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HausstaubmilbenWenn die Mitbewohner zum Problem werden

Schlafen kann die Gesundheit gefährden – dies gilt jedenfalls für Hausstaubmilbenallergiker: Sie leiden darunter, dass ihr Körper heftig auf den Kot der winzigen Spinnentierchen im Bett reagiert.

Als Untermieter nicht hübsch, aber unvermeidlich: Hausstaubmilben.
von aktualisiert am 14. März 2018

Sie sind so klein, dass man sie gar nicht bemerkt, doch sie sind mitten unter uns. Wir leben ausnahmslos alle mit Abertausenden von Hausstaubmilben zusammen. Aber die meisten merken es nicht, weil sie sich davon nicht gestört fühlen. Dieses friedliche Zusammenleben von Mensch und Milbe hat bei sechs Prozent der Menschen jedoch unangenehme Nebenwirkungen: Sie reagieren allergisch auf die 0,3 Millimeter kleinen Spinnentierchen. Dies zeigt sich mit Niesen, einer laufenden oder verstopften Nase, geröteten, juckenden Augen, Bindehautentzündungen, einer erschwerten Atmung oder Husten

Manche Betroffene wissen gar nicht, dass sie an einer Hausstaubmilbenallergie leiden, wie Peter Schmid-Grendelmeier, Leiter der Allergiestation des Universitätsspitals Zürich sagt. «Doch wenn die Schleimhäute immer leicht gereizt sind und einem bei körperlicher Anstrengung das Atmen schwerfällt, kann dies ein Hinweis auf eine Hausstaubmilbenallergie sein.» Das Perfide bei den Milben sei, dass man sie im Gegensatz zu anderen allergieauslösenden Faktoren wie etwa Pollen mit dem blossen Auge nicht erkennen kann. 

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Ein Bluttest schafft Klarheit

Wie stellt man fest, ob man an einer Pollenallergie Heuschnupfen Allergiker zwischen den Pollen leidet oder auf die Milben im Hausstaub allergisch reagiert? Antwort kann ein Bluttest beim Hausarzt oder in der Apotheke geben. «Eine Pollenallergie ist meist saisonal bedingt, die Hausstaubmilbe hingegen verursacht das ganze Jahr Beschwerden» sagt Noemi Beuret, Expertin bei Aha! Allergiezentrum Schweiz. Besonders morgens und in der Heizsaison leiden die Betroffenen stark. Denn das Bett, das man gerade verlassen hat, ist auch der bevorzugte Wohnort der Hausstaubmilben. 

Dies klingt zwar ein bisschen eklig, aber die gute Nachricht ist: Mit mangelnder Sauberkeit haben die Hausstaubmilben nichts zu tun. Es ist gar nicht möglich, einen Haushalt frei von Hausstaubmilben zu führen. Möglich und empfehlenswert ist es hingegen, den Milben, die es warm und feucht lieben, das Leben schwer zu machen. Eine hohe relative Luftfeuchtigkeit von über 50 Prozent und Temperaturen von über 20 Grad Celsius sind ideale Bedingungen, damit sich die Spinnentierchen vermehren. 

Hausstaubmilben machen es sich nicht nur gerne in Matratzen, Kopfkissen und Decken gemütlich. Sie sind auch im normalen Hausstaub zu finden, der ausserdem aus Haaren, Hautschuppen von Menschen und Tieren, Textilfasern, Pilzsporen, Pflanzenbestandteilen oder Vogelfedern besteht – je nachdem was in einem Haushalt Allergien Wohnen kann Ihre Gesundheit gefährden alles lebt. Im Staub und in den Betten finden die Hausstaubmilben alles, was sie brauchen: Wärme, Feuchtigkeit sowie Hautschuppen von Mensch und Tier, von denen sich die Hausstaubmilben ernähren. In einem einzigen Teelöffel Staub befindet sich 1000 Milben und bis zu 250‘000 Bällchen Kot – er ist der eigentliche Auslöser für die Allergie. Erstaunlich ist auch die Tatsache, dass sich mit dem Staubsauger lediglich die toten Milben entfernen lassen. «Die lebenden Milben krallen sich an ihrem Untergrund, etwa am Teppich fest», sagt Noemi Beuret. Wirksam sind hingegen geprüfte milbenkotdichte Bettüberzüge (Encasings) sowie Luftreinigungsgeräte.

