Rudolf Appoldt liegt im OP im Luzerner Kantonsspital. Das Herz will nicht mehr richtig, ein Bypass soll her. Der 76-Jährige ist parat, die Ärzte entfernen seine untere Zahnprothese aus dem Mund, verstauen sie in einem Säcklein und hängen es an sein Bett. Wie das üblich ist.

Doch als der Rentner aus Ebikon LU aufwacht und sprechen möchte, ist etwas anders. Unten fehlen noch die dritten Zähne. Das Säckchen am Bett? Nicht mehr da. Das Spital hat es verloren. Das Gebiss ist weg.

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Plötzlich 8000 Franken Kosten

Drei Wochen verbringt Appoldt danach in der Reha-Klinik – ohne Zähne. Eine neue Prothese muss her, die Versicherung zahlt nicht, übernimmt bloss den Zeitwert. Und weil seine Prothese bereits 15-jährig war, beträgt der noch 500 Franken. Das Ganze ist rechtlich korrekt. Aber: Weil die obere Zahnreihe ebenfalls fällig ist, damit das Gebiss funktioniert, belaufen sich die Kosten auf über 8000 Franken.

«Im Spitalbetrieb kann es bedauerlicherweise passieren, dass persönliche Gegenstände von Patienten verloren gehen», schreibt Andreas Meyerhans vom Luzerner Kantonsspital. Jährlich passiert das an den drei Standorten des Luzerner Kantonsspitals ungefähr 100-mal. Meistens geht es um Schmuck, Brillen, Hörgeräte, Zahnprothesen. Oft tauchen die Gegenstände wieder auf. Und wenn nicht, ersetze das Spital den Patienten den Wert, sagt Meyerhans. Dabei würden diejenigen Kosten übernommen, für die das Spital auch tatsächlich eine Verantwortung trägt.

Im Fall von Rudolf Appoldt will das Spital nun eine gute Lösung finden und ist grundsätzlich bereit, für den Verlust der Prothese aufzukommen – und mehr als die minimalen 500 Franken zu übernehmen.

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