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  4. Demenz: Wie Zahnpflege vor der Krankheit schützt

DemenzGesundes Gehirn beginnt im Mund

Studien zeigen, dass Zahnfleischentzündungen wohl Alzheimer begünstigen. Die Krankheitsherde im Mund zu verhindern ist nicht schwierig.

Mindestens zwei Mal täglich Zähne putzen: Eine gute Mundhygiene hilft, Demenz vorzubeugen.
Von Veröffentlicht am 07. Juni 2019

Die Alzheimerforschung Demenz «Alzheimer ist unendlich kompliziert» kommt nur schwer voran. Schon länger vermuten Forscherinnen aber, dass eine Infektionskrankheit hinter dem Abbau der geistigen Fähigkeiten steckt. Eine im Januar 2019 im Fachblatt «Scien­ce Advances» veröffentlichte Studie stützt diese These entscheidend.

Wissenschaftlerinnen der US-Universität Louisville hatten in den Gehirnen verstorbener Alzheimerkranker das Bakterium Porphyromonas gingivalis entdeckt – vor allem im Hippocampus, der für das Gedächtnis zuständig ist. Das Bakte­rium löst im Mund chronische Zahnfleischerkrankungen aus.

Bakterien gelangen über Zahnfleischentzündung ins Gehirn

Entscheidend ist dabei, dass das Bakterium erst durch die Zahnfleischentzündung in den Organismus gelangen kann. «Diese Bakterien sind bei gesundem Zahnfleisch nur in der Mundhöhle und können dank des Immunsystems nicht in den Körper dringen», sagt Zahnarzt Peter Zuber von der unabhängigen zahnärztlichen Beratungsstelle in ­Winterthur. «Bei entzündetem Zahnfleisch, insbesondere bei vertieften Zahnfleischtaschen, ist das Bakterium in grosser Menge anzutreffen.»

Durch die Entzündung blutet das Zahnfleisch auch schneller. Das öffnet dem Bakte­rium den Zugang zur Blutbahn und zum Gehirn. Letzteres sollte die sogenannte Blut-Hirn-Schranke eigentlich verhindern, aber anscheinend reist das Bakterium mit weissen Blutzellen mit oder hangelt sich über längere Zeit an den durch den Mund verlaufenden Hirnnerven hoch.

Einmal im Gehirn, setzt das Bakte­rium giftige Enzyme frei, die Gingipaine. Sie schädigen die Nervenzellen. Das Gehirn reagiert auf den Eindringling und die Entzündung, indem es das ­antibakterielle Protein Amyloid ausschüttet. Es reagiert mit den Gingi­painen, Abbauprodukte entstehen. Sie legen sich auf die Nervenenden, und diese arbeiten nicht mehr. Dieser Prozess beginnt bereits 15 bis 20 Jahre bevor sich eigentliche Alzheimer-Symptome Demenz Leben mit dem Vergessen zeigen. 

Gutes Immunsystem hilft gegen Bakterium

Antibiotika Bakterien Wenn Antibiotika nicht mehr wirken helfen gegen die Bakte­rien nicht. Forschende der Firma Cortexyme arbeiten daher an Wirkstoffen, die die Gingipaine im Gehirn blockieren. Im Tierversuch und an einer ersten Studie mit älteren Menschen waren die Wirkstoffe gut verträglich. Im Tierversuch starben weniger Hirnzellen, und geschädigte Nerven wurden wieder aktiv. Einen anderen Ansatz verfolgen aus­tralische Forschende, sie sind dabei, einen Impfstoff gegen das Gingivalis-Bakterium zu entwickeln.

Die Forscherinnen sind sicher, dass Porphyromonas gingivalis ein Faktor für Alzheimer ist. Sie schliessen aber den Einfluss weiterer Bakterien oder anderer Faktoren nicht aus. Wie schnell und in welchem Umfang das Bakterium im Gehirn Schaden anrichtet, hängt von den Genen ab, davon, wie gut das Immunsystem arbeitet Abwehrkräfte Was stärkt unser Immunsystem? , und von der Anzahl Bakterien im Körper.

Gute Mundhygiene beugt auch anderen Erkrankungen vor

Zumindest gegen zu viele Bakterien im Mund und für eine gute Immun­abwehr lässt sich etwas tun (siehe Tipps in der Infobox unten). Zahnfleischentzündungen sind weit verbreitet: 70 Prozent der ­Erwachsenen leiden darunter, bei den Senioren gar etwa 90 Prozent.

Gute Mundhygiene bringt aber nicht nur dem Gehirn etwas. Denn chronische Zahnfleischentzündungen gelten schon länger auch als Ursache oder Förderer von Herz-Kreislauf-Erkrankungen Test Wie geht es Herz und Kreislauf? , Krebs und Diabetes Diabetes Haben Sie «den Zucker» im Griff? .

Tipps zur Mundhygiene

So schützen Sie Ihr Zahnfleisch

  • Stärken Sie Ihre Abwehr. Ein gesunder Lebensstil unterstützt das Immun­system und die Regenerationsfähigkeit des ­Zahnfleischs. Orientieren Sie sich etwa an der Mittelmeerdiät Mediterrane Ernährung Abnehmen ohne Verbote : viel Obst und ­Gemüse, nur moderat Kohlenhydrate wie weisses Mehl und Zucker, wenig Fleisch und Fisch, maximal ein Glas Rotwein zum Essen. Rauchen Sie nicht Tabak Das Spiel mit dem Feuer , das löst Entzündungen des Zahnfleischs aus. ­Bewegen Sie sich mindestens 150 Minuten pro Woche und bauen Sie mit Yoga oder Sport Stress ab.
  • Putzen Sie zweimal täglich die Zähne. Innert 30 Minuten nach dem Essen, das beseitigt Speisereste, die den Bakterien zur Vermehrung dienen und zur Entzündung des Zahnfleischs beitragen. Regelmässiges, gründliches Putzen Zahnpflege Was uns die Zahnfee verschwieg hält die Bakterienzahl im Normbereich. Elektrische Zahnbürsten entfernen den Zahnbelag oft gründlicher und schonender als eine Handzahnbürste.
  • Säubern Sie täglich die Zahnzwischenräume. So kann sich Zahnbelag nicht zu Zahnstein verhärten, auf dem sich Bakterien gern ­einnisten. Der Zahnarzt weiss, was am besten ist: Zahn­seide, Superfloss, Mundhölzer, Interdentalbürsten oder Spüllösungen.
  • Putzen Sie die Zähne ­behutsam. Zähne nicht zu fest schrubben, sonst ent­stehen Schürfwunden, die Bakterien die Tore öffnen. Zahnseide und Zwischenraumbürstchen Dentalhygiene Das tut den Zähnen gut können in der Startphase Blutungen auslösen, das legt sich aber.
  • Gehen Sie einmal jährlich zum Zahnarzt Zahnarzt zu teuer Zahnarztkosten sparen – so gehts . Gegen Zahnfleischentzündung hilft am besten, die Bakterien aus den Zahnfleischtaschen und die Beläge am Zahnhals beseitigen zu lassen.

 

Zahnmedizinische Beratung: Dr. Peter Zuber, Winterthur

«Wissen, was dem Körper gut tut.»

Chantal Hebeisen, Redaktorin

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Veröffentlicht am 06. Juni 2019