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KaiserschnittDer sichere Schnitt ins Leben?

Böse Zungen meinen, er passe gut in den Terminplan einer Frau. Zudem verdiene das Spital viel Geld damit. Dabei gibts sachliche Gründe, warum Kinder per Kaiserschnitt zur Welt kommen - und warum nicht.

Jedes dritte Kind in der Schweiz kommt per Kaiserschnitt zur Welt - Tendenz steigend.
von aktualisiert am 19. Oktober 2017

Kaum eine andere Operation wird so emotional diskutiert wie der Kaiserschnitt. Und vor allem beim «Kaiserschnitt auf Wunsch» kursieren viele Vorurteile. Etwa dass Promis schlechte Vorbilder seien: Wegen ihrer Bekenntnisse zum Kaiserschnitt wollten immer mehr Frauen ebenfalls einen geplanten Eingriff, und das aus rein egoistischen Gründen. Weil sich die Geburt terminlich planen lässt, es keinen Stress mit den Wehen gibt oder das Sternzeichen fürs Kind gerade passt.

In gewissen Kreisen ist dies tatsächlich so, doch die meisten Frauen wünschen einen Kaiserschnitt keineswegs aus «Lifestyle-Gründen». Was jedoch zunimmt, sind Ängste und Unsicherheiten. Frauen fürchten sich zum Beispiel davor, bei der Geburt die Kontrolle zu verlieren.

Geburt à la carte

Erstgebärende werden immer älter. Und je älter sie sind, desto wichtiger werden Vernunfts- und Risikoüberlegungen. Frauen wollen das Beste und das Sicherste für ihr erstes und wohl einziges Kind - das sind nachvollziehbare Gründe. Der Wunschkaiserschnitt aus reiner Zweckmässigkeit, etwa weil er gerade in den Terminplan passt, ist hingegen sehr selten.

Nach Angaben des Bundesamts für Statistik (BfS) kommt jedes dritte Kind in der Schweiz per Kaiserschnitt zur Welt - Tendenz steigend. Allein mit dem höheren Durchschnittsalter der Schwangeren lässt sich der Anstieg aber nicht erklären. In der BfS-Erhebung «Gebären in Schweizer Spitälern» werden neben dem Alter folgende weitere Gründe genannt: Schwangere und Ärzte bedenken eher die körperlichen Folgen einer natürlichen Geburt wie Blasenschwäche oder eine Senkung der Gebärmutter. Weiterer Grund: Das Hebammenwissen wird zu wenig genutzt. Zudem verdienen die Kliniken an einer Schnittentbindung mehr und schützen sich mit dem geplanten Eingriff vor Haftungsprozessen.

Immer mehr Kaiserschnitte werden aber auch auf Wunsch der werdenden Mütter vorgenommen, das heisst medizinisch gesehen wären diese Eingriffe nicht notwendig. Was als medizinischer Grund gilt, ist jedoch ein dehnbarer Begriff. Ärzte und Kliniken haben Spielraum, was sie als notwendig einstufen. So können psychologische Gründe wie die Angst vor Schmerzen, die Sorgen um die eigene Gesundheit oder Bedenken, dass dem Kind bei der Geburt etwas passiert, ausschlaggebend für einen Kaiserschnitt sein. Die Schweizerische Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe hat all diese Gründe als «medizinische Indikationen im weiteren Sinne» definiert.

Kaiserschnitte sind für Kliniken angenehm, weil sie gut planbar sind. Zudem lässt sich mit der Schnittentbindung mehr verdienen als mit natürlichen Geburten. Dass Frauen jedoch aus derlei Gründen in den Operationssaal gedrängt werden, stimmt nicht: Kein Geburtshelfer rät ohne medizinische Gründe zu einem Kaiserschnitt.

