Wohl in seiner Haut fühlt sich Thomas Jantz nicht. Die Fragen des Beobachters lässt der Bezirksgerichtspräsident der March im Kanton Schwyz von einem Krisen- und Reputationsmanager beantworten.

Darin verneint der Richter, ungesetzlich gehandelt zu haben: «Die Steuerbehörden der Kantone Zürich und Schwyz klären die steuerliche Zuständigkeit.» Er gehe davon aus, dass die Vorwürfe gegen ihn damit «definitiv entkräftet werden». Im Raum steht die Frage: Lebt Thomas Jantz nur zum Schein in Wollerau SZ, um Steuern zu sparen?

Seit dem 1. September 2004 ist der Richter offiziell in Wollerau ansässig. Hier ist er gemeldet, hier bezahlt er seine Einkommenssteuern. Der 59-Jährige ist damit seit bald 17 Jahren im Haus seiner betagten Eltern zur Miete gemeldet – und zwar gemeinsam in einer kleinen Einliegerwohnung.

Erst kürzlich sind zuerst der Vater und nun auch die Mutter in ein Altersheim umgezogen. Am Hauseingang steht Jantz' Name, am Briefkasten stehen zusätzlich diejenigen seiner beiden Söhne. Die grosse Wohnung im Haus ist an eine Familie vermietet.

Ein Matratzenlager in Wollerau

Fotos, die den Steuerbehörden vorliegen, geben ein anderes Bild. Eines der Zimmer der Einliegerwohnung in Wollerau ist ein Matratzenlager, ein anderes wirkt nicht sehr wohnlich. Ganz anders das Mehrfamilienhaus in der Stadt Zürich, wo Thomas Jantz Mitbesitzer von Stockwerkeigentum ist. Hier sind seine beiden schulpflichtigen Söhne mit ihrer Mutter gemeldet.

Eine Fotoserie dokumentiert über Wochen, wie Jantz morgens das Haus in Zürich verlässt, abends zurückkehrt und wie er seine heute 13- und 15-jährigen Söhne zum Sport begleitet. Sein Auto parkiert nachts vor dem Haus.

Wo befindet sich der Lebensmittelpunkt wirklich?

Der Hauptwohnsitz einer natürlichen Person befindet sich dort, wo ihr Lebensmittelpunkt ist. Dort besteht auch die Steuerpflicht; dazu gibt es mehrere Bundesgerichtsurteile. Das weiss auch der Bezirksgerichtspräsident Thomas Jantz.

Er bleibt aber dabei: «Ich lebe in der Wohnung meiner Eltern. Ich sorgte für sie. Meine Söhne sind mit ihrer Mutter in Zürich wohnhaft. Ihre Namen stehen deshalb am Briefkasten, damit sie wegen der verschiedenen Nachnamen in früheren Jahren auch Post in Wollerau erhalten konnten.»

Von seiner Partnerin und Mutter der Kinder habe er sich vor Jahren getrennt, sagt Thomas Jantz. Sie sei Künstlerin und abends wie an Wochenenden häufig unterwegs. Daher habe er sich in den letzten Jahren viel um seine Söhne gekümmert. Es sei auch vorgekommen, dass er deshalb in Zürich übernachten musste. Er habe die Söhne aber auch regelmässig mit nach Wollerau genommen.

Das Steueramt der Stadt Zürich und die kantonale Steuerverwaltung Schwyz äussern sich wegen des Steuergeheimnisses nicht zum konkreten Fall. Generell würden «ernstzunehmende Hinweise auf den tatsächlichen Wohnsitz vertieft überprüft» und allenfalls ein Nachsteuer- und Bussenverfahren eröffnet, heisst es in der Stadt Zürich.

Hohe Nachsteuern drohen

Im Kanton Schwyz werden jährlich rund 50 Abklärungen wegen Scheindomizilen vorgenommen – mit Meldungen an andere Kantone. Wie viele dieser Abklärungen zur Aberkennung des Steuerdomizils führen, wird aber nicht kommuniziert.

Falls sich der Scheinwohnsitz amtlich bestätigen sollte, hat der Bezirksgerichtspräsident nicht nur mit hohen Nachsteuern zu rechnen – im steuergünstigen Wollerau dürfte er sich jährlich fast 15'000 Franken erspart haben. Und das seit 17 Jahren.

Jantz bekäme auch in seiner Funktion ein Glaubwürdigkeitsproblem. Wäre eine Aberkennung seines Schwyzer Domizils ein Grund, zurückzutreten? Die Antwort fällt knapp aus: «Nein.»

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