Die Sonne hilft

Was Milben hingegen gar nicht mögen, ist Sonnenlicht. Allergologe Peter Schmid-Grendelmeier erinnert an eine alte Methode, die unsere Grossmütter noch kannten: «Sie legten Duvets, Leintücher und Matratzen im Sommer an die Sonne. Dies ist sehr nützlich, denn die UV-Strahlung killt die Milben.» Leider ist die milbenreduzierende Wirkung nur vorübergehend, aber einen Versuch ist es wert. Wer den Milben aus dem Weg gehen möchte, kann sich auch mit Aufenthalten in den Bergen vorübergehend Linderung verschaffen. Wegen der trockenen Luft und des kühleren Klimas sind die Hausstaubmilben ab einer Höhe von 1200 Metern über Meer deutlich weniger verbreitet. Dies zeigt sich etwa, wenn Allergiker in den Skiferien plötzlich weniger über Beschwerden klagen. 

Auch gegen die Symptome einer Hausstaubmilbenallergie lässt sich einiges ausrichten. Abhilfe schaffen etwa Augentropfen, Asthmasprays oder Antihistamin-Tabletten. Auch die Möglichkeit einer Desensibilisierung mit Tabletten oder Spritzen gibt es, wie Allergologe Schmid-Grendelmeier erklärt: «Diese Methode ist wirksam, dauert aber ungefähr drei Jahre.» Dabei wird der Körper Schritt für Schritt an den Allergieauslöser gewöhnt, bis er ihn toleriert. In den letzten Jahren hat die Zahl der Hausstaubmilbenallergiker zugenommen. Grund dafür sind die zunehmend isolierten Wohnhäuser mit wenig Luftaustausch, was zu einer höheren Milbenkonzentration führt. 

Auch im Restaurant sollten Hausstaubmilbenallergiker aufpassen. Was viele nicht wissen: ein beträchtlicher Anteil von ihnen ist nämlich allergisch auf Meeresfrüchte. Peter Schmid-Grendelmeier: «Hausstaubmilben sind Spinnentiere, die das gleiche Eiweiss enthalten wie etwa Crevetten oder Muscheln. Die Reaktion darauf kann vom Jucken im Mund über Nesselfieber bis zum allergischen Schock reichen.» Selbst der neuste Nahrungsmitteltrend ist davon betroffen: Auch die derzeit als wertvolle Proteinquellen propagierten Insekten wie etwa Heuschrecken enthalten dasselbe Eiweiss und dürfen von Allergikern auf keinen Fall verzehrt werden. 

Praktische Tipps für Milbenallergiker

  • Während der Heizperiode soll die relative Luftfeuchtigkeit nicht mehr als 50 Prozent betragen und die Raumtemperatur nicht mehr als 21 Grad Celsius. Im Schlafzimmer sollte es etwas kühler sein.
  • Lüften Sie regelmässig kurz, aber intensiv.
  • Packen Sie Matratzen, Kopfkissen und Duvets in milbendichte Überzüge, sogenannte Encasings ein. Sie bilden eine Barriere gegen die Allergene, lassen jedoch Feuchtigkeit durch.
  • Waschen Sie die Bettwäsche wöchentlich bei 60 Grad und, falls möglich, Kissen und Duvets monatlich.
  • Waschen Sie Pyjamas bei 60 Grad.
  • Entfernen Sie Grünpflanzen aus dem Schlafzimmer.
  • Reduzieren Sie den Hausstaub so gut wie möglich. Wirbeln Sie beim Reinigen möglichst wenig Staub auf, sondern entfernen Sie ihn regelmässig mit einem feuchten Lappen von den Möbeln. Nehmen Sie die Böden regelmässig feucht auf. 
  • Entfernen Sie möglichst viele Staubfänger wie Teppiche, schwere Vorhänge, Felle oder nicht waschbare Stofftiere.
  • Plüschtiere der Kinder enthalten oft viele Milben. Kaufen Sie nur solche, die bei 60 Grad gewaschen werden können. Ist Waschen nicht möglich, können Sie die Plüschtiere 24 Stunden in den Tiefkühler legen und bei 30 Grad waschen oder eine Stunde im Wäschetrockner trocknen lassen.
  • Polstermöbel aus Leder, Kunstleder oder Mikrofaserbezug sind besser als solche aus Stoff.
  • Luftreiniger können die Luftqualität in der Wohnung verbessern.
  • Vermeiden Sie Haustiere in der Wohnung.

Hausstaubmilben in Zahlen

  • 0,3 Millimeter gross ist eine Hausstaubmilbe
  • 20 bis 40 Kotbällchen produziert eine Milbe pro Tag
  • 1000 Milben und bis zu 250‘000 allergieauslösenden Kotbällchen befindet sich in einem einzigen Kaffeelöffel Hausstaub.

Weitere Informationen in der Broschüre «Hausstaubmilbenallergie» von aha! Allergiezentrum Schweiz.