Leicht belämmert blinzelt der süsse Chihuahua-Welpe aus der Website. Ursina Lamprecht (Name geändert) verliebt sich sofort in ihn. Der Anbieter verspricht alles, was ihr wichtig ist: Gesundheitsgarantie und vollständige Ahnentafel. Er nimmt sich viel Zeit für ihre Fragen, macht einen guten Eindruck.

Lamprecht möchte den Hund direkt beim Züchter abholen. Doch der Verkäufer bietet ihr an, das Tier an die Grenze zu bringen. So müsse sie nicht so weit fahren. Sie lenkt ein und übernimmt den Chihuahua an einer Raststätte in Österreich, gleich über der Grenze. Die versprochene Ahnentafel erhält Lamprecht allerdings auch nach einem halben Jahr nicht. Doch sie hat Glück. Der Hund stammt von einem guten Züchter und ist völlig gesund, bestätigt ihr der Tierarzt.

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Bei Hunden aus Massenzuchtanlagen sind die Probleme programmiert

Eine positive Ausnahme: Drei von fünf Hunden, die Private via Internet aus dem Ausland importieren, stammen aus Massenzuchtanlagen oder schlecht geführten Hobbyzuchten, schätzt Julika Fitzi, Tierärztin beim Schweizer Tierschutz.

Die Muttertiere werden dort unter argen Bedingungen gehalten und als Gebärmaschinen missbraucht. Damit sie möglichst rasch den nächsten Wurf austragen können, werden die Jungen viel zu früh von der Mutter getrennt. Diese traumatischen Erlebnisse prägen sie ein Hundeleben lang. «Mit einem solchen Hund sind riesige Probleme programmiert», sagt Verena Ammann, Ehrenmitglied bei der Schweizerischen Kynologischen Gesellschaft. Sie ist überzeugt: Niemand würde solche Hunde kaufen, wenn er die Verhältnisse vor Ort gesehen hätte.

Viele Hundehalter kennen zwar die Problematik. Trotzdem werden jedes Jahr Zehntausende von Welpen aus dem Ausland geholt. Schweizer Züchter können die Nachfrage nicht decken. Hinzu kommt: Die jungen Hunde kosten im Ausland oft deutlich weniger.

Sehr viele unseriöse Verkaufsangebote

Aber: 90 Prozent der Inserate im Internet sind unseriös oder gar betrügerisch, hat der Schweizer Tierschutz in einer Studie aufgezeigt. «Käufer, die unüberlegt und ohne weitere Abklärungen einen Hund erwerben, sind ebenso schuld am enormen Tierleid durch Massenproduktion» sagt Julika Fitzi. Deshalb sei es das Wichtigste, die Geburtsstätte des Tieres persönlich unter die Lupe zu nehmen.

Verena Ammann empfiehlt, Hunde nur bei anerkannten Züchtern und Tierheimen zu kaufen, wenn möglich in der Schweiz, auch wenn das meist etwas länger dauere und auch teurer sei. Dafür könne man einfacher überprüfen, wie das Tier gehalten wurde. Und falls Probleme auftauchen sollten, ist der Rückgriff auf den Verkäufer in der Schweiz deutlich einfacher.

Hunde aus dem Internet: Achten Sie auf folgende Punkte
  • Nur bei seriösen Händlern kaufen: Im Inserat müssen Name, vollständige Adresse, Telefonnummer, Mailadresse sowie Besichtigungsort und -zeit vermerkt sein. Zudem alle nötigen Angaben zum Tier wie Rasse, Geburtsdatum, Herkunftsort, Abstammung und Gesundheitsstatus sowie Mikrochip-Nummer.
  • Nicht kaufen, wenn die Preise unrealistisch tief sind, die Sprache fehlerhaft ist (schlechte Übersetzungen, viele Ausrufezeichen), wenn eine grosse Zahl, viele verschiedene Tiere oder Rassen oder kupierte Hunde angeboten werden.
  • Die Zuchtanstalt persönlich besuchen: Selbst wenn ein Inserat alle Kriterien erfüllt, ist das keine Garantie, dass der Anbieter seriös ist. Beobachten Sie dabei das Muttertier, sprechen Sie ausführlich mit dem Züchter und lassen Sie sich Räumlichkeiten und Umgebung zeigen.
  • Nicht auf Märkten kaufen oder an Raststätten übernehmen: Hier werden meist Tiere aus Massenzuchten angeboten.
  • Stammbäume taugen nur, wenn sie von der FCI (Fédération Cynologique Internationale) und dem jeweiligen Landesverband zertifiziert sind. Bei Unklarheiten kann man beim Landesverband nachfragen.
  • Für den Import muss der Hund gechippt und gegen Tollwut geimpft sein (mindestens 21 Tage vor der Einreise). Bei EU-Ländern brauchts einen Heimtierpass, bei anderen Ländern eine Veterinärbescheinigung. Bei einem Tollwut-Risikoland sind zudem Blutanalyse und Bewilligung des Bundesamts für Veterinärwesen nötig. Der Import ist zollfrei, Mehrwertsteuer muss bezahlt werden.
  • Verboten ist der Import von Hunden, die an Ohren oder Rute kupiert sind.
Weitere Infos
  • Merkblatt (PDF) «Worauf achten bei Tierinseraten im Internet?»: www.tierschutz.com/...
  • «Mit Hund, Katze oder Frettchen über die Grenze» zur Bestimmung der Importvoraussetzungen nach Herkunftsland: www.ezv.admin.ch/...
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