Der Caritas-Markt in Bern weist seit bald einem Jahr Woche für Woche auf die Aktionen von Aldi hin. Seit die Plakate hängen, haben die Reklamationen der Kunden aufgehört, beim Discounter sei dieses oder jenes Produkt gerade günstiger im Angebot. Die Menschen, die in den Lebensmittelmärkten des Hilfswerks Caritas einkaufen, müssen auf jeden Franken achten. Sie nehmen den Slogan «Günstiger einkaufen geht nicht», mit dem die Märkte werben, deshalb wörtlich.

Doch günstiger zu sein ist schwieriger geworden, seit die Discounter in der Schweiz Fuss gefasst und die Schweizer Detailhändler die Preise nach unten angepasst haben. Allein im letzten Jahr sind bei Coop und Mi­gros die Preise von mehreren hundert Produkten teilweise markant gesunken. Hinzu kommen die Billiglinien, mit denen sie Kunden mit kleinem Portemonnaie zu binden versuchen.

Werben für die Konkurrenz

«Der Preisdruck beschäftigt uns», sagt Wolfgang Neubauer, Leiter des Berner Caritas-Markts. «Wenn Aldi Import-Salatgurken für 89 Rappen anbietet und wir die günstigsten auf dem Schweizer Markt für Fr. 1.45 bekommen, können wir schlicht nicht die Billigsten sein.» Für solche Fälle sind die Hinweise auf die Wochenaktionen der «Konkurrenz» gedacht. «Wir wollen unserer Kundschaft offen zeigen, wo sie am billigsten einkauft», so Neubauer. «Als karitativer Institution steht bei uns der Hilfsgedanke im Vordergrund.»

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Man habe auch schon Produkte aus dem Sortiment genommen, wenn ein Detaillist den Artikel langfristig billiger führe, sagt Marco Callegari, Leiter des Caritas-Markts in Zürich-Oerlikon. Teilweise sind die Preisunterschiede zwischen Caritas-Märkten und gewinnorientierten Anbietern auch kleiner geworden. Callegari: «Früher verkauften wir ein Produkt beispielsweise 50 Prozent unter dem Ladenpreis, jetzt sind es 40 Prozent.» Wenn die Preise runtergehen, ziehe man möglichst nach. So aber sinken die ohnehin schon tiefen Margen – und das hat Folgen. Denn die Geschäfte müssen zwar keinen Gewinn abwerfen, wie Rolf Maurer, Geschäftsführer der Genossenschaft Caritas-Märkte, sagt. Aber Ziel sei es, kostendeckend zu wirtschaften, also für die Betriebskosten selbst aufkommen zu können. In den letzten Jahren stieg der Gesamtumsatz regelmässig um etwa zehn Prozent, 2011 lag er bei über neun Millionen Franken. Neue Geschäfte kommen hinzu und finden ihre Kundschaft. Aber bislang schreibt laut Geschäftsführer Rolf Maurer keiner der 23 Märkte eine schwarze Null. Das Hilfswerk Caritas berappt den Verlust.

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Rund 40 Prozent ihrer Ware ­erhalten die Caritas-Märkte umsonst. Es sind Überschüsse von Herstellern und Grossverteilern, Osterhasen, die nach den Feier­tagen im Discounter niemand mehr will, Produkte mit Ver­packungsmängeln. Die Caritas-Märkte verkaufen die Artikel unter dem ursprünglichen Ladenpreis.

Neben Waren- und Geldspenden sind sogenannte Produkt-Patenschaften ein weiteres wichtiges Standbein. Firmen oder Stiftungen verpflichten sich, ein Produkt finanziell zu unterstützen, damit die Genossenschaft Caritas-Märkte den günstig erworbenen Artikel unter dem Einkaufspreis an die Kunden weitergeben kann.

In den letzten zwei Jahren sind mehrere solcher Paten neu hinzugekommen. Das ist auch nötig, wie Rolf Maurer sagt: «Wir müssen aufgrund des Preisdrucks noch inten­siver neue Quellen für Patenschaften und noch mehr Ware aus Überproduktionen generieren.»

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«Vielleicht erübrigt sich unser Angebot»

Maurer will alles daransetzen, auch künftig mit Discountern mithalten zu können – gerade bei Grundnahrungsmitteln wie Milch, Zucker oder Pasta. Gibt es sie im Inland nicht billig genug, versucht Maurer, sie zu importieren. «Wenn die Detaillisten weiter die Preise senken, erübrigt sich unser Angebot vielleicht irgendwann», sagt er. Aber so recht daran glauben mag er nicht. Stattdessen überlegt er, die Berner Idee der ­Aktionsplakate auch in anderen Caritas-Märkten umzusetzen.