Als Hannelore Bühler und ihre Schwester Ursula Kupferschmid vor wenigen Wochen das Grab ihrer verstorbenen Eltern besuchen wollten, trauten sie ihren Augen nicht. Wo 28 Jahre lang ihr Vater und zwölf Jahre ihre Mutter begraben waren, lag nur noch Kies. «Der Grabstein, die Blumen, die kleine Keramikkatze – alles war weg», sagt Bühler.

Die Grabräumung war zwei Monate lang auf dem Friedhof Lostorf SO ausgeschrieben und zudem ordnungsgemäss im örtlichen Amtsblatt angekündigt, erklärt Heinz Marti, der örtliche Bauverwalter. Der letzte Besuch der Schwestern auf dem Friedhof liegt vier Monate zurück. Da sie nicht mehr in der ­Gemeinde wohnen, erhalten sie auch das Amtsblatt nicht. «Das könnte man heutzutage ja auch online anschauen», findet Marti. Die Angehörigen brieflich über die Aushebung der Gräber zu informieren, stuft Marti als zu grossen administrativen Aufwand ein.

«Ich kann den Unmut nachvollziehen. Aber ich wüsste nicht, was wir hätten anders machen können. Schliesslich müssten wir sonst alle Kontaktdaten der Angehörigen ­he­rausfinden», sagt Marti. Ob der Aufwand bei 50 bis 80 Gräbern, die auf dem Friedhof Lostorf etwa alle zehn Jahre auf­gehoben werden, zu bewältigen ­wäre, bleibt offen.

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Keine Verabschiedung mehr möglich

Für die Schwestern Bühler und Kupferschmid ist es ohnehin zu spät. Sie konnten sich kein letztes Mal mehr von ihren Eltern verabschieden. Besonders trifft Bühler, dass auch die Keramikkatze auf dem Grab entsorgt wurde. «Unsere ­Mutter hat diese Katze so geliebt. Ich hätte sie gern als Erinnerung nach ­Hause genommen.»