Liebe Leserinnen und Leser

Wenn Sie mögen: eine kleine Atemübung. Holen Sie normal Luft. Halten Sie den Atem an. Jetzt singen Sie innerlich «Happy Birthday». Noch nicht ausatmen. Holen Sie stattdessen nochmals Luft, bis Ihre Lungen ganz voll sind. Und noch einmal «Happy Birthday». Immer noch nicht ausatmen.

Jetzt dürfte sich bei Ihnen langsam ein Gefühl von Panik einschleichen. Noch haben Sie ein bisschen Reserve. Aber das Verlangen, durchzuatmen, wird immer stärker. 

Okay. Atmen Sie wieder normal. 

Dieses bedrückende Gefühl, das fühlen in der Schweiz gerade immer mehr Menschen. Tag für Tag. Und viel Luft bleibt ihnen nicht mehr. 

Die Geschichte der Woche

Die Miete ist gestiegen. Die Krankenkasse will mehr Geld. Der Strom wird viel teurer. Milch, Mietauto und Magentabletten kosten plötzlich mehr. Alles wird teurer, das Konto leert sich immer schneller – viel brauchts nicht mehr und es wird richtig eng. Was macht das mit Menschen, dieses konstante Balancieren am Rande des finanziellen Abgrunds? Wenn auch der kleinste Luxus nicht mehr möglich ist? Wenn die nächste Rechnung das letzte bisschen Polster zu fressen droht? 

«Wenn das Geld knapp wird, wirds still», sagt unsere Autorin. Es sei sehr schwierig gewesen, Menschen zu finden, die mit ihr über ihre drohende Armut sprechen. Einige taten es dann doch.

«Mich hat beeindruckt, wie diszipliniert die Protagonistinnen und Protagonisten leben. Denn sparen muss man derzeit dort, wo es fast nicht möglich ist: bei Käse und Brot zum Beispiel. Oder beim Wohnen.» – Katharina Siegrist

 

Damit zu den Neuigkeiten aus der Redaktion

Die Korrespondenten in Washington nennen es den «Friday night news dump». Das ist der Trick von Politikern oder Behörden, schlechte Nachrichten am Freitagabend zu kommunizieren – so dass alle Journalisten schon beim Feierabendbier sitzen und es möglichst niemand mitbekommt. 

Die Schweizer Pharmabranche hat auch so einen Trick. Seit 2015 veröffentlichen Novartis, Pfizer und mehrere Dutzend weitere Firmen aufgrund einer eigenen Transparenzregelung, welchen Ärzten und Spitälern sie Geld geben. Sie bezahlen ihnen zum Beispiel Beratungshonorare oder finanzieren Forschungsprojekte. Und für Patientinnen wäre es durchaus interessant zu wissen, ob der Herr Doktor unlängst auf Rechnung von Roche an einen Kongress geflogen ist. 

Die Pharmafirmen veröffentlichen diese Infos auf eine Weise, die es für Laien völlig unmöglich macht, den Durchblick zu haben. «Wer wissen will, ob sein Arzt Geld annimmt, muss sich durch die Websites von 65 Firmen klicken», sagt unser Rechercheur Otto Hostettler. «Das macht kein Mensch.» Und dann ist es bei der einen Firma ein PDF, bei der zweiten eine Excel-Tabelle und die dritte veröffentlicht die Daten direkt auf der Website. 

Wir haben zusammen mit der «Handelszeitung», dem «Blick» und dem «Sonntags-Blick» alle diese Infos zusammengetragen und sortiert. Unter www.pharmagelder.ch können Sie bequem nach Ihrem Doktor oder einem Spital, einer Vereinigung oder Institution suchen. 
 
Und wir haben diese Datenbank selbst für unsere Recherchen genutzt.

Ein Nachtrag zum Abschluss

Ein paar Tage sind jetzt vergangen, seit der Nachricht, dass nächstes Jahr der Strom teurer wird. Zeit mal zu fragen: Wer ist eigentlich schuld an dem Debakel? Unsere Analyse dazu finden Sie hier

(So viel vorweg: In gut einem Monat sind Wahlen. Und es lohnt sich vielleicht, sich die Interessenbindungen Ihrer Wunschkandidaten noch ein bisschen genauer anzusehen.) 

So viel für heute. Bis nächste Woche, wenn Sie mögen.