Ein Restrisiko bleibt - immer

Für die Mehrzahl der Schwangeren ist eine natürliche Geburt immer noch die beste. Doch auch eine Geburt ohne Komplikationen kann als schlechtes Erlebnis in Erinnerung bleiben oder Auslöser für spätere Beschwerden sein. Schmerzhafte Narben nach einem Dammschnitt oder Dammrisse zählen dazu. Auch kann bei einer natürlichen Geburt immer etwas Unerwartetes passieren. Sie gelingt in 60 bis 80 Prozent der Fälle ohne Komplikationen. Bei je 10 bis 20 Prozent braucht es jedoch eine Entbindung mit Saugglocke oder Zange - oder einen Notfallkaiserschnitt. Vielen Schwangeren und Ärzten scheint daher ein geplanter Kaiserschnitt heute die erträglichere und sicherere Option. Erst recht, wenn die Frau schon eine schwierige Geburt erlebt hat und es ihr entwürdigend vorgekommen ist, so lange leiden zu müssen.

Auch gibt es viele Schwangere, die «eine Probegeburt» wagen: Sie wollen es mit einer natürlichen Geburt versuchen, obwohl die Erfolgsaussichten nur bei 40 Prozent liegen und die Frauen wissen, dass es vielleicht doch zu einem Kaiserschnitt kommt.

Frauen haben die Wahl, wie sie ihr Kind zur Welt bringen. Es stehen heute mit natürlicher Geburt und Kaiserschnitt zwei medizinisch gleichwertige Möglichkeiten zur Auswahl. Doch muss betont werden, dass Schwangere mit der Operation ein Risiko für ihre Gesundheit und die des Kindes in Kauf nehmen. Und sie nehmen sich damit das «Geburtserlebnis» - für viele Frauen ist dieses Gefühl wichtig, «es geschafft zu haben».

Kaiserschnitt: Das sollten Sie wissen

Ärzte unterscheiden zwischen primärem und sekundärem Kaiserschnitt. Der primäre Kaiserschnitt ist ein geplanter Eingriff, bei dem medizinische Gründe vorliegen: Quer- oder Schräglage des Kindes, Steisslage, ein zu grosses Kind fürs Becken der Mutter, Mehrlingsgeburt, Risikofaktoren wie Diabetes oder Bluthochdruck. Durchgeführt wird die Operation, bevor die Fruchtblase platzt und die Wehen einsetzen, oft zwischen der 38. und 39. Woche.

Gibt es bei der Geburt Komplikationen, bei denen Mutter oder Kind in Gefahr geraten, braucht es den sekundären Kaiserschnitt - eine Notoperation. Häufiger Grund: Die Herztöne des Kindes verschlechtern sich. Der Eingriff kann auch notwendig werden, wenn sich die Geburt zu lange hinzieht, ohne dass sich der Muttermund weiter öffnet, oder wenn Infektionen drohen.

Ein Kaiserschnitt ist mit Risiken verbunden. Bei der Frau kann es zu Thrombosen, starkem Blutverlust, Entzündungen und Wundheilstörungen kommen. Gebärmutter, Blase, Harnleiter und Darm werden manchmal verletzt. Die Operationsnarbe schmerzt oft lange. Bei einer weiteren Schwangerschaft kann die Narbe an der Gebärmutter eher reissen. Manchmal versperrt die Plazenta den Muttermund, das kann zu einem erneuten Kaiserschnitt führen. Für zwei von drei Frauen ist bei der nächsten Schwangerschaft jedoch eine normale Geburt möglich.

Auch für das Kind ist ein Kaiserschnitt nicht risikofrei: So leiden sie häufiger unter Problemen mit der Atmung. Im natürlichen Geburtsweg werden dem Kind die mit Fruchtwasser gefüllten Lungen ausgepresst, dieser Effekt fehlt beim Kaiserschnitt ohne Wehentätigkeit.

Werdende Eltern sollten die Vor- und Nachteile eines geplanten Kaiserschnitts abwägen und sich zu nichts drängen lassen. Empfehlenswert ist, sich eine zweite Meinung von einem Arzt oder einer Hebamme einzuholen. Die Kosten für einen Kaiserschnitt - sie können fast doppelt so hoch sein wie die einer normalen Geburt - trägt die Grundversicherung. Voraussetzung: Der Eingriff ist medizinisch notwendig.

Mehr über die Vor- und Nachteile des Kaiserschnitts können Sie in der Informationsbroschüre der Hebammen, Kinderärzte und Anästhesisten lesen: zur Broschüre

Weitere Infos

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Jasmine Helbling, Redaktorin Beobachter

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