Das Meer ist ein blaues Tischtuch, die Insel Lummerland eine umgedrehte Salatschüssel. Und Emma, die Lokomotive, ganz aus Karton und leeren Konservendosen. Hauptsache, fantasievoll – und die Kleinen sind gut unterhalten.

Seit dem 16. März machen Andrea Fischer Schulthess und Adrian Schulthess vom Zürcher Minitheater Hannibal aus der Not eine Tugend. Weil das Zürcher Theater Millers, wo sie als künstlerische Leiterin und als Barchef arbeiten, dicht ist und sie alle eigenen Auftritte absagen mussten, erzählen sie ihre Geschichten nun via Facebook und Youtube. Jeden Abend rund 15 bis 20 Minuten lang entführen sie ihr junges Publikum aus dem Corona-Alltag in die Welt von Jim Knopf und Lukas dem Lokomotivführer und zeigen Ideen zum Mitbasteln.

«Wir wollen helfen mit dem, was wir am liebsten machen, und das ist Erzählen und Spielen», sagt Fischer Schulthess. Ganz uneigennützig sei das nicht: «Wir arbeiten von zu Hause. Dank den täglich frisch eingespielten Episoden haben wir eine Aufgabe und eine Tagesstruktur.»

Das Ehepaar bringt mit seinem Stubentheater ein kleines Stück Normalität in eine Zeit, die alles andere als normal ist. Seit in der Schweiz die Corona-Epidemie mit aller Wucht ausgebrochen ist, Schulen und Geschäfte geschlossen sind, selbständige Coiffeure um ihre Existenz bangen und Ärztinnen endlose Tage arbeiten.

Auswege aus der Isolation

Die Schweiz befindet sich in einem Ausnahmezustand, den sich niemand vorstellen konnte. Es ist ein Zustand mit Notrecht, Einschränkungen und Anflügen von Panik. Ein Moment, in der sich die alte Gewissheit, dass man ohnehin verschont bleibt, innert Tagen als Illusion entpuppt hat. Es ist aber auch der Moment, in dem allen widrigen Umständen zum Trotz plötzlich ungeahnte Qualitäten und Ressourcen zum Vorschein kommen: Mitgefühl und Hilfsbereitschaft, Fantasie und Innovationsgeist, Solidarität Solidarität in der Corona-Krise Rechtliche Fragen zur Nachbarschaftshilfe und Dankbarkeit.

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Wir haben Menschen getroffen, die sich fantasievoll und kreativ auf die neue Situation eingestellt haben, uns Auswege aus der Isolation zeigen. Das lässt hoffen, sogar in düsteren Zeiten.

Nachbarn: Solidarisch und achtsam

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Vernetzt Einsame: Wilma Wessel von Vicino Luzern

Quelle: Nik Hunger

Die Schweiz befinde sich im Ruhezustand, schreiben die Zeitungen an diesem Morgen. Doch in Luzern dudeln die Handys von Wilma Wessel und Olivia Petermann unablässig. Das könnte ein Stressfaktor sein, ist aber das Gegenteil: «Total schön!» Das sagt Petermann, während Wessel den nächsten Anruf entgegennimmt. «Alle wollen helfen, am liebsten sofort», sagt Wessel hinterher.

Die beiden Frauen betreuen die Anlaufstelle von Vicino in der Luzerner Neustadt. «Vicino» heisst auf Italienisch «nahe» oder «Nachbar». Der 2016 gegründete Verein setzt sich dafür ein, dass die sozialen Netzwerke der älteren Bewohnerinnen und Bewohner im Quartier gestärkt werden. Dafür vermittelt Vicino Dienstleistungen für sämtliche Aspekte des Alltags. Ausserdem werden Veranstaltungen durchgeführt.

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Normalerweise. Aber jetzt ist der Normalfall gestrichen. Die Anlässe fallen aus, dafür bietet Vicino zusammen mit der Genossenschaft Zeitgut neu jeden Morgen während drei Stunden individuelle Beratungen an, führt Helfer und Hilfesuchende zusammen. Jede und jeder soll sagen können, wo der Schuh drückt, was an Unterstützung benötigt wird. «Die älteren Leute müssen wissen, dass jemand für sie da ist», sagt Olivia Petermann – gerade jetzt, da uns allen eingetrichtert wird, den direkten Kontakt zu meiden. Dank Telefon bleibt man verbunden.

