Die Corona-Pandemie hat sexualisierter Gewalt gegen Frauen Vorschub geleistet. Dies manifestiert sich jetzt erstmals, etwa in den Zahlen aus dem Geschäftsbericht der Zürcher Opferberatungsstelle Frauenberatung sexuelle Gewalt.

Im letzten Jahr hatten ihre Mitarbeiterinnen einen Sechstel mehr Erstberatungen zu bewältigen: Über 700 Betroffene meldeten sich bei der Stelle für eine Erstberatung. 407 Frauen hatten rein sexualisierte Gewalt erlebt, 304 erlitten häusliche Gewalt, die zu mehr als der Hälfte mit sexualisierter Gewalt einherging. 

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Ein Trend, den auch andere Fachstellen verzeichnen. Das Bundesamt für Statistik etwa zeigt eine Zunahme bei den angezeigten Vergewaltigungen auf. Waren es 2020 noch 713 Fälle, stieg die Zahl im letzten Jahr auf 757 Fälle an.

Den Anstieg um 17 Prozent führen die Zuständigen der Frauenberatung unter anderem darauf zurück, dass häusliche und sexualisierte Gewalt im vergangenen Jahr medial deutlich präsenter waren als auch schon. «Die öffentliche Wahrnehmung hat sich verändert, vor allem Betroffene von sexualisierter Gewalt melden sich tendenziell schneller als früher», sagt Corina Elmer, Geschäftsführerin von Frauenberatung sexuelle Gewalt.

Folgen der Pandemie erst jetzt wirklich sichtbar

Die Zunahme von Fällen dürften auch eine Auswirkung der Corona-Pandemie sein. Fachleute hatten einen pandemiebedingten Anstieg von häuslicher Gewalt gegen Frauen allerdings schon 2020 erwartet. So auch Corina Elmer. Doch sogar während des Shutdowns im Frühjahr 2020 nahmen die Meldungen zu häuslicher Gewalt nicht zu.
«Später realisierten wir, dass den Frauen im Shutdown oft der Freiraum fehlte, um zu telefonieren oder das Haus zu verlassen. Denn die Täter waren ja auch zu Hause und hatten mehr Kontrollmöglichkeiten als vorher.» 

Zudem hätten viele Frauen sich noch mehr als sonst um die Familie und deren Existenzsicherung kümmern müssen und darum ihr eigenes Wohl zurückgestellt. Mit den Lockerungen der Pandemie-Massnahmen 2021 boten sich den betroffenen Frauen dann wieder mehr Möglichkeiten, sich an Opferhilfestellen zu wenden.

Anlaufstellen: Hilfe bei häuslicher Gewalt

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