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Sexsucht«Er bekommt nie genug Sex»

Wenn jemand zweimal am Tag, siebenmal die Woche Sex möchte, ist er dann sexsüchtig?

Stündlich, täglich, wöchentlich: Ab wann gilt jemand als sexsüchtig?
von aktualisiert am 19. Juli 2018

«Ich habe vor zwei Monaten einen Mann kennengelernt, der im Bett nie genug bekommen kann. Zweimal am Tag, siebenmal die Woche ist ihm zu wenig. Ausserdem hat er beim gemeinsamen Sex mal gefragt, ob ich nicht noch eine nette Freundin hätte, die einmal mitmachen könnte. Ich bin eigentlich eine tolerante Person, aber nun frage ich mich trotzdem, ob der Mann nicht sexsüchtig ist.»

Antwort von Koni Rohner, Psychotherapeut FSP:

Welche Worte auch immer das Verhalten und die Wünsche Ihres Partners beschreiben, das Wichtigste ist, was dies für Sie bedeutet. Fühlen Sie sich bedrängt oder überfordert? Kränkt Sie seine Phantasie Sexuelle Phantasien «Sind die Phantasien schuld?» von einer sexuellen Begegnung zu dritt? Und: Welche Qualität hat Ihre Beziehung Liebe Wie spüre ich, dass die Liebe zu einem Mann echt ist? – abgesehen vom Sex?

Fühlen Sie sich auch geliebt und nicht nur begehrt? Lieben Sie Ihren Partner, fühlen Sie sich wohl in der Beziehung und haben Sie Vertrauen? Wäre der Mann wirklich sexsüchtig, wären Sie sein Suchtmittel und wenn Sie nur Mittel zum Zweck wären, müssten Sie das eigentlich spüren.

Immer wieder wollen ist natürlich

Mit der Sexsucht ist es so eine Sache. In der internationalen Klassifikation psychischer Störungen (ICD) findet sich der Begriff nicht. Erwähnt wird nur «gesteigertes sexuelles Verlangen», worüber Männer und Frauen gelegentlich klagen würden.

Trotzdem bezeugen Sexualforscher, Sexualtherapeuten und Betroffene, dass Sexsucht existiert. US-Wissenschaftler schätzen, dass etwa vier Prozent der Männer und ein Prozent der Frauen sexsüchtig sind. Die Diagnose kann man aber nicht aufgrund der Häufigkeit der sexuellen Aktivität Partnerschaft «Ich habe keine Lust auf Sex» oder der Anzahl Sexualpartner stellen. Hier sind die individuellen Unterschiede riesig, und das ist normal.

Typisch für eine Sexsucht ist ein Kontrollverlust

Dass man immer wieder ein Bedürfnis nach sexueller Aktivität hat, ist ebenfalls kein Anzeichen für eine Sucht, sondern gehört zu unserem biologischen Programm zur Erhaltung der Art. Von einer Sucht muss man aber immer dann sprechen, wenn die Freiheit verlorengegangen ist. Das ist bei der Sexualität nicht anders als bei der Kauf- oder der Esssucht.

Eine echte Sexsucht ist also durch einen Kontrollverlust charakterisiert. Man nimmt sich vor, sein Verhalten zu ändern Hirnforschung Warum unser Hirn auf dem Status quo beharrt , und merkt, dass das misslingt. Bei Männern geht es meist um Bordellbesuche, Telefonsex oder den Konsum von Pornographie, bei Frauen eher um Beziehungen zu mehreren Partnern gleichzeitig.

Ein deutliches Suchtmerkmal ist auch die Dosissteigerung: Man braucht den Kick immer häufiger und immer aufregendere oder extremere Erlebnisse. Zur Sucht gehört, dass man nach dem Konsum Schuld- und Schamgefühle hat. Man hat etwas getan, was man eigentlich moralisch verurteilt, ist aber wieder schwach geworden.

Gekränkte Partner, verkümmerte Süchtige

Oft führt die Sexsucht auch zu gesundheitlicher Gefährdung oder zu finanziellen Problemen Spielsucht Bis zum letzten Hemd . Immer häufigere Bordellbesuche oder Abos von Sexseiten sind teuer. Süchte führen nicht zuletzt dazu, dass man andere Lebensbereiche vernachlässigt. Bei der Sexsucht geht die Suche nach purer Lust zudem auf Kosten von Beziehungs- und Liebesfähigkeit. Die Partner werden nicht mehr als Menschen mit Herz und Verstand wahrgenommen, sondern bloss als Lustkick-Lieferanten. Das kränkt nicht nur die Partner, sondern führt auch zu einer seelischen Verarmung der Betroffenen.

Als Ursache wird wie bei anderen Süchten eine Schwäche in der Persönlichkeitsstruktur angenommen: eine Neigung zu Depressionen und eine innere Selbstunsicherheit. Die leichte Zugänglichkeit von Pornographie im Internet trägt dazu bei, die Sucht zu erhalten.

Mit Psychotherapie kann die Sexsucht angegangen werden. Vorerst geht es um eine unspezifische Stärkung der Persönlichkeit und des Selbstwertgefühls. Durch ein bewussteres Erleben der Sexualität kann zudem die Steuerungsfähigkeit für diesen Lebensbereich verbessert werden. Analog zu den Anonymen Alkoholikern Alkoholismus Wenn Genuss zum Zwang wird gibt es auch die Anonymen Sexaholiker, daneben aber auch andere Selbsthilfegruppen ohne religiösen Hintergrund.

Fünf Dinge, die auf Sexsucht hindeuten

  • Sexualität und Erotik sind für Betroffene das Wichtigste im Leben
  • Sie haben schon versucht, eine sexuelle Aktivität zu stoppen, und sind gescheitert.
  • Betroffene beobachten, dass sie bei Sex oder Erotik immer neue Kicks brauchen und die Dosis steigern müssen.
  • Sie fühlen sich nach sexuellen Aktivitäten niedergeschlagen.
  • Betroffene haben schon wichtige Teile ihres Lebens wegen Sex vernachlässigt (Job, Partnerschaft, Familie, Freunde, Hobbys).

Test: Bin ich sexsüchtig?

  • Die Suchtberatung ags des Kantons Aargau bietet online einen Selbsttest zu Sexsucht: «Bin ich sexsüchtig?»

«Wissen, was dem Körper gut tut.»

Chantal Hebeisen, Redaktorin

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3 Kommentare

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Padoor
Versuchen Sie "es" mit Sexualität/Spiritualität. Bücher, Workshops und oder Körper orientierte Therapieformen, gibt es zu diesem Thema genügend.

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CK
Mich erstaunt Ihre Antwort, mir gegenüber haben Sie gesagt, dass Sie keine Süchtigen behandeln, weil die Psychotherapie nicht wirksam sei.

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CK
Vielleicht hatten Sie Ihre Meinung in der Zwischenzeit geändert.

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