Wessel und Petermann kommen aus der Pflege, in der sie nebenher weiterhin arbeiten. Sie wissen, was die betagten Menschen umtreibt. Es sind grosse Themen wie die Angst vor Einsamkeit und Isolation Einsamkeit Wege aus der Isolation , jetzt, da sie ihre Enkel nicht mehr sehen und ihre Partner im Altersheim nicht besuchen dürfen. Aber auch die kleinen Dinge: «Darf ich jetzt wirklich nicht mehr jassen mit Josy?»

An dem Morgen, als das Land dichtmacht, fährt im Vicino-Treff der Betrieb erst so richtig hoch. Die App, die Bedürfnisse und Angebote der Nachbarschaftshilfe verknüpfen soll, will zwar noch nicht richtig. Auf dem Tisch liegen Stapel mit Info-Flyern, frisch gedruckt und bereit, verteilt zu werden.

Nur die potenziellen Helferinnen und Helfer, die sind schon voll auf Touren. Nächstes Dudeln am Handy: Ein Student, der jetzt Zeit hätte, um die Einkäufe zu erledigen von Menschen, an denen er vor kurzem wohl noch flüchtig vorbeigegangen ist. «Wunderbar!», schwärmt auch Wilma Wessel über diese Zeichen der Solidarität. Sie ist überzeugt: «Hier schafft die Notlage gerade etwas Gutes.» Etwas, das bleibt: eine neue Achtsamkeit.

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Infografik: Der Notvorrat in der Schweiz

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Klicken Sie auf die Infografik, um sie zu vergrössern.

Quelle: Andrea Klaiber und Anne Seeger

Gastgewerbe: Weitermachen, irgendwie

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Weil die Gäste nicht kommen dürfen, bringt er das Essen halt zu ihnen: Kevin Bracher, Wirt.
 

Quelle: Nik Hunger
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Kevin Bracher trägt nach wie vor das Kochhemd mit dem Löwen-Wappen am Oberarm. Der «Löwen» Fraubrunnen BE mag geschlossen sein, aber noch gibt es ihn. «Wir machen weiter – irgendwie», sagt der Wirt aus dem Dorf zwischen Aefligen und Grafenried.

Der 29-Jährige steht in der Küche und stellt die Zutaten bereit für Kalbshamburger im Röstzwiebelbrötchen und Coleslaw-Salat. Das Gasthaus aus dem 19. Jahrhundert, wo sich sonst der Stammtisch im Stübli trifft und für dessen Emmentaler Schafsvoressen an Safransauce auch mal Nationalräte aus Bern hinfahren, ist jetzt ein Hauslieferdienst. Jeden Tag gibt es ein Menü für 15 Franken, bis 10.30 Uhr kann man bestellen, ab 11 Uhr wird ausgeliefert. Bracher im Volvo statt im Saal am Wirten, das gibt Hoffnung, immerhin. «Der Start ist gelungen, gestern hatten wir 7, heute schon 30 Bestellungen.»

Illusionen macht sich Bracher aber keine. Für seinen Koch Rainer Helbig, Servicefachfrau Petra Ryter, Studentin Jasmin Gerber und Teilzeiterin Barbara Blaser muss er so schnell wie möglich eine weitere Beschäftigung finden. «Die Einnahmen werden nicht reichen, um die Löhne noch lange zahlen zu können.» Es werde schwierig – auch mit Bundeshilfe.

Er hat die Spitäler und die Altersheime der Region angeschrieben. Meldet euch, wenn ihr Personal für die Küche braucht. Oder Cola, Nussgipfel, Salat, Bier, Pommes frites, Rahm – alles, was eine Beiz feilbieten kann, wenn sie nicht mehr Beiz sein darf. «Gerne nehmen wir alle Bestellungen entgegen und liefern diese im ganzen Mittelland aus», steht auf der Facebook-Seite.

