Man macht es denen, die einen für dumm verkaufen wollen, ganz besonders einfach, wenn man sich so richtig dumm anstellt, das Hirn abschaltet und alles vergisst, was man ja eigentlich weiss.

Kürzlich sass ich am Computer und kaufte online ein. Das mache ich mittlerweile aus dem Effeff: Kreditkarten-Nummer abtippen, Gültigkeit und dreistelligen Sicherheitscode eingeben. Just in diesem Moment kam eine E-Mail mit dem Hinweis, dass meine Kreditkarte womöglich in falsche Hände gekommen sei.

«Na, das ist aber kundenfreundlich!», dachte ich und fing an, das Formular auszufüllen. Als ich meinen Sicherheitscode eingeben sollte, klickten dann aber glücklicherweise meine Synapsen im Gehirn statt die Finger auf der Maustaste. Die Phishing Phishing Immer raffiniertere Betrugsversuche -Mail hatte mit meiner Onlinebestellung natürlich nicht das Geringste zu tun.

Rechtfertigt das digitale Format die Mehrkosten?

Ein paar Wochen später benötigte ich einen Betreibungsauszug. Früher ging man dazu noch aufs Betreibungsamt, heute macht man das online. Also googelte ich «Betreibungsauszug online» und klickte auf den ersten Treffer.

«Recht poppige Seite haben die Betreibungsämter da!», dachte ich, ignorierte das Kleingedruckte und selbst die Information «Flatfox AG bezieht Betreibungsauszüge schweizweit und ist kein Betreibungsamt».

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Ich staunte zwar noch ein bisschen über die hohen Kosten, gab aber meine Daten trotzdem ein. Ich war so mit Tippen und Klicken beschäftigt, dass ich die Alarmglocken in meinem Hirn erst hörte, als ich den Laptop zuklappte.

Sogleich klappte ich ihn wieder auf und fragte beim Immobilienportal Flatfox nach, was aus ihrer Sicht der Vorteil ist, wenn man einen Betreibungsauszug nicht auf dem Betreibungsamt bestellt. «Sie erhalten den Betreibungsauszug in digitalem Format und können ihn dadurch mehrfach verwenden. Ausserdem wird er direkt Ihrem Bewerbungsdossier angehängt, sofern Sie sich über Flatfox auf Wohnungen bewerben.»

Hätte ich mich nicht für dumm verkaufen lassen, hätte ich das alles auch für Fr. 17.00 plus Versand statt für Fr. 29.90 haben können.

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«Für dumm verkauft»

Etikettenschwindel, falsche Preisangaben, haarsträubende Werbung oder sonst ein Reinfall: Für Ärger beim Shoppen ist leider nur allzu häufig gesorgt. Auch Beobachter-Redaktorinnen und -Redaktoren fühlen sich öfters für dumm verkauft. Was sie dabei erleben, lesen Sie jede Woche unter dieser Rubrik.

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Christian Gmür, Content Manager Ratgeber

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