Er entspricht in keiner Weise dem Bild, das man sich vom «klassischen Masseur» macht: Er ist weder ein Muskelprotz, noch hat er riesige Hände. Auch seine Frisur passt nicht zur gängigen Vorstellung: Willy M. ist schmächtig, hat feingliedrige Hände und die dichten Haare zu einem Pferdeschwanz zusammengebunden. Willy M. beherrscht eine Reihe Massagetechniken: klassische Massage, manuelle Lymphdrainage, Triggerpunktmassage, Fussreflexzonenmassage.

Petra K. ist heute die erste Patientin in seiner Praxis. Sie sitzt mit schmerzverzerrtem Gesicht auf der Liege. Der Grund: Während der jährlichen Inventur in der Firma hat Petra fast 12 Stunden ohne Unterbruch am Computer gearbeitet; danach ist ihre rechte Schulter «ausgestiegen». Am Morgen nach der Inventur konnte sie sich kaum mehr bewegen.

Willy M. tastet ihre Schulter- und Rückenmuskeln ab, drückt auf bestimmte Stellen. «Ja, genau da tut es weh», sagt die Geplagte. Sie muss sich auf den Bauch legen. Dann beginnt der Masseur mit der Behandlung.

Systematisch drückt, knetet und streicht er über die verschiedenen Muskelgruppen am Rücken. Er hebt Petras Arme, als wolle er das Schultergelenk testen. Manchmal «hängt» er sein ganzes Gewicht in die Bewegungen. Nach einer halben Stunde ist die Massage beendet. Willy M. wirkt etwas müde, Petra hingegen strahlt: «Das hat gut getan, die Schmerzen sind weg.» 80 Franken kostet die Behandlung, die Krankenkasse zahlt davon über die private Zusatzversicherung 60 Franken.

Massagen helfen nicht nur bei Verspannungen und Gelenkschmerzen, sondern können auch zur Gesunderhaltung und Vorbeugung beitragen. Das Durchkneten von Muskeln und Bindegewebe ist oft ebenso wirksam wie Tabletten oder Operationen – zum Teil sogar effektiver.

Hierzulande wird am häufigsten die klassische Massage angewendet. Vor allem ältere Personen nehmen sie in Anspruch. Aber auch Berufstätige, die im Büro fast nur sitzend arbeiten und Rückenbeschwerden haben, gehören zu den typischen Kunden der Masseure.

Jahrhundertealte Therapie

Die klassische Massage lockert nicht nur verspannte Muskeln, sie fördert auch die Durchblutung des Gewebes und kann Schmerzen lindern und Verkrampfungen lösen. Die Grundzüge dieses Wirkmechanismus hatte der Philosoph Avicenna bereits im 11. Jahrhundert erkannt. Er vermutete, dass eine Massage in den Muskeln Abfallstoffe beseitigt, die nicht durch Bewegung ausgeschieden werden.

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Eine Variante der klassischen Massage ist die manuelle Lymphdrainage. Mit sanft kreisenden Druckbewegungen werden Schwellungen beseitigt, die durch gestaute Gewebsflüssigkeit (Lymphe) entstehen. Besonders bei Patienten, die nach grösseren Operationen wie einer Brustamputation unter Lymphstauungen leiden, zeigt diese Technik gute Ergebnisse.

Eine weitere Massageform ist die Fussreflexzonenmassage. Der Begründer dieser Methode ist der Amerikaner William Fitzgerald. Seine Theorie besagt, dass jedes Organ auf einer bestimmten Zone der Fusssohle repräsentiert ist. Wenn ein Organ erkrankt ist, soll der Druck auf die entsprechende Reflexzone am Fuss einen Schmerz auslösen. Die Massage der Reflexzonen fördert die Durchblutung der zugehörigen Organe und lindert Beschwerden. Blockierte Energien werden gelöst, und die Heilungskräfte des Körpers werden unterstützt.

Ganz anders funktioniert das Rolfing, auch strukturelle Integration genannt. Diese Massageform wurde von der Biochemikerin Ida Rolf entwickelt. Mit Rolfing können verspannte und verkürzte Bindegewebsstrukturen gelöst und Körpersegmente wieder ausbalanciert werden.

Eine ausgeglichene Gewebespannung und eine verbesserte Balance wirkt sich auf den Körper und auf das seelische Wohlbefinden positiv aus. Rolfing wird empfohlen bei haltungsbedingten Beschwerden, Rückenschmerzen, Fehlhaltungen und Fehlstellungen sowie chronischen Kopfschmerzen.

Petra K. ist eine begeisterte Anhängerin der Massage geworden. Sie hat auch schon Fussreflexzonenmassage und Akupunktmassage ausprobiert. Vor allem die Massage an den Füssen bezeichnet sie als sehr angenehm. Dank der Akupunktmassage wurde sie ihre häufigen Kopfschmerzen fast los. Petra K.: «Jetzt gehe ich auch vorbeugend zur Massage oder wenn ich mir einfach etwas Gutes tun will. Da ist mein Geld gut investiert.»

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Krankenkassen zahlen Massagen

Wer aus medizinischen Gründen eine Massage benötigt, kann sich diese vom Arzt verschreiben lassen. Die Krankenkasse zahlt, wenn die Massage von einer anerkannten Physiotherapeutin durchgeführt wird. Bei einer Behandlung durch eine komplementärmedizinisch ausgebildete Therapeutin übernimmt die Krankenkasse einen Teil der Rechnung, wenn man die entsprechende Zusatzversicherung abgeschlossen hat und der Therapeut in die Liste der Krankenkasse aufgenommen ist. Im Zweifel ist eine Nachfrage bei der Versicherung sinnvoll.

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Buchtipps

  • Mark Evans: «Massage.» Mosaik-Verlag, München 1998, 19 Franken
  • Karen Smith: «Die Wohlfühl-Massage.» Mosaik-Verlag, München 1999, 37 Franken
  • Franz Wagner: «Reflexzonen-Massage.» Verlag Gräfe und Unzer, München 1998, Fr. 27.50
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