Bei den Frauen hat die Evolu­tionsbiologie ein weiteres überzeitliches Schönheitsmerkmal identifiziert: das Verhältnis zwischen Taillen- und Hüftumfang, das sogenannte THV. Die Zahl ergibt sich, indem man einfach den Bauchumfang durch den Hüftumfang teilt.

Frauen mit einem THV von 0,7 und weniger werden von Männern kulturunabhängig als attraktiver beurteilt. Ein Mädchen nimmt in der Pubertät rund 15 Kilo zu. Die zusätzlichen Fettpolster setzen sich rund um Hüften und Oberschenkel an – etwa 80 000 Kalorien, die nötig sind, um eine Schwangerschaft aufrechtzuerhalten. Die entstehenden Kurven weisen in der Sicht der Männer auf Fruchtbarkeit und ­Gesundheit hin.

Wie beständig das THV von 0,7 ist, zeigte eine Studie des US-Psychologen Devendra Singh: Er untersuchte die Masse von Models und Miss-America-­Gewinnerinnen von 1923 bis 1990. Über die Jahrzehnte wurden die Körper zwar schmaler, aber das THV blieb immer im engen Bereich von 0,68 bis 0,72. Nicht einmal Twiggy war ein formloser Schlauch: Auf dem Höhepunkt ihres Ruhms in den 1960ern hatte das Model ein THV von 0,73.

Fruchtbar und gesund

Die Wahrnehmung der Männer kommt nicht von ungefähr: Frauen mit einem höheren THV sind tatsächlich weniger fruchtbar. Das dokumentiert eine ­Studie in den Niederlanden an 500 Frauen, die sich einer künstlichen Befruchtung unterzogen. Bei einem THV von 0,9 sanken ihre Chancen auf eine Schwangerschaft um rund 30 Prozent.

Auch für die Gesundheit spielt das THV eine Rolle. Mediziner warnen nicht nur vor Über­gewicht und einem zu hohen Body-Mass-Index, sondern sie messen auch das THV, um herauszufinden, wo die Fettdepots sitzen. Für das Risiko einer Herz-Kreislauf-Erkrankung ist die Fettverteilung am Körper entscheidend: Bauch­betontes Übergewicht – «Apfeltyp» – ­erhöht das kardiovaskuläre ­Risiko. Gesunde «Birnentypen» haben ein THV, das bei Männern kleiner ist als 1,0 und bei Frauen kleiner als 0,85.