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DemenzWas hilft gegen Alzheimer?

Wie kann man sich vor Alzheimerdemenz schützen, wie einen möglichen Erkrankungsbeginn hinauszögern?

Die Wahrscheinlichkeit, dass viele von uns einen von Demenz betroffenen Elternteil haben werden, nimmt zu.
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Frage von Berta R.: «Ich bin 74 und erfreue mich einer guten körperlichen Gesundheit. Als meine Mutter etwa in meinem Alter war, begann sie an Alzheimer zu leiden. Was kann ich tun, damit ich psychisch möglichst lange gesund bleibe?»

Antwort von Thomas Ihde, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie FMH:

Die Alzheimerdemenz ist mit Abstand die häufigste Demenzform. In ihre Erforschung wurden in den vergangenen zwei Jahrzehnten Milliarden Franken gesteckt. Bisher leider noch ohne Ergebnis für Betroffene oder pflegende Angehörige. Medikamente können heute zwar teilweise den Verlauf verlangsamen oder gewisse Symptome lindern, mehr aber nicht. Es gibt auch noch keine Impfung.

Vor allem bei der viel selteneren frühen Alzheimerdemenz, die schon mit 45 oder 50 beginnen kann, scheint Vererbung eine Rolle zu spielen. Da Alzheimer im sehr hohen Alter stark zunimmt, werden viele von uns einen betroffenen Elternteil haben.

Einiges kann man aber tun, um einen möglichen Erkrankungsbeginn zumindest hinauszuzögern.

1. Bleiben Sie geistig fit

Lesen Sie täglich die Zeitung oder in einem Buch, lösen Sie Kreuzworträtsel, jassen Sie. Schauen Sie alte Fotoalben an und erzählen Sie anderen die Geschichten zu den Bildern. Je mehr Sie Ihr Sprachzentrum und die verschiedenen Gedächtniszentren fordern und fördern, desto besser. Auch Fremdsprachen sind hilfreich. Sie müssen mit 74 nicht gerade einen Sprachkurs in Arabisch belegen. Doch vielleicht macht es Ihnen Freude, Ihre Schulfranzösischkenntnisse aufzufrischen.

2. Bleiben Sie körperlich fit

Täglich eine halbe Stunde Bewegung an der frischen Luft hilft gegen Depressionen und Demenz. Aufenthalte im Wald haben gemäss japanischen Studien mit Abstand den grössten Effekt. Auch Gleichgewichtsübungen sind im Alter sehr wichtig. Sie schützen vor der Fallangst, der Angst, zu stürzen. Sie kann dazu führen, dass man sich nur noch zu Hause aufhält und sich viel zu wenig bewegt. Ebenfalls ratsam ist es, komplexe Bewegungsabläufe zu trainieren, zum Beispiel mit Yoga, Qigong oder einem Tanzkurs. Zur körperlichen Fitness gehört schliesslich eine abwechslungsreiche, gesunde Ernährung mit Gemüse, Früchten, Fisch, Gewürzen und nur wenig hochverarbeiteten Lebensmitteln. Gesunde Lebensmittel sind Ergänzungsmitteln oder Zusätzen grundsätzlich überlegen.

«Täglich eine halbe Stunde Bewegung an der frischen Luft hilft gegen Demenz.»

Thomas Ihde, Facharzt für Psychiatrie FMH

3. Bleiben Sie sozial fit

Vereinsamung verleiht der Demenz Flügel. Springen Sie deshalb über Ihren Schatten und nehmen Sie zum Beispiel an einem Altersnachmittag teil – auch wenn Sie «erst» 74 sind. Pflegen Sie den täglichen Schwatz mit dem Nachbarn, die Kontakte mit Freunden und das wöchentliche Telefonat oder Essen mit den Kindern.

4. Bleiben Sie seelisch fit

Achten Sie auf Ihre Stimmung. Geniessen Sie die kleinen Freuden im Leben, die erste Tasse Kaffee am Morgen, ein Lieblingslied am Radio, einen Schabernack, das Bad am Abend. Wenn Sie das Leben nur noch als genussarm erleben, könnten Sie an einer Depression leiden. Das kommt im Alter recht oft vor, wird aber selten erkannt und behandelt. Auch Spiritualität – unabhängig von der Ausrichtung – unterstützt die seelische Gesundheit. Etwa indem Sie sich Ihrer Werte klar sind und nach ihnen leben. Sich als Teil eines grösseren Ganzen zu sehen kann dazu führen, dass man grosszügiger wird gegenüber den ach so wichtigen Fehlern der anderen. Und vor allem gegenüber den ach so wichtigen Fehlern von uns selbst. Nicht zuletzt ist es gut, eine Aufgabe zu haben. Sie können die Nachbarn mit den drei kleinen Kindern unterstützen oder Ihre Zeit einer Stiftung zur Verfügung stellen.

Und dann gibt es einen letzten wichtigen Punkt: Älter zu werden ist für alle mit vielen Veränderungen verbunden. Es gilt, sich diesen stetigen Veränderungen anzupassen. Für uns alle kommt der Zeitpunkt, an dem wir auf Hilfe angewiesen sind. Wehren Sie sich nicht dagegen. Das führt zu Stress – einem Risikofaktor für ein rascheres Fortschreiten einer Demenz.

Veröffentlicht am 03. April 2017