Bracher hat Solidarität erfahren – und das Gegenteil. «Aus dem Dorf kamen manche vor der Schliessung extra nochmals dick essen.» Regelmässig tauscht er sich mit Kollegin Jsabelle Trachsel vom «Kreuz» in Herzogenbuchsee aus. Sie hätten sich Hilfe versprochen, wo immer es geht. Der Grossist hingegen habe als Erstes vermeldet, ab sofort akzeptiere er nur noch Barzahlung. «Dabei sind das Grossunternehmen. Im Unterschied zu uns haben die Reserven.»

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Die Hälfte der Gastrobetriebe im Bernbiet werden die Krise nicht überleben, hat Bracher vom Branchenverband Gastrosuisse vernommen. Der junge Wirt glaubt, er gehöre zu den anderen. Vor der Krise lief es ihm gut. Und Kleine wie er hätten kleinere Fixkosten. Im Mai, so hofft er, werden die Menschen wieder ausgehen können. Dann will er bereit sein. «Bis dahin heisst es überleben – irgendwie.»

Spitex: Solidarität und Stolz auf das Team

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Zusammenhalten: Arda Teunissen, Spitex Zürich Limmat.

Quelle: Nik Hunger

Unter den Kundinnen und Kunden von Arda Teunissen gibt es Mitte März noch keinen bestätigten Corona-Fall Covid-19 Was Sie über das Coronavirus wissen müssen . Aber Teunissen, Geschäftsleitungsmitglied der Nonprofit-Spitex Zürich Limmat und dort im Zentrumsmanangement, weiss, dass das wohl nur noch eine Frage der Zeit ist.

Die Organisation hat 1050 Angestellte, die täglich über 2000 Besuche bei Pflegebedürftigen in der Stadt Zürich machen. Auch jetzt, in dieser Krise, sind sie jeden Tag zur Stelle. Sie helfen im Haushalt, pflegen und betreuen. So wie Tausende weitere Spitex-Mitarbeiterinnen und -Mitarbeiter im ganzen Land. Diese Pflege ist extrem wichtig, damit nicht noch mehr Personen ins Spital müssen, damit die Infrastruktur nicht noch mehr belastet wird.

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Arda Teunissen ist zuständig für die Fachentwicklung Pflege und Hauswirtschaft. Als Teil des Pandemiestabs kümmert sie sich um das Monitoring der Einsätze. Alle Einsätze werden aktuell mit Gesichtsmasken absolviert.

Die gebürtige Holländerin sagt: «Wir brauchen jetzt jede pflegende Hand für die Pflege, alles andere können auch andere machen.» Nachbarn sollen die Einkäufe für Betagte erledigen, Freunde und Familie für den täglichen Schwatz, den sozialen Austausch, anrufen. Die Spitex soll sich nicht um Einkäufe kümmern müssen, sondern allein um ihre Kernaufgabe, die Pflege.

Schon jetzt, in der frühen Phase der Pandemie, hat die Spitex begonnen, mit dem Zivilschutz zusammenzuarbeiten. Auch Nachbarschaftsinitiativen und neue Angebote wie hilf-jetzt.ch hätten sich direkt gemeldet und Unterstützung angeboten. «Das ist grossartig», sagt Teunissen: «Die Solidarität der Bevölkerung ist enorm.»

Auch im Team ist der Zusammenhalt spürbar. Als sie gefragt habe, wer künftige Corona-Patienten betreuen wolle, hätten sich erstaunlich viele freiwillig gemeldet. «Das ist nicht selbstverständlich. Ich bin stolz auf meine Leute.»

Mobilität: Eine Chance für neue Modelle

Homeoffice statt Büro: Was sich bis vor kurzem viele wünschten, ist für ganze Belegschaften jetzt Realität. «Ein erzwungenes Experiment», sagt Arbeitspsychologe und Unternehmensberater Felix Frei.

Arbeiten daheim entlastet Strassen und Züge, nimmt Pendelstress weg und erlaubt eine flexiblere Zeiteinteilung. Umweltpolitikerinnen, Verkehrsplaner, Familienfachstellen und Gleichstellungsbüros fordern schon lange: mehr davon! In Grossraumbürozeiten wird die heimische Klause auch zum Rückzugsort für konzentriertes Arbeiten Powernap Die Schweiz verpennt eine Chance .

