Während der Corona-Pandemie setzte ein regelrechter Bioboom ein. Besonders beliebt sind Demeter-Produkte. Für die Detailhändler ein gutes Geschäft. Denn Demeter ist meist deutlich teurer als andere Bioprodukte. Migros und Coop bauen ihr Sortiment kräftig aus. 

Das Label gilt unter Biofans als das Mass aller Dinge. Demeter stelle Anforderungen an die Produzenten, die über die Schweizer Bioverordnung und die Bio-Suisse-Richtlinien hinausgehen, bestätigt das Forschungsinstitut für biologischen Landbau. Und wer in der Schweiz Demeter produziert, muss auch Bio-Suisse-zertifiziert sein.

Dennoch schafft es das Demeter-Label bei einer grossen Bewertung des WWF und weiterer Organisationen nicht in die höchste Kategorie. 

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Grund dafür sind die importierten Demeter-Produkte. Sie werden nach den Richtlinien von Demeter International hergestellt, heisst es beim WWF. Diese Standards seien aber etwas weniger hoch als die von Bio Suisse. «Importierte Demeter-Produkte entsprechen also nicht den Bio-Suisse-Richtlinien.» Aus diesem Grund habe das Label weniger Punkte erhalten. Besonders beim Wasserverbrauch und bei den Lufttransporten sind die internationalen Richtlinien weniger streng. Für Bio Suisse sind Flugtransporte sogar grundsätzlich verboten. 

Unterschiedliche Demeter-Standards je nach Herstellungsland

Demeter setzt zwar weltweit verbindliche Standards – jedes Land kann darüber hinaus aber «lokal sinnvolle weitere Richtlinien» beschliessen. «Diese zusätzlichen Richtlinien weltweit verbindlich zu erklären, ist nicht das Ziel», heisst es bei Demeter Schweiz. «Das wäre oft auch absurd, weil dabei regionalen, klimatischen und anderen Besonderheiten Rechnung getragen wird.» 

Für die Kundschaft sind diese Unterschiede allerdings nicht ersichtlich. Sie kauft in der Schweiz Demeter-Produkte – in der Annahme, die strengste Bioqualität zu erhalten. Ob bei dem Produkt nun Schweizer Demeter-Richtlinien erfüllt sind oder die weniger strengen internationalen, bleibt intransparent. 

Die Sprecherin von Demeter Schweiz verweist zwar darauf, dass das Herstellungsland bei verarbeiteten Produkten auf der Etikette deklariert werde. Doch weil nur die wenigsten Kundinnen und Kunden wissen, welche unterschiedlichen Demeter-Standards in welchem Land gelten, werden sie mit dieser Angabe kaum etwas anfangen können. Die Angaben «Elaboré en Italie» auf einem Glas Demeter-Artischocken bei Migros oder «Hergestellt in Deutschland» auf einem Demeter-Babybrei von Alnatura schaffen keine Klarheit. Hinzu kommt: Es gibt überhaupt keinen Ländervergleich der Demeter-Standards.

Keine Auskunft 

Bio Suisse und Aldi kennzeichnen Schweizer Bioprodukte immerhin mit einer Schweizer Flagge und schaffen damit Transparenz. Bei Demeter geschieht das nur auf freiwilliger Basis. «Das zum Standard zu erklären, ist im Moment kein Thema», sagt die Sprecherin. «Zielführender ist es, zu verbessernde Punkte von weltweiter Wichtigkeit bei Demeter International einzubringen und so die ganze Bewegung weiterzubringen.» So seien etwa ab diesem Jahr Flugtransporte bei Demeter International nur noch auf Basis von Ausnahmegenehmigungen zugelassen. 

Wie viele Produkte werden in der Schweiz unter dem Demeter-Label verkauft, aber lediglich nach internationalen Demeter-Richtlinien hergestellt? Dazu wollen weder der Handel noch Demeter Stellung nehmen.

Coop geht allerdings schon jetzt einen eigenen, strengeren Weg. Der Detailhändler bietet seine rund 210 Demeter-Produkte ausschliesslich unter der Bioeigenmarke Naturaplan an. Eine Sprecherin: «Damit müssen inländische wie ausländische Demeter-Produkte den strengen Schweizer Knospe-Standard erfüllen.» 

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