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HandwerkersucheWir Schnäppchenjäger

Auf der Internetplattform Renovero.ch schreiben Kunden Aufträge aus – und die Handwerker unterbieten sich gegenseitig mit Dumping­preisen. Ein Feldversuch.

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Ein bisschen erhaben ist das Gefühl schon: Ich habe etwas zu vergeben. Einen Bauauftrag gewissermassen. Jene, die ihn wollen, müssen sich dienstfertig bei mir darum bemühen. Und ich bin es am Ende, der entscheidet – Daumen rauf, Daumen runter.

Die Magie des Moments relativiert sich, als ich meinen Auftrag in Worte fasse: Ein Rasenstück ist zu erstellen, 18 Quadratmeter gross. Wo heute grober Kies liegt und verkrüppelte Rosenstöcke stehen, soll künftig ein grüner Teppich spriessen. Mein Auftrag ist also gewiss kein Renommierprojekt, das nach GATT/WTO-Richtlinien ausgeschrieben werden müsste, sondern nüchterne, ehrliche «Handwerkerbüez». Und damit ein Fall für Renovero.

Die Internetplattform Renovero.ch ermöglicht privaten Auftraggebern, die Angebote von interessierten Handwerkern miteinander zu vergleichen. Das kommt mir entgegen, ahnungslos, wie ich in derartigen Dingen bin. Denn sonst wäre ich womöglich auf die Offerte der Gartenbaufirma H. eingestiegen. Hätte zwar trocken geschluckt ob des offerierten Preises von 3500 Franken, mich aber wohl in mein Schicksal gefügt. «Das kostet anscheinend so viel», hätte ich mir gedacht. Denn abgesehen davon macht der Chef der Firma bei unserem digitalen Austausch einen kompetenten und freundlichen Eindruck.

Ein «Allrounder» ohne Adresse?

Das Problem der Firma H. ist bloss: Es melden sich noch andere Unternehmen auf meine Ausschreibung. Freundlich auch sie, doch unterschiedlich kompetent – zumindest lässt dies die Qualität der eingehenden Anfragen vermuten. «Petro» etwa wäre wohl ein ziemlicher Blindflug gewesen. Er lässt lediglich durchblicken, er sei ein «Allrounder» – keine Adresse, keine Website, nichts. Das macht mich skeptisch. Petro fällt bei der ersten Sichtung ebenso durch den Raster wie jene, die einfach drauflosofferieren: Wie soll eine halbwegs verlässliche Kostenschätzung rauskommen, wenn man sich das Objekt der Begierde nicht wenigstens einmal anschauen will?

Zehn Tage nach der Ausschreibung liegen fünf vertrauenswürdige Angebote auf meinem E-Mail-Konto bei Renovero. Preismässig klaffen zwischen den Offerten Abgründe: Was die Firma H. für «garantierte» 3500 Franken zu tun gedenkt, bietet Gärtner Sch. «unverbindlich» für 750 Franken an. Dasselbe für einen guten Fünftel der Kosten? Vergleichsmöglichkeiten können auch ratlos machen.

800 Franken bar auf die schwielige Hand

Schliesslich bitte ich Sch. zur Besichtigung in meinen Garten. Ebenso den Landschaftsbauern T., der von früheren Renovero-Kunden überaus wohlwollende Bewertungen bekommen hat. Die Detail­offerten zeigen: Sch. machts an einem Tag für nunmehr verbindliche 787 Franken, T. braucht zwei Tage und will 2100 Franken. Wie man sich zwei Tage lang auf meinen 18 Quadratmetern vertut, kann ich mir irgendwie nicht vorstellen – der Geizkragen in mir obsiegt.

Ein paar Tage später drücke ich Sch. den vereinbarten Betrag bar in die schwielige Hand, aufgerundet auf 800 Franken, man ist ja kein Unmensch. Weil ich die Firma H. in einen Wettbewerb verstrickte, habe ich meinen Rasen 73 Prozent billiger bekommen. Muss ich mir jetzt ein Gewissen machen? Mir vorwerfen, ein unverschämter Preisdrücker zu sein?

Veröffentlicht am 07. Juni 2011