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In der aktuellen Situation könne aber nicht über Sinn oder Unsinn von Homeoffice entschieden werden, sagt Frei. «Wenn es zu Problemen kommt, liegt es eher daran, dass die Unternehmen schlecht vorbereitet sind, und nicht am Modell.» Auf die Probe gestellt werde die Art und Weise, wie in einer Firma gearbeitet wird. Funktioniert die Organisation im Team? Handeln die Leute selbständig? Weiss jeder, was seine Aufgaben sind? «Mit der räumlichen Distanz zeigt sich, was die Chefs taugen. Wenn sie bisher nicht vertrauensbasiert geführt haben, den Mitarbeitern keine Kompetenzen gaben, droht jetzt das Chaos.» Und: «Es gibt mehr Wege, um unsere Arbeit zu gestalten, als wir meinen.»

Verkehrssoziologe Jörg Beckmann erhofft sich das Gleiche auch in Sachen Mobilität. Weniger pendeln, einkaufen in der Nähe, Wanderungen vom Wohnort aus machen, zu Hause bleiben über Ostern – die Routine unserer raumgreifenden Lebensweise werde durchbrochen. «Vielleicht finden wir Antworten auf die Frage, wie wir mit weniger Verkehr Verstopfte Strassen und überfüllte Züge Der Verkehrskollaps droht trotzdem wirtschaften und sinnerfüllt leben können.» Damit sich langfristig etwas ändere, müssten aus den neuen Erfahrungen aber neue Rahmenbedingungen hervorgehen.

Humor: Die Kraft der Komik

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Findet viele neue Wörter: Ruedi Widmer, Cartoonist

Quelle: Nik Hunger
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Ruedi Widmer, Cartoonist aus Winterthur, sorgt dafür, dass trotz der Krise die tägliche Ration Schmunzeln nicht vergessen geht, auch wenn ihm das zurzeit manchmal schwerfällt. Der 47-Jährige sagt: «Meine Grundhaltung als Cartoonist ist immer: Ich stelle mich auf die Seite der Schwachen. Geselle mich sozusagen zu denen, die leiden, nehme ihre Position ein.» Aktuell heisse das, er würde sich nie über Menschen lustig machen, die vom Virus betroffen Kampf gegen Coronavirus «Alle helfen allen» sind. Vielmehr über die, die immer noch meinen, das sei ein Hype und eigentlich ganz harmlos – solche gebe es noch, trotz Schulschliessungen und der klaren Worte des Bundesrats.

Widmer findet es spannend, wie plötzlich Wörter wie «Homeoffice», «Quarantäne Coronavirus Quarantäne: Was heisst das? » oder «Social Distancing» in den Alltag einziehen. Damit lasse sich humormässig was machen. «Aber jetzt kommt noch das Wort ‹Triage› dazu. Das ist grausam. Tod und Humor gehören irgendwie nicht zusammen.»

Wo die Grenzen der Satire sind, lotet Widmer immer wieder neu aus. «Verwandte meiner Frau leben in Italien. Wir bekommen hautnah mit, was das für Menschen bedeutet, quasi eingesperrt zu sein und ohne soziale Kontakte auskommen zu müssen.» Darauf müssten wir uns auch hier einstellen, und diese Situation, die mache Angst.

Trotzdem: «Humor hilft, vieles besser zu ertragen.» Natürlich spiele da aktuell auch viel Galgenhumor Humor Lachen Sie sich gesund mit. Aber auch das sei gut, «diese Freiheit dürfen wir uns nicht nehmen lassen», sagt er. «Ich erinnere mich noch gut an 9/11 Katastrophen «Von Terrorangst lässt sich politisch profitieren» vor fast 20 Jahren. Da wurden zwei Wochen lang quasi alle Karikaturen und Cartoons verboten, die Zeitungen druckten nichts dergleichen. Das finde ich vollkommen falsch. Tragik und Komik liegen nah beieinander, wir müssen die Kraft der Komik nutzen!» 

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Handwerker: Arbeit dank Facebook

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Vermietet seine Leute: Thomas Kellerhals, Sivex

Quelle: Nik Hunger

«Um unsere Mitarbeiter weiter beschäftigen zu können, sind wir auf der Suche nach Arbeit.» Am 5. März um 17.05 Uhr setzt Thomas Kellerhals auf Facebook diesen Hilferuf ab. Seine Firma Sivex aus Horgen ZH vermietet Festzelte – eigentlich ein florierendes Geschäft. Die laufenden Kosten von gut 850'000 Franken für Lager- und Abzahlungskosten sowie die Löhne für sich und die fünf Mitarbeiter konnten die drei Firmengründer bisher gut decken. Die Brüder Thomas, 31, und Matthias Kellerhals, 27, und ihr Freund Norwin Messmer, 27, erwirtschafteten in manchen Jahren sogar einen kleinen Gewinn. «Doch wenn die Einnahmen ausbleiben, verschmerzt das unsere Firma nicht lange», sagt Thomas Kellerhals.

Als seine Kundinnen und Kunden die Aufträge wegen des Veranstaltungsverbots Coronavirus Kann der Bundesrat Krisenmodus? stornierten, sei die Stimmung auf dem Nullpunkt gewesen. Doch Angst mache ihm die Situation nicht. «Es ist ein stetiges Wechselbad der Gefühle, aber ich weiss, dass wir immer eine Lösung finden.» Mitarbeiter zu entlassen , komme für ihn nicht in Frage. «Doch bei einigen ist die Angst um den Job deutlich spürbar», erzählt er.

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Am 16. März, eine halbe Stunde nachdem der Bundesrat den Notstand ausgerufen hat, hängen die Zeltplanen schlaff von der Decke, die Festbänke sind sauber aufgeschichtet. Doch Kellerhals lächelt. Er und seine Mitarbeiter sind als Lehnarbeiter bei anderen Firmen tätig. Wider Erwarten habe der Facebook-Post eine grosse Solidaritätswelle ausgelöst, er wurde von über 680'000 Personen gesehen, über 7000-mal geteilt. Sogar aus dem deutschen Chemnitz kam eine Anfrage.

Frank Roselieb vom Deutschen Institut für Krisenforschung an der Universität Kiel sieht dieses Vorgehen kritisch. «Es ist nicht nachhaltig, seine Mitarbeiter an andere Firmen zu vermieten, statt im Kernbereich nach Alternativen zu suchen. Ausserdem zeigt die Forschung, dass es einer Firma mittelfristig eher schadet, wenn sie sich in der Krise als einzige der Branche kommunikativ aus der Deckung wagt.»

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Thomas Kellerhals versucht zwar, seine Zelte für andere Zwecke anzubieten, etwa für Spitäler. Aber das sei nicht so einfach, weil oft das Militär zum Zug komme. Er achte darauf, keinem anderen Betrieb die Arbeit wegzunehmen. «Wir haben auch schon Aufträge abgelehnt, weil jemand vorher bereits offeriert hatte», erzählt er. «Die vielen ausnahmslos positiven Rückmeldungen haben uns einen enormen Motivationsschub gegeben. Ich habe mich gefragt, ob man eine Plattform gründen könnte, wo man sich auch nach der Krise branchenübergreifend helfen kann.»

Kultur: Mehr Platz für Schweizer Kultur

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Hofft auf das Publikum: Nadja Zela, Rockmusikerin.

Quelle: Nik Hunger

Rockmusikern Nadja Zela aus Zürich schrieb Mitte März dem Schweizer Radio und Fernsehen SRF einen eindringlichen Brief: «Entwickeln Sie Ideen, wie Sie die existenziell bedrohten Musiklokale, Filmstätten und uns Kulturschaffende unterstützen können.» Die 48-Jährige meinte weiter: «Wenn ich von ‹uns› rede, meine ich Tausende Existenzen in der Kreativwirtschaft, die auch in guten Zeiten und trotz harter Arbeit wenig verdienen – nennenswerte Rückstellungen anzuhäufen, ist für die meisten von uns nicht möglich, umso härter trifft uns jetzt der Shutdown der Kultur.» Die Musikszene in der Schweiz sei sehr kreativ und innovativ, aber die Verteilkanäle wie beispielsweise SRF seien nun gefordert.

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Sonart, der Berufsverband der freischaffenden Musiker*innen, hat reagiert und extra eine Datenbank eingerichtet, auf der abgesagte Gigs gemeldet werden können. Zusammen mit SRF gleisen verschiedene Musikverbände nun Lösungen auf, wie die Musikszene unterstützt werden kann. Musikerin Zela doppelt nach: «SRF könnte doch stundenlang nur inländische Musik spielen, von Kulturschaffenden, die Gagenausfälle zu verzeichnen haben. Die Urheberrechtseinnahmen würden diese Ausfälle etwas abfedern, und das Publikum wäre trotzdem erreicht.» SRF hat mittlerweile reagiert und gibt der Schweizer Musik mehr Sendeplatz.

Nadja Zela wurden wegen der Corona-Krise fünf Duo-Auftritte abgesagt. «Aber ich mache mir auch Sorgen um mein kommendes Album ‹Greetings to Andromeda›, in das ich zwei Jahre und 25'000 Franken investiert habe.» Im Netz gebe es einige Plattformen mit Online-Pay-Tools, auf die man seine Live-Musik-Videos stellen könne. «Das werde ich nun machen und hoffe auf Solidarität.»

Eine «ungeheure Welle der Solidarität» erlebt derzeit das Cully Jazz Festival, ein Anlass mit Weltstars am Genfersee. Es musste abgesagt werden. Mit der Mitteilung verschickten die Organisatoren die Bitte, doch auf eine Rückforderung der Ticketpreise zu verzichten. Das Echo war enorm: «Bisher haben rund 60 Prozent der Besucher verzichtet», sagt Direktor Jean-Yves Cavin überwältigt. «Und täglich treffen Spenden ein, um das Überleben zu sichern.»

Nadja Zela, der Nicht-Weltstar aus Zürich, hofft derweil noch. Auf die Solidarität ihres Publikums – und diejenige der Programmmacher von SRF.
 

Kleine Momente des Glücks

Telefon mit einem Kollegen. Kurz vor Schluss sagt er bedeutungsschwer: «Du, da wäre noch etwas.» Ich denke: Es hat ihn erwischt. Er: «Wir bekommen ein Kind!»

Daniel Benz, Redaktor

 

Meine vierjährige Tochter: «Mami, können wir ins Hallenbad?» Ich: «Nein, Schatz, das ist zu wegen des Corona.» Sie denkt kurz nach: «Ou, dann sagen wir einfach der Badewanne Hallenbad, okay?»

Nicole Platel, Beratungszentrum

 

Ich gebe meinen älteren Nachbarn meine Telefonnummer, damit sie mich jederzeit anrufen können, wenn sie etwas brauchen. Ein 85-Jähriger ist so gerührt, dass er mich spontan in den Arm nehmen will – ich muss ihn davon abhalten zu seinem Schutz.

Birthe Homann, Redaktorin

 

Nachbarschafts-Chat im Mietshaus (hatten wir schon davor): «Liebe Nachbarn: Wenn wir etwas für euch tun können, lasst es uns wissen. Zögert nicht – wir sind da.» Was rundum Hilfsangebote auslöste, verbunden mit dem Wunsch: «Bliibed gsund!»

Doris Huber, Beratungszentrum

 

Ich suche inspirierende Bücher über Zuversicht, schrieb ich der Buchhändlerin morgens per SMS. Am Abend lagen sie im Briefkasten. Ich freue mich, sie zu lesen.

Chantal Hebeisen, Online-Redaktorin

 

Samstagabend, alle Veranstaltungen sind abgesagt, die Jungs schwanken zwischen ungläubigem Staunen und Frustration. Und plötzlich sitzt die ganze Familie im Wohnzimmer und spielt.

Thomas Angeli, Redaktor

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Urs Gysling, Leiter Beobachter-Edition

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