer, der Gartengrill oder das Cheminée im Wohnzimmer können Ursache für Verbrennungen oder Verbrühungen bei Kindern sein. Besonders gefährdet sind auch hier Kinder unter fünf Jahren.

  • Ein Herdschutz verhindert, dass das Kind auf die heisse Platte greifen kann. Der Pfannenstiel muss nach hinten gerichtet sein, damit das Kind die Pfanne nicht vom Herd reissen kann.

  • Verzichten Sie auf ein Tischtuch. Wenn sich ein kleines Kind daran festhält und daran reisst, riskiert es, sich an heissen Speisen und Getränken zu verbrühen.

  • Prüfen Sie immer die Wassertemperatur mit einem Thermometer und mit der Hand, bevor Sie das Kind in die Wanne legen. Noch besser: Lassen Sie eine Mischbatterie mit Temperaturbegrenzer einbauen.

  • Lassen Sie nie ein kleines Kind allein ans Cheminée oder an den Gartengrill und schütten Sie keine brennbaren Flüssigkeiten auf offenes Feuer – auch dann nicht, wenn kein Kind in der Nähe ist.

  • Am gedeckten Tisch gehören kleine Kinder nicht auf den Schoss. Sie könnten zum Beispiel die Kaffeetasse umstossen und sich an der heissen Flüssigkeit verbrühen.
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Unfallverhütung bei Stürzen

Gefährlicher Wickeltisch: Über die Hälfte der Kinderunfälle sind Stürze. Stür­ze vom Wickeltisch, auf der Treppe oder gar vom Balkon können schwere Kopfverlet­zungen nach sich ziehen. Dreimonatige Babys können sich in der Bauchlage fortbewegen und so vom Wickeltisch stürzen. Bei älteren Kindern ist das Kajütenbett besonders gefährlich: Jedes 20. Kind, das ­einen Unfall infolge eines Sturzes aus der Höhe erleidet, fällt vom oberen Kajütenbett.

  • Verlassen Sie niemals den Wickeltisch, wenn das Baby darauf liegt. Wer ganz auf Nummer sicher gehen will, legt die Wickelunterlage auf den Boden.

  • Sichern Sie Treppen mit Kindergittern und montieren Sie Kindersicherungen an die Fenster und an die Balkontür.

  • Ziehen Sie dem Kind rutschsichere Söckchen an.

  • Stellen Sie niemals Möbel ans Balkon­geländer oder an die Fenstersimse.

  • Montieren Sie das Kajütenbett Ihrer ­Kinder fest an die Wand und versichern Sie sich, dass die Leiter und die Bettumrandung stabil sind.

  • Achten Sie auch rund ums Haus auf ­Gefahren wie Gruben, Güllenlöcher oder hohe Mauern, auf die Kinder klettern könn­ten. Sichern Sie Gefahrenstellen durch Zudecken oder Abschrankungen.

Giftige Stoffe ausser Reichweite

Spannender Putzschrank: Kleine Kinder erforschen ihre Umwelt nicht nur mit ­Augen und Händen, sondern auch mit dem Mund. Das leuchtend grüne Putzmittel, das rosa Duftöl oder die orangefarbene ­Pille wollen doch probiert werden. Oft sind es Medikamente, wenn Kinder unter vier Jahren Vergiftungen erleiden. Häufig sind auch Vergiftungen durch die Einnahme von Reinigungsmitteln und Kosmetika.

  • Schliessen Sie die Medikamente kon­sequent weg, auch wenn sie täglich ein­genommen werden müssen.

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  • Versorgen Sie Ihre Putzmittel, aber auch Schädlingsbekämpfungsmittel, Dünger und Ähnliches an einem für Kinder un­erreichbaren Ort.

  • Füllen Sie Putzmittel niemals in andere Behälter um – die Verwechslungsgefahr ist zu gross.

  • Kinder müssen früh lernen, dass sie ­keinerlei Pflanzen, Beeren und Ähnliches ­essen, bevor sie das Okay der Eltern ein­geholt haben. Was manche nicht wissen: Sehr viele häufig vorkommende Pflanzen im und ums Haus sind giftig.

  • Zigaretten, egal ob geraucht oder noch ungeraucht, sind für Kinder giftig, deshalb den Aschenbecher immer leeren und die Zigarettenschachtel unerreichbar aufbewahren.

Kinder in Nähe von Gewässern beaufsichtigen

Verlockende Wasserstellen: Ob Pool, ­Wei­her, Biotop oder Bach – Kinder können Was­serstellen aller Art kaum widerstehen. Das ist vor allem für unter Vierjährige gefährlich, denn diese können wegen des ­verhältnismässig schweren Kopfes und der noch ungeübten Muskulatur auch bei niedrigem Wasser das Gesicht nicht über der Wasser­oberfläche halten.

  • Beaufsichtigen Sie Ihr Kind immer, wenn es am Wasser ist – auch wenn das Bächlein ganz flach und die Badewanne nur wenig gefüllt ist.

  • Wasserstellen im Garten wie Plansch­becken, Pools oder Weiher müssen kindersicher eingezäunt sein, für Biotope gibt es spezielle Gitter.

  • Bringen Sie Ihrem Kind möglichst frühzeitig das Schwimmen bei. Bereits mit vier oder fünf Jahren können Kinder schwimmen lernen.

Gefährliche Stromschläge

Forschungsobjekt Steckdose: Steckdosen sind ganz besonders interessant und verleiten zum Versuch, mit den Fingern oder Ge­genständen darin herumzustochern. Mögliche Folge: Das Kind erleidet einen lebensgefährlichen Stromschlag.

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  • Montieren Sie an alle Steckdosen eine Kindersicherung. Defekte Geräte beziehungsweise Kabel müssen repariert oder entsorgt werden. Sie sollten keinesfalls auf dem Boden liegen bleiben.

  • Lassen Sie sich vom Elektriker eine so­genannte FI-Schaltung einrichten, die bei Kurzschluss den Strom unterbricht.

Im Notfall entscheiden Sekunden

  • Man mag sich das Schlimmste gar nicht vorstellen – und doch muss man für den Ernstfall gewappnet sein. In vielen Gemeinden bieten Kinderärztinnen
    und -ärzte Kurse für den Notfall bei Kleinkindern und Babys an.

  • Auf www.bfu.ch finden Sie Info­mate­rial zum Thema Kindersicherheit.
    Ebenfalls können Sie Sicherheits­produkte wie beispielsweise einen ­Back­ofen-Hitzeschutz